Infrastruktur im Gesundheitswesen Infrastruktur stark pflegebedürftig

Von Margrit Lingner 2 min Lesedauer

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Verschobene Operationen und geschlossene Notaufnahmen sind Folgen von Cyberangriffen auf Krankenhäuser. Die Ursache sind oft veraltete Systeme und eine Infrastruktur, die in vielen Praxen und Krankenhäusern stark pflegebedürftig ist.

IT-Infrastrukturen im deutschen Gesundheitswesen sind laut einer Studie von Soti zum Notfallpatienten geworden.(©  tonstock - stock.adobe.com / KI-generiert)
IT-Infrastrukturen im deutschen Gesundheitswesen sind laut einer Studie von Soti zum Notfallpatienten geworden.
(© tonstock - stock.adobe.com / KI-generiert)

Daten von 190 Millionen Menschen kompromittiert! Der gravierendste Angriff im Gesundheitswesen bisher hat im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Cyberkriminellen ist es 2024 gelungen, bei dem US-amerikanischen Pharmatechnologiegiganten Change Healthcare Daten von mindestens 190 Millionen Menschen – das ist mehr als die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung – zu kompromittieren. Schätzungen zufolge verursachte der Cyberangriff Kosten für das ­Unternehmen von bisher knapp 2,5 Milliarden US-Dollar. Zwar soll es sich um eine Ransomware-Attacke gehandelt haben, doch sind bei Sicherheitsvorfällen im Gesundheits­wesen häufig veraltete Systeme das Einfallstor für Hacker.

Anfällige Netzwerke

Eine aktuelle Studie von Soti hat ergeben, dass die IT-Systeme im deutschen Gesundheitswesen großteils veraltet sind. Etwa die Hälfte der IT-Entscheider macht Altsysteme dafür verantwortlich, dass Netzwerke anfällig für Angriffe sind. Dabei verursachen vernetzte Geräte in der Regel die größten Probleme. Fast alle IT-Entscheidungs­träger (99  %) im Gesundheitswesen haben angegeben, dass ihre Unternehmen vernetzte Geräte oder Telemedizin-Lösungen nutzen.

Vier von zehn IT-Entscheidungsträger bestätigen, dass veraltete IT sie daran hindere, neue Geräte/Drucker bereitzustellen und zu verwalten. Auch deren Unterstützung aus der Ferne ist demnach ebenso problematisch wie die Möglichkeit, detaillierte Informationen zu Geräteproblemen zu erhalten. Dabei wird die Vernetzung von Geräten gerade im Hinblick auf die Verbreitung der elektronischen Patientenakte (ePA) sowie dem zunehmenden Einsatz von KI in der Medizin immer wichtiger. So fordern 90 Prozent der Organisationen mehr Investitionen in neue oder bessere Technologien zur Verbesserung der Patientenversorgung.

KI-fähige Netze gefordert

Damit die ePA tatsächlich schlau wird und mit ­Daten der unterschiedlichen vernetzten Geräte gefüttert werden kann, soll die Gesellschaft für Telematik (Gematik) zu einer Digitalagentur für Gesundheit ausgebaut werden. Die neu geschaffene Digitalagentur soll unter anderem dafür sorgen, dass neue Standards und Systeme auf allen Ebenen interoperabel werden. Das gilt nicht nur für Software-Lösungen, sondern auch für die gesamte IT-Infrastruktur in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen. Den damit verbundenen Interessenskonflikt hat der ehemalige Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach zwar benannt: „Die Agentur soll sowohl als Anbieter auftreten als auch Standards setzen und die Zulassung von Anwendungen übernehmen. Damit wird sie de facto Schiedsrichter und Spieler zugleich – eine Doppelrolle, die Interessenkonflikte nahezu unvermeidbar macht.“ Eine Lösung dafür hat er allerdings nicht präsentiert.

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(© Vogel-IT Medien GmbH)

Technische Schwierigkeiten und inkompatible Systeme, steigende Kosten und Regulierungsdruck: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens, die eigentlich Herausforderungen wie Arbeitsbelastung, Fachkräftemangel oder auch Ineffizienz mitigieren soll, bringt selbst einen Haufen Probleme mit sich. Doch es gibt Lichtblicke, angefangen bei der Einführung des E-Rezepts bis hin zum Ausbau der Telematikinfrastruktur.

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