Bundesverband Onlinehandel kontert Hickhack um eine plakative Studie zum Onlinehandel

Von Dr. Stefan Riedl 2 min Lesedauer

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Eine Studie, die von der EU-Kommission und dem Umweltbundesamt veröffentlicht wurde, wirft dem Onlinehandel manipulative Praktiken vor. Bei 40 Prozent der untersuchten Online-Shops sei man fündig geworden. Ein Interessenvertreter des Onlinehandels hält dagegen.

Sind vier von zehn Onlinehändlern in Deutschland unseriös oder hat eine EU-Studie und deren Deutung methodische Mängel?(Bild:  Rassco-stock.adobe.com)
Sind vier von zehn Onlinehändlern in Deutschland unseriös oder hat eine EU-Studie und deren Deutung methodische Mängel?
(Bild: Rassco-stock.adobe.com)

Die EU-Kommission hat zusammen mit ­Verbraucherschutzbehörden aus 23 Mitgliedsstaaten 399 Online-Shops in Europa untersucht. Für Deutschland war das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband und der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs an dieser Studie beteiligt. Das Ergebnis hat es in sich und wirft – wenn man es für bare Münze nimmt – ein schlechtes Licht auf den eCommerce-Sektor.

Der EU-Justizkommissar Didier Reynders fasst die Hauptaussage der Studie zusammen: „Die Kontrolle hat ergeben, dass sich fast 40 Prozent der Online-Shopping-Sites manipulativer Praktiken bedienen, um Schwächen der Verbraucherinnen und Verbraucher auszunutzen oder sie zu täuschen. Dieses Verhalten ist eindeutig ­unrecht und verstößt gegen die Verbraucherschutzregeln.“

Zweifel an der Aussagekraft

Oliver Prothmann, Präsident, Bundesverband Onlinehandel(Bild:  Bundesverband Onlinehandel)
Oliver Prothmann, Präsident, Bundesverband Onlinehandel
(Bild: Bundesverband Onlinehandel)

Kritik an der Studie und dieser Einordnung folgte auf dem Fuß. Oliver Prothmann, der als Präsident des Bundesverbandes Onlinehandel. Interessen für Akteure aus dem eCommerce-Sektor in Deutschland vertritt hält dagegen: „Mich alarmiert aus zweierlei Gründen eine derartige Veröffentlichung. Zum Ersten wird mit einer solchen Studie, die nicht repräsentativ ist, eine falsche Meinung in die Medien und damit in die Gesellschaft getragen. Zum anderen sind solche Ergebnisse ohne wirkliche Aussagekraft gerne Grundlage für Gesetzesvorhaben.“ Man benötige keine weiteren Verbraucherschutzgesetze, die dazu führen, dass die Wirtschaft viel Aufwand betreiben muss, die aber ohne Wirkung bleiben, kritisiert Prothmann.

Methodische Fragwürdigkeiten

Das Paper aus EU-Kreisen trägt die Überschrift „Verbraucherschutz: Manipulative Praktiken bei 148 von 399 untersuchten Online-Shops“, woraus sich augenscheinlich die 40 Prozent aus der Einordnung des EU-Justizkommissars ergeben.

Der Onlinehändler-Verband hat daraufhin die EU-Kommission und die beteiligten Verbraucherinstitute in Deutschland aufgefordert, Details zur Studie zu senden. Bis Redaktionsschluss hätten das Umweltbundesamt, die Wettbewerbszentrale und die Verbraucherbehörde nicht geantwortet. Das Problem an der Sache, fasst Prothmann folgendermaßen zusammen: „Wir wissen also nicht, wurden fünf Webseiten oder 15 oder 50 in Deutschland untersucht? Auch wenn alle 399 genannten Webseiten aus Deutschland wären, würde ich weiterhin behaupten, dass aufgrund der Auswahl und der Anzahl der Webseiten keine allgemeine Aussage über alle Online-Shops gefällt werden kann. Wir haben europaweit schätzungsweise über 600.000 Online-Shops.“

Wir können die Aussage, dass sich fast 40 Prozent der Online-Shopping-Sites manipulativer Praktiken bedienen, nicht nachvollziehen und halten sie für falsch und täuschend.

Oliver Prothmann, Präsident, Bundesverband Onlinehandel

Die aus seiner Sicht falsche Aussage, dass 40 Prozent der Online-Shops manipulative Praktiken verwenden würden, schade der Branche und verunsichere Verbraucher, setzt der Verbandspräsident entgegen. Wenn durch eine solche Studie der Online­handel mit neuen Bürokratien belegt wird, die ohne Grund vorgeschrieben werden, verärgere das Händler und Verbraucher gleichermaßen.

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