Design gegen Elektroschrott Ist das Smartphone der Zukunft rund?

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Was bietet das Smartphone der Zukunft seinem Nutzer? Und wie lässt sich der Produktlebenszyklus verlängern, um Elektroschrott und Ressourcenverschwendung zu vermeiden? Industriedesigner des Fraunhofer IZM haben zwei Entwürfe fürs Smartphone der Zukunft vorgestellt.

Modular, langlebig, recyclebar – Forschende vom Fraunhofer IZM demonstrieren Entwürfe für die Smartphones der Zukunft.(Bild:  Fraunhofer IZM | Tapani Jokinen & Robin Hoske)
Modular, langlebig, recyclebar – Forschende vom Fraunhofer IZM demonstrieren Entwürfe für die Smartphones der Zukunft.
(Bild: Fraunhofer IZM | Tapani Jokinen & Robin Hoske)

Die Menge an Müll, die bei der Produktion eines Smartphones entsteht, würde rund 86 Kilogramm wiegen, berichteten die Mitarbeitenden der schwedischen Abfallwirtschaft (Avfall Sverige) im Jahr 2022 in der Studie „The total waste of products – a study on waste footprint and climate cost“ über unsichtbaren Abfall. Und dabei wiegt ein Smartphone selbst, mit Verpackung, gerade einmal wenige hundert Gramm.

Ist diese Menge an Abfall auf Dauer zu tolerieren, wenn wir Dinge wie Schonung von Ressourcen, Ressourcenunabhängigkeit und Nachhaltigkeit vor Augen haben? Und damit ist es ja noch nicht getan, nicht wahr? Denn irgendwann, für viele Verbraucher lieber früher als später, muss ein neues Gerät her, während das Altgerät in der Schublade herumliegt oder gar falsch entsorgt wird. Immerhin tauschen Europäer ihre Geräte im Schnitt nach rund 40 Monaten, berichtet Allianz Research im Jahr 2022 im Rahmen eines Berichts, der die Wirtschaftsaussichten der flächendeckenden Einführung von 5G beleuchtet – Tendenz steigend.

Dennoch ist es sinnvoll, die Vermeidung von Müll in der Smartphone-Produktion bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen. Der Frage nach der Verringerung der Umweltbelastung durch Smartphones haben sich unter anderem zwei Industriedesigner des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) gewidmet. Dabei entstanden zwei interessante Entwürfe für das Smartphone der Zukunft, die man ernstnehmen sollte.

Modest Cube: Höchste Reparierbarkeit und Flexibilität

Das erste der beiden Designs der beiden Industriedesigner Tapani Jokinen und Robin Hoske sieht an und für sich wenig spektakulär und wie ein übliches Smartphone aus. Allerdings bietet der Modest Cube ein Feature, auf das die großen Hardware-Hersteller in der Vergangenheit oft verzichtet haben, nämlich eine hohe Austauschbarkeit (und damit Reparierbarkeit) unterschiedlicher Komponenten, sodass nicht das Gesamtgerät getauscht werden muss.

Für den Entwurf wurden Daten zu den individuellen Bedürfnissen und dem Verhalten der Nutzenden analysiert und durch gezielte Workshops mit Teilnehmenden aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Konsum und Design verfeinert. Hoske erklärt die entstandene Vision: „Der Modest Cube verkörpert ein Smartphone, das nicht altert, denn mit Hilfe des Mix&Match-Prinzips können Teile der Hardware einschließlich des Bildschirms mühelos ausgetauscht werden. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Reparierbarkeit – es eröffnet auch die Möglichkeit, unterschiedliche Anforderungen der Nutzenden zu treffen: Wer beispielsweise eine extrem gute Kamera im Smartphone braucht, kann diese aufrüsten, ohne direkt ein neues Gerät kaufen zu müssen. Damit veranschaulicht unser Entwurf, wie Elektroschrott reduziert werden kann, während der Wert des Produkts bewahrt wird“.

Modest Arch: So viel wie nötig, so wenig wie möglich

Der zweite Entwurf spart Ressourcen bereits bei der Produktion, denn das minimalistische Design benötigt aufgrund des zweifellos ungewöhnlichen Looks wesentlich weniger Material. Das Modest Arch verfügt über eine runde Form, weil es bei diesem Entwurf vor allem darum geht, die psychologische Komponente der Smartphone-Nutzung miteinzubeziehen. „Die Idee ist es, die Nutzung im Sinne der digitalen Suffizienz zu moderieren, um das mentale Wohlbefinden zu fördern und potenzielle negative Auswirkungen wie verringerte Konzentrationsfähigkeit zu minimieren“, heißt es in der Mitteilung vom IZM.

„Wir gehen davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren viele Anwendungen über Virtual Reality und KI-basierte Sprachassistenten funktionieren werden. Daher haben wir uns für ein kompaktes und minimalistisches Design entschieden, bei dem die Hardware auf ein Minimum reduziert und das Betriebssystem cloudbasiert umgesetzt wird. Das Grundgerüst des Geräts ist damit eigentlich ein Webbrowser in Form eines persönlichen Tokens, der vergleichsweise wenige Bauteile benötigt. Je nach Bedarf können weitere Funktionen konfiguriert werden und die ARCH als Schnittstelle für eine vernetzte IoT-Umgebung dienen“, erklärt der Designer Jokinen. Weil ein solcher Ansatz große Designfreiheiten eröffnet, haben sich Jokinen und Hoske für ein rundes Interface in der Größe von 51 x 15 Millimetern aus recyceltem Stahl entschieden. Motion Sensing erlaubt es dem Nutzenden etwa, das Gerät zu einer Air Mouse umzufunktionieren.

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Ist das die Zukunft der Smartphones?

Die Entwürfe von Jokinen und Hoske sind bislang nur das: Entwürfe. Die Forschenden verfolgen allerdings ehrgeizige Pläne. Im Anschluss an das Projektende wollen sie Prototypen entwickeln und umfassende Tests damit durchführen. Die beiden zentralen Ansätze – verlängerte Produktlebensdauer und modulares Design – haben das Potenzial, die Elektronikindustrie nachhaltig zu verändern, das Design von Smartphones in neue Richtungen zu lenken und Elektroschrott zu reduzieren.

Allerdings stellt sich dabei natürlich die Frage, ob die Konsumenten ein gewagtes Design wie im Fall des Modest Arch oder die Modularität wie beim Modest Cube annehmen würden. Allerdings sagt auch niemand, dass Smartphones für immer gleich aussehen müssen.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektronikpraxis.

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