Channel Fokus: Fachkräfte für die IT-Branche ITK: Männerwelt, Frauenwelt und doch dieselbe Welt

Von Heidi Schuster 4 min Lesedauer

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Wir schreiben das Jahr 2023: Diversity, Gendern und der IT-Fachkräftemangel begegnen uns überall. Da könnte man fast auf die Idee kommen, Frauen zu fördern, damit sie in der IT Fuß fassen, denn sie haben es schwer in der Branche.

Unternehmen entscheiden sich immer noch lieber für eine männliche ITK-Fachkraft. (Bild:  eyetronic - stock.adobe.com)
Unternehmen entscheiden sich immer noch lieber für eine männliche ITK-Fachkraft.
(Bild: eyetronic - stock.adobe.com)

„This is a man's world“ heiß es in einem Song von James Brown aus dem Jahr 1966. Und in der IT-Branche ist das leider immer noch ein weit verbreitetes Bild. Allerdings lautet die nächste Songzeile des Künstlers: „But it wouldn't be nothing, nothing without a woman or a girl.“ Und das sollte sich die Tech-Welt zu Herzen nehmen.

Es klingt fast unglaublich, aber trotz des Fachkräftemangels in der IT, werden Frauen deutlich seltener zum Vorstellungsgespräch gebeten als Männer. So bekamen nur etwa 16 Prozent der Userinnen der Tech-Job-Plattform Honeypot.io, allesamt Programmiererinnen, im Jahr 2022 eine Einladung. Bei den männlichen Bewerbern waren es 84 Prozent.

Vorurteile ablegen und umdenken

Wenn es an Fachkräften fehlt, dann ist es empfehlenswert, Vorurteile abzulegen. Und die gibt es viel zu oft, wie eine Umfrage des Eco-Verbands und Civey bestätigt: 44,9 Prozent der Männer und 32,5 Prozent der Frauen attestieren Frauen ein geringeres Interesse an Technik und IT. Aber ist das wirklich so, und wenn ja, warum?

„Informatik und digitale Kompetenzen müssen in Deutschland flächendeckend Einklang in die Curricula der Schulen finden, damit Mädchen möglichst früh ihre Begeisterung und ihr Talent für Technologie-Themen entfalten. Denn bereits hier sehen wir ein Defizit an den Schulen, welches sich in der Wertschöpfungskette gewissermaßen nachhaltig fortsetzt“, mahnt Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender vom Eco Verband. Der Fachkräftemangel sei eklatant. Ende 2022 fehlten allein am deutschen Arbeitsmarkt rund 326.000 MINT-Fachkräfte (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).

Rollenklischees und Kompetenzzuschreibungen von außen versperren Mädchen früh den Weg zu einer Karriere in Technologie-Berufen. So erwägen zehnmal weniger Mädchen als Jungen im Alter von 15 Jahren einen technischen Beruf zu ergreifen, so ein Report der Organisation OECD.

„Wir brauchen ein gesamtgesellschaftliches Umdenken, damit zukünftig mehr Frauen den Weg in die Tech-Branche finden. Wirtschaft, Politik und Bildungseinrichtungen müssen gemeinsam dieses Umdenken anstoßen und fördern. Es braucht Bildungsangebote und Initiativen wie beispielsweise unsere #LiT – Ladies in Tech, damit Mädchen und Frauen die vielfältigen Karriereoptionen in Tech und IT für sich entdecken und ergreifen“, ergänzt Lucia Falkenberg, Chief People Officer beim Eco-Verband und DE-CIX.

Wirtschaftswachstum durch Frauen in der IT

Dieser Mangel an Beschäftigten mit fortgeschrittener Digitalkompetenz trage als wesentlicher Faktor zur Verlangsamung der Digitalisierung in EU-Mitgliedstaaten bei. Laut einer McKinsey-Studie könnte ein höherer Frauenanteil in Technologieberufen sogar das Wirtschaftswachstum in Europa ankurbeln. In den EU-Mitgliedstaaten sind bislang nur 22 Prozent Frauen in der Technologiebranche tätig. Gelänge es, den Frauenanteil bis 2027 zu verdoppeln, könnte sich auch das Bruttoinlandsprodukt der EU-Länder verdoppeln.

„Unternehmen brauchen jetzt klare Strategien auf Top-Managementebene, um den Frauenanteil in Tech signifikant zu erhöhen“, so Süme. Im Digital Economy and Society Index (DESI), 2021 geben 55 Prozent der EU-Unternehmen an, dass sie Schwierigkeiten haben, ITK-Fachkräfte zu rekrutieren.

Mädchen und Frauen zur IT ermutigen

Und letztendlich geht es eigentlich „nur“ um Gleichberechtigung – und diese fängt bei der Bildung an. Es erfordert ein Umdenken, denn technische Berufe werden Frauen oft nicht als realistische Karriereoption empfohlen. Laut Statistischem Bundesamt waren in den Studienjahren 2019 bis 2022 nur um die 20 Prozent der Studierenden in den MINT-Studiengängen weiblich. Auch wenn sich diese Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren minimal erhöht hat, müssen Grund- und weiterführende Schulen weiterhin positive Botschaften über Technologiekarrieren für Mädchen und Frauen aufzeigen. Die enge Zusammenarbeit von Bildungsinstitutionen – und Technologieunternehmen muss eine höhere Einschreibungsrate von Frauen in die Informatikberufe vorantreiben.

Ein Vorreiter im Channel ist sicherlich der IT-Dienstleister Inovex, der mit zahlreichen Angeboten und mit der Teilnahme an mehreren Initiativen versucht, den künftigen Nachwuchs für die IT zu begeistern, wie mit der Teilnahme am Girls’ Day, dem Mädchenzukunftstag (siehe Kasten weiter unten).

Die ITK-Branche braucht Nachwuchs

Gerade der ITK-Channel, der ebenfalls gebeutelt ist vom Fachkräftemangel, einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaft leistet und den Unternehmen bei der Digitalisierung zur Seite stehen soll, sollte sich, wenn noch nicht geschehen, beim Nachwuchs engagieren, damit es nicht am Ende, wie in James Browns Song auf die IT-Branche bezogen heißt: „He's lost in bitterness, he's lost lost“.

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Girls' Day 2023

Am 27. April 2023 findet der Girls' Day statt – der Mädchen-Zukunftstag. Schülerinnen ab der 5. Klasse besuchen dabei Betriebe oder Hochschulen und lernen die Vielfalt der Berufswelt für sich kennen, beispielsweise in der IT, im Handwerk oder den Naturwissenschaften. Und die Aktion zeigt Wirkung: Nach dem Girls' Day 2022 konnten sich deutlich mehr Schülerinnen (21%) vorstellen, einen Beruf in der IT oder der Informatik zu ergreifen (vorher nur 12%).

Der Girls' Day unterstützt Schülerinnen bei der beruflichen Orientierung.
(Bildquelle: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.)

„Nutzen Sie die Chance, und tragen Sie Ihr Angebot ein“, motiviert Romy Stühmeier, Leiterin der Bundeskoordinierungsstelle von Girls' Day und Boys' Day.

www.girls-day.de

Beim FIT-Kongress (Females in IT) der Vogel IT-Akademie treffen sich die Frauen der IT-Branche. Außerdem können Sie abstimmen für die „Women of the Year“ in den Kategorien „Startup“, „Digital Transformation“ und „Leadership.“

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