Digital-Index 2021 Positiver Trend mit Luft nach oben

Redakteur: Manfred Klein

Das BMI und das Kompetenzzentrum für Öffentliche IT beim Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS haben den Digitalindex 2021 für Deutschland veröffentlicht, der eine steigende Bereitschaft der Bürger zeigt, digitale Verwaltungsangebote zu nutzen.

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Der Trend bei eGovernment ist positiv, aber das Ziel noch in ziemlicher Ferne
Der Trend bei eGovernment ist positiv, aber das Ziel noch in ziemlicher Ferne
(© Alex – stock.adobe.com)

Noch gut 19 Monate sind es, dann muss, laut Gesetz, die Onlinezugangsgesetz-Umsetzung (OZG) abgeschlossen sein. Da wundert es nicht, wenn im aktuellen Deutschland-Index das OZG und die Kommunen im Mittelpunkt stehen. Untersucht wurden die fünf Themenfelder:

  • Infrastruktur,
  • Nutzung digitaler Möglichkeiten im Alltag,
  • Wirtschaft und Forschung,
  • Bürgerservices und
  • digitale Kommunen.

Die Daten dazu wurden bis Mitte 2020 erhoben.

Dabei gibt es auch durchaus erfreuliches zu berichten. Von den 5.500 befragten Bürgerinnen und Bürger haben laut dem Digitalisierungs-Index des Bundesinnenministeriums (BMI) und des Kompetenzzentrums für Öffentliche IT (ÖFIT) beim Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, gut 40 Prozent im letzten Jahr mindestens ein digitales Verwaltungsangebot genutzt. Zugang zu den Angeboten sind für die meisten die kommunalen Webportale, die bundesweit von zwei Dritteln der Befragten genutzt werden. Informationswert und Funktionalität der Portale werden dabei von der Mehrheit positiv bewertet.

Spitzenreiter ist hier übrigens das Land Hamburg. Dort hatten dem Index zufolge bereits 50 Prozent der Bürger Berührungspunkte mit der digitalen Verwaltung. Prof. Dr. Peter Parycek, Leiter des Kompetenzzentrums ÖFIT, erklärte angesichts dieser Werte: „Der Deutschland-Index der Digitalisierung erreicht 2021 einen Wert von 70,2 Punkten und fällt damit höher aus als 2019 mit 68,3 Punkten. Damit setzt sich auch jenseits kurzfristiger Corona-Effekte der langfristige Trend fort, der schon zwischen 2017 und 2019 zu beobachten war: Deutschland wird immer digitaler.“

Aber wie so oft, so trügt auch hier der erste Schein. So findet man in den Online-Tools zur Studie unter dem Stichwort „Wie digital ist die Verwaltung?“ einige Präzisierungen. Auch darin wird betont, dass die Mehrheit der Internetnutzer [...] zwar mit der Auffindbarkeit von Informationen auf der Website ihrer Kommune zufrieden sei. Schon im nächsten Absatz heißt es aber: „Das Angebot an Online-Verwaltungsleistungen wird deutlich kritischer bewertet. Nur in den Stadtstaaten und Sachsen schätzt eine Mehrheit dies als gut ein.“

Und zur Nutzung heißt es: „Maximal jede:r Vierte hat im letzten Jahr Formulare online an Behörden übermittelt und konnte sich damit den Gang zum Amt sparen.“

Das seien zwar in fast allen Ländern mehr als noch zwei Jahre zuvor, aber die Entwicklung sei insgesamt gering, heißt es dazu abschließend.

Es ist also insgesamt noch viel Luft nach oben, wird auch im abschließenden Statement von Dr. Markus Richter, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, deutlich: „Ich freue mich, dass immer mehr Menschen die digitale Verwaltung nutzen und die Angebote gut bewerten. Das Potenzial ist aber noch viel größer. Unser gemeinsames Ziel ist, dass die Menschen in allen 11.000 Kommunen in Deutschland einen vollwertigen Zugang zur digitalen Verwaltungswelt bekommen. Daran arbeiten wir im Bund gemeinsam mit den Ländern und Kommunen auf Hochtouren.“

Ergänzendes zum Thema
Deutschland-Index 2021
Methode und Erhebungszeitraum

Alle zwei Jahre untersucht das Kompetenzzentrum Öffentliche Informationstechnologie (ÖFIT) am Fraunhofer-Institut FOKUS die Frage: „Wie digital ist Deutschland?“. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Onlinezugangsgesetz. Dabei wird vor allem die Ebene der Bundesländer und Kommunen beleuchtet. Und hier zeigen sich positive Entwicklungen.

Durch das Zusammentragen einer Vielzahl von Indikatoren machen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von ÖFIT die Entwicklung der Digitalisierung begreifbar und zeigen dabei regionale Aspekte in den 16 Bundesländern auf. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Stand der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) in den Kommunen.

Aus diesem Grund wurde die Kommunenerhebung ausgeweitet und um eine repräsentative Bevölkerungsumfrage ergänzt. Diese bildet nun mit mehr als 5.500 Befragten neben der Angebots- auch die Nachfrageseite digitaler Angebote länderspezifisch ab. Befragungszeitraum war Mitte 2020. Im Rahmen der Studie wurden gut 300 ausgewählte kommunale Webportale untersucht. So zeigt sich im Index ein Gesamtbild der Nachfrage nach digitalen Verwaltungsangeboten und dem kommunalen Angebot.

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