Erste Gespräche gab es bereits 2019, jetzt ist klar: Huawei baut eine Fabrik für Mobilfunk-Ausrüstungen im französischen Elsass. Es ist die erste Huawei-Fabrik außerhalb Chinas. Kann der Konzern damit verlorenes Vertrauen zurückgewinnen?
Zentral: Huawei stärkt seine Präsenz auf dem europäischen Kontinent mit dem Bau einer Fabrik für Mobilfunkanlagen im französischen Elsass.
(Bild: Huawei)
Der umstrittene Mobilfunkkonzern Huawei wird im Businesspark Brumath in der französischen Region Grand Est nahe der deutschen Grenze eine Fabrik für Mobilfunkausrüstungen aufbauen. Konkret soll die „Huawei European Wireless Factory“ den Hauptteil der Mobilfunkbasisstationen für die europäischen Kunden des Unternehmens herstellen. Nach der Ankündigung des Projekts Ende 2019 durch Liang Hua, den Vorstandsvorsitzenden von Huawei, sollen die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen. Die Eröffnung ist laut Huawei für 2023 vorgesehen.
Die Fabrik wäre die erste Produktionsstätte dieser Art außerhalb Chinas. Das zeigt einerseits, dass der europäische Markt ein sehr wichtiger Markt für Huawei ist. Andererseits ist das Unternehmen bemüht, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Der chinesische Netzwerkausrüster steht unter Druck: Er steht im Verdacht, in seine Produkte sogenannte Backdoors eingebaut zu haben, die chinesischen Behörden einen geheimen Zugriff ermöglichen. Potenzielle Anwender der Huawei-Technik – darunter auch EU-Staaten wie Deutschland – fürchten von Spionage über Manipulation bis hin zum ferngesteuerten Shutdown der Kommunikationsnetze allerlei mögliche Horrorszenarien. Bewiesen ist bis heute nichts, und Huawei tritt den Vorwürfen mit unterschiedlichen Informationskampagnen entgegen. Trotzdem hat der Weltmarktführer für 5G-Technik sie bislang nicht vollständig entkräften können.
Mobilfunkbetreiber verbannen Huawei aus ihren Netzen
Seit Jahren ringen etliche Staaten mit der Entscheidung, ob und in welchen Umfang sie Huawei-Technik für ihre 5G-Mobilfunknetze zulassen sollen. Einige, wie Australien, haben sich klar dagegen entschieden. Auch Großbritannien geht diesen Weg, bis 2027 soll sämtliche Huawei-Technik aus den britischen Netzen verbannt sein. In Deutschland haben die Mobilfunkbetreiber noch vor der Politik Fakten geschaffen: Sie werden Huawei-Technik nicht in ihren Kernnetzen einsetzen. Nach Vodafone und Deutsche Telekom zieht heuer auch Telefonica nach. In den USA steht Huawei weiterhin auf einer Schwarzen Liste an Firmen, mit denen US-Unternehmen ohne Ausnahmegenehmigung keinen Handel treiben dürfen, ohne dass Sanktionen drohen. Die Sanktionen wurden später noch verschärft.
Die genannten Befürchtungen wiegen schwer, sind aber auch nachvollziehbar: Huawei ist im totalitären China mithilfe massiver staatlicher Förderungen groß geworden. Wie alle bedeutenden chinesischen Konzerne unterliegt auch Huawei vermutlich der Kontrolle durch die Staatsführung – wie aktuell am Beispiel von Jack Ma, Gründer, CEO und schillernde Gallionsfigur des chinesischen Vorzeige-Internetgiganten Alibaba, einmal mehr sichtbar geworden ist. Dieser wagte offenbar zu viel öffentliche Kritik an der Staatsführung, verschwand daraufhin über fast drei Monate vollständig von der Bildfläche und tauchte unlängst wieder auf. Statt gewohnt deutlicher Kritik am chinesischen Wirtschafts- und Bankensystem schlägt er seitdem versöhnliche Töne an und preist die chinesischen Staatslenker. Solche Vorkommnisse torpedieren Huaweis Bemühungen, Zweifel an der eigenen Vertrauenswürdigkeit auszuräumen.
Bei all der Aufregung um Huawei sollte man eines nicht vergessen: Gerade die USA, die am lautesten Satisfaktion fordern, haben selbst über Jahrzehnte verdeckt auf Telekommunikationsnetze zugegriffen und andere Länder bespitzelt – allen voran vermeintliche Partner wie Deutschland. Und tun dies vermutlich weiterhin. Das zeigen die Snowden-Leaks eindeutig. Möglich machten dies unter anderem Backdoors in Netzwerkausrüstungen von amerikanischen Unternehmen.
Huawei verspricht: Nachhaltigkeit und Umweltschutz stehen im Mittelpunkt dieses Projekts
Zurück zum Werk im Elsass: Nach eigenen Angaben wird Huawei die lokale Wirtschaft unterstützen, „indem es bei der Planung und dem Bau dieses Werks mit französischen Unternehmen zusammenarbeitet“. Darüber hinaus plant das Unternehmen, 300 Experten in Frankreich einzustellen, hauptsächlich in der Region Grand Est. Die Belegschaft wird insgesamt 500 Mitarbeiter umfassen und Produkte im Wert von etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr herstellen.
Nach einer technischen Bewertung entschied sich Huawei auf der Grundlage von Schlüsselkriterien für ein solches Industrieprojekt für den Businesspark Brumath: Standort, Fläche und Erweiterbarkeit, der Industriepark und seine Infrastrukturen, die Umgebung und die Verfügbarkeit von Grundstücken.
Für den Bau will Huawei umweltfreundliche Materialien und Bauprozesse einsetzen und auf nicht recycelbare und nicht biologisch abbaubare Ressourcen soweit wie möglich verzichten. Huawei hat sich außerdem verpflichtet, die Energieauswirkungen der Anlage drastisch zu begrenzen. Laut Huawei ist es ausdrückliches Ziel des Unternehmens, Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Mittelpunkt dieses Projekts zu stellen. An diesen Aussagen wird sich Huawei messen lassen müssen.
Stand: 08.12.2025
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Offizieller Start für den Bau von Huaweis europäischer Mobilfunkfabrik im Elsass
Am 26. Januar gaben Polit- und Konzernprominenz den offiziellen Start zum Bau von Huaweis neuer Produktionsanlage bekannt, darunter Jean Rottner, Präsident der Region Grand Est; Claude Sturni, Vorsteher der Stadtgemeinde Haguenau; Catherine Chen, Vizepräsidentin und Vorstandsmitglied von Huawei Technologies und Jacques Biot, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Huawei Frankreich.
Nach Aussage von Rottner verfolgt die Region Grand Est eine ambitionierte Politik. Demnach will sie das französische Referenzgebiet in Sachen Innovation werden und dazu beitragen, die Wirtschaft von morgen aufzubauen. „Wir wollen vor dem Hintergrund des tiefgreifenden digitalen Wandels ein unangefochtener europäischer Marktführer in der Industrie der Zukunft werden.“ Die Ansiedlung von Huawei bringe dem Gebiet eine hohe Sichtbarkeit und stärke die eigenen Ambitionen.
„Werk im Herzen des Huawei-Lieferantennetzes“
Mit seinem Standort im Elsass befindet sich das Werk im Herzen des Huawei-Lieferantennetzes, so nah wie möglich an den europäischen Kunden des Unternehmens. Diese vorteilhafte Lage wird nach Angaben von Huawei „durch die solide Luft-, Land- und Flussinfrastruktur der Region Grand Est verstärkt“.
Darüber hinaus würden Frankreich und die Region Grand Est über ein wettbewerbsfähiges industrielles Gefüge verfügen, „das von hochqualifizierten Ingenieuren und Technikern getragen wird, sowie über ein Ökosystem, das weltweit für die Qualität seiner Forschung & Entwicklung und seiner Innovations- und Ausbildungskapazitäten anerkannt ist“. Zusammengenommen seien dies die Gründe, die Huawei überzeugt haben, seine neue Produktionsanlage im französischen Grenzgebiet zu Deutschland zu errichten.
In Frankreich ist Huawei seit 2003 präsent. Auf dem europäischen Kontinent unterhält der Konzern nach eigenen Angaben derzeit 23 Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, ist Partner von mehr als 100 Universitäten und arbeitet mit über 3.100 Zulieferern zusammen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Elektronik Praxis.