Straubing wird zur paneuropäischen Drehscheibe, SMB-Abteilung bekommt Verstärkung Ingram Micro bündelt Europa-Kräfte in Deutschland

Redakteur: Regina Böckle

Broadliner Ingram Micro hat jetzt den Deckel über dem dampfenden Gerücht gelüftet, das - neben vielen anderen - seit Tagen durch die angeheizte Branchen-Küche zieht: Ja, es wird Entlassungen geben, insgesamt 15 an der Zahl. Und ja: Die Zahl der Mitarbeiter hierzulande wird durch zusätzliche Aktivitäten erweitert. Die Firmenstandorte Dornach und Straubing erhalten auf der Europa-Bühne die Schlüsselrollen. Wie das alles zusammenpasst, erklären die jüngsten Umbaumaßnahmen.

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»Das Logistikzentrum Straubing soll zum Drehkreuz für das gesamte Zentral- und Osteuropa-Geschäft werden«, hatte Ingram-Micro-Chef Gerhard Schulz im Juli angekündigt, als der neu gebaute zweite Teil des Zentrums in Betrieb ging. Ab sofort dreht sich dieses Kreuz gleich in zwei Richtungen: Zum einen sollen die Märkte in der Schweiz, Österreich und vor allem Ungarn künftig noch stärker von Straubing aus beliefert werden.

Zum anderen wandert das bislang von Holland und Belgien aus gesteuerte, europaweite Komponenten- und Netzwerkgeschäft nach Deutschland. Vertrieb und Einkauf werden in Dornach gebündelt, Logistik sowie Retouren- und RMA-Abwicklung für diesen Bereich ziehen nach Straubing. Auf diese Weise kann Ingram Micro hierzulande schon heute 50 Prozent mehr Geschäft abwickeln. Umgerechnet in barer Münze wird der Broadliner in diesem Jahr vermutlich Ware im Wert von rund fünf Milliarden Euro durch das Straubinger Logistikzentrum pumpen. Hier kommen Sie zum Foto-Rundgang durch Ingram Micros erweitertem Zentrallager anlässlich der Eröffnung im Juli.

Volumen rauf, Kosten runter

Etwa zwei Milliarden Euro davon dürften auf das Konto des neu hinzugewonnenen Paneuropa-Geschäfts aus Holland und Belgien gehen. Angesichts dessen und angesichts des langen Kampfs um den Ausbau des Standorts Straubing ist die Freude des Ingram Micro Chefs verständlich.

Denn die Zustimmung der US-amerikanischen Konzernmutter zugunsten des hiesigen Standorts war zäh errungen - im Vergleich zu osteuropäischen Löhnen erscheint das deutsche Pflaster auf den ersten Blick vermeintlich so viel teurer. Doch diese Entscheidung zahlt sich nun aus. »Wir haben bewiesen, dass es sich lohnt, hierzulande zu investieren, und dass es sich lohnt, die Arbeitsplätze hierzulande zu erhalten«, so Schulz. »Das Logistikzentrum Straubing ist damit zu 80 Prozent ausgelastet, damit sinken die Prozesskosten pro Stück und beides zusammen ist gerade in einer angehenden allgemein gesamtwirtschaftlichen Krisensituation doch gar keine schlechte Ausgangssituation.«

Die Befürchtung, die bestehenden Lager- und Logistik-Kapazitäten könnten in Kürze wieder knapp werden, hegt der Manager dennoch nicht: »Wir haben hier noch sehr viel Spielraum, beispielsweise bei der Einteilung von Schichten und anderen Prozessen, die wir flexibel handhaben können, so schnell müssen wir nicht anbauen – und auch das wäre kein Problem.«

Was sich dadurch für den Distributor hierzulande verändern wird, und wie die neu gestaltete SMB-Organisation aussieht, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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