Generative KI befindet sich aktuell in einer Situation, die zu vielen Hoffnungen Anlass gibt, wobei noch viel zu tun bleibe, um diese Hoffnungen zu verwirklichen. Firmen müssen sich sowohl mit generativer KI als auch mit hybrider Multicloud beschäftigen, weil beides große Potenziale birgt, ist Gerry Steinberger überzeugt.
Im Berliner Spreespeicher findet am 4. und 5. Oktober der IT-Executive Summit 2023 statt.
(Bild: Vogel IT-Medien)
Generative KI wird sich laut Gartner zur Allzwecktechnologie entwickeln, die ähnliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird wie die Dampfmaschine, die Elektrizität und das Internet. Teilen Sie diese Einschätzung und welche Rolle spielt „GenAI“ für das Leistungsportfolio von HPE?
Gerry Steinberger, Head of Partner Ecosystem, HPE Deutschland
(Bild: HPE)
Steinberger: Wir stimmen der Einschätzung Gartners zu, ebenso wie ihrer Einordnung von generativer KI im Hype-Zyklus: Dort befindet sich die Technologie aktuell auf dem Gipfel der überhöhten Erwartungen. Wir müssen also erst noch eine Zeit der Enttäuschungen überstehen, bis die Technologie eine produktive Wirkung in der Breite entfaltet. Die Modelle müssen noch besser werden, aber vor allem müssen die Anwenderfirmen eine Lernkurve durchlaufen. Da geht es um Fragen wie: Welche Anwendungsfälle sind für uns lukrativ? Welche Daten-Architektur brauchen wir? Wie bekommen wir die Risiken in den Griff? Welches Betriebsmodell ist sinnvoll – Public, Private oder Hybrid Cloud? Für HPE sind KI und Datenwertschöpfung strategische Kernelemente des Portfolios, und wir unterstützen Kunden ganzheitlich auf dem Weg vom ersten Pilotprojekt zum produktiven Großeinsatz von generativer KI.
Was sind weitere Schlüsseltechnologien und -konzepte, wenn wir über das Business der nächsten Generation in der IT-Branche reden, und warum sind sie von Bedeutung?
Steinberger: Ein wichtiger Lösungsansatz bleibt die hybride Multicloud, deren Potenziale bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Hybride Multicloud heißt in der Praxis zumeist: ein Nebeneinander von Plattformen, die mehr oder weniger miteinander verknüpft sind. Aber eigentlich ging es doch darum, aus dieser Vielfalt eine Einheit auf höherer Ebene zu schaffen. Genau das tun wir mit unserer Plattform HPE GreenLake – zum Beispiel mit der nahtlosen Integration von AWS-Diensten oder mit der Lösung OpsRamp, mit der sich Technologien und Cloud-Plattformen unterschiedlicher Anbieter einheitlich managen, überwachen und steuern lassen.
Zum IT-Executive Summit 2023
„Get Ready for the NextGen Business“ ist der diesjährige IT-Executive Summit der Vogel IT-Akademie überschrieben. Unter diesem Motto diskutieren die Teilnehmer über zukunftsweisende Technologien aus Feldern wie Künstliche Intelligenz, Cloud und Cybersecurity, aber auch über das makroökonomische und geopolitische Umfeld des IT-Markts sowie über neue Ansätze für nachhaltiges Wirtschaftshandeln. Eingeladen sind Vorstände und Geschäftsführer der wichtigsten Systemhäuser, ITK-Dienstleister, Managed Service Provider und Distributoren. Im Mittelpunkt steht der Austausch mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen und Chancen des multiperspektivischen Generationenwechsels. Der diesjährige IT-Executive Summit findet am 4. / 5. Oktober im Spreespeicher Berlin statt. Unterstützt wird die Veranstaltung durch Fujitsu, Hewlett Packard Enterprise (HPE), HP Inc., Kaspersky und Lenovo. Sie haben Interesse an der Agenda des IT-Executive Summit 2023, an Informationen zum Event oder zur Teilnahme? Dann kontaktieren Sie uns bitte per Mail.
Technologie hat häufig ethische Implikationen in Bezug auf Gesellschaft und Natur. Wie stellt sich HPE als IT-Anbieter dieser Verantwortung?
Steinberger: Digitalisierung kann im Guten wie im Schlechten große Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft haben. Generative KI ist da ein gutes Beispiel. Für das Training der großen Sprachmodelle braucht man große Supercomputer. Forscher schätzen, dass alleine das Grundlagentraining von GPT-3 einen CO2-Ausstoß von 552 Tonnen verursacht hat, was dem Ausstoß von mehr als 120 benzinbetriebenen Autos im Laufe eines Jahres entspricht – und da ist die Nutzung des Modells noch gar nicht mit eingerechnet. Wenn wir diese Technologie skalieren wollen, müssen wir also für eine massive Verbesserung ihrer CO2-Bilanz sorgen. Bei HPE tun wir dies im Wesentlichen auf drei Wegen. Erstens verbessern wir die Energieeffizienz der Supercomputer – sechs der zehn effizientesten Systeme auf der Green500-Liste stammen von HPE. Zweitens nutzen wir erneuerbare Energiequellen – so hat zum Beispiel Europas schnellster Supercomputer LUMI, ein HPE-Cray-Rechner, eine negative CO2-Bilanz, weil er mit Wasserkraft betrieben wird und seine Abwärme ins Fernwärmenetz eingespeist wird. Drittens geben wir ausrangierten Supercomputern ein zweites Leben, und zwar in unseren Refurbishing-Zentren in Schottland und den USA.
Der Channel ist für IT-Anbieter eine eminent wichtige Schnittstelle zum Kunden. Welche Skills und Qualifikationen brauchen Partner im IT-Geschäft der Zukunft über die technologische Kompetenz hinaus, und was trägt HPE dazu bei, dass sie über diese Fähigkeiten verfügen?
Steinberger: Strategische IT-Entscheidungen werden zunehmend von der Geschäftsführung und den Geschäftsbereichen getroffen. Da diskutiert man natürlich nicht über Serverkonfigurationen, sondern darüber, wie man das Kerngeschäft voranbringt. Wenn ein Channelpartner da als Gesprächspartner relevant sein will, muss er über die entsprechende Lösungskompetenz verfügen. Um diese Entwicklung zu unterstützen, führt HPE mit Partner Ready Vantage sukzessive ein neues Partnerprogramm ein: Bisher wurden die Partner in die Stufen Platin, Gold, Silber und Business Partner aufgrund von Produktumsätzen in einzelnen Kategorien eingeordnet – künftig werden dafür auch Kompetenzen ausschlaggebend sein. Schulung, Training und Zertifizierung sind Kernbestandteile dieses neuen Konzepts.
Stand: 08.12.2025
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Zur Person
Gerry Steinberger ist Head of Partner Ecosystem, Deutschland und Geschäftsstellenleiter bei HPE in München. Der studierte Elektrotechniker ist seit seinem Karrierestart in der IT unterwegs. Unter anderem war er mehrere Jahre als Key Account Manager bei Compaq tätig. Nach der Übernahme von Compaq durch HP übernahm Steinberger die Position des Partner Business Manager zunächst für Deutschland und anschließend für EMEA. Seit 2012 leitet er als Sales Manager den HPE Channel in Deutschland.