Personalberater als Mittler zwischen den Generationen Gen Z: Beschleuniger für Unternehmen oder bloß uneigenständige Forderer?

Von Sylvia Lösel 3 min Lesedauer

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Ist die Generation Z wirklich so anders? Und wie können Unternehmen von ihren Stärken profitieren? Thomas Kratzer, Personalberater für KMU, gibt Tipps, wie die Zusammenarbeit gelingen kann. Dies ist entscheidend, um den Transformationsprozess im Mittelstand erfolgreich zu bewältigen.

Thomas Kratzer ist Personalberater und ist bei mittelständischen Kunden tätig.(Bild:  Thomas Kratzer)
Thomas Kratzer ist Personalberater und ist bei mittelständischen Kunden tätig.
(Bild: Thomas Kratzer)

ITB: Ist die GenZ wirklich so anders als vorangegangene Generationen? Oder hat sich nicht vielmehr der Arbeitsmarkt von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt?

Kratzer: Der Engpass auf dem Arbeitsmarkt wirkt hier wie ein Beschleuniger. Unternehmen haben oft keine Alternative mehr, was dazu führt, dass die jungen Arbeitnehmer mit ihren Forderungen oft durchkommen. Dennoch zeichnet sich die Gen Z durch eigene Merkmale aus. Hier spielt die Erziehung und das behütete Aufwachsen eine Rolle. Diese Generation hat oft eine gewisse Uneigenständigkeit, weil sich immer jemand um sie gekümmert hat. Mit der Erwartungshaltung, dass sich auch künftig jemand um sie kümmert, treten sie nun ins Arbeitsleben ein.

ITB: Wie können Unternehmen von der Generation Z profitieren?

Kratzer: Es gibt Chancen für beide Seiten. Unternehmen müssen sich innovativer aufstellen, um im Wettbewerb zu bestehen. Dabei sollten sie die Stärken der Gen Z nutzen, wie deren digitale Affinität und ihr Selbstbewusstsein. Gleichzeitig sollten junge Arbeitnehmer die Bedürfnisse und Strukturen der Unternehmen respektieren und sich flexibel zeigen.

ITB: Was sind die größten Herausforderungen bei der Integration der Generation Z in den Mittelstand?

Kratzer: Das sind der Innovationsstau und die mangelnde Digitalisierung im Mittelstand. Die Gen Z hat eine andere Erwartungshaltung an Transparenz und Sinnhaftigkeit der Arbeit. Diese Diskrepanz führt oft zu Konflikten. Auch die mangelnde Bereitschaft mancher älterer Mitarbeiter, Veränderungen anzunehmen, kann problematisch sein. Es bedarf eines Balanceakts zwischen den Bedürfnissen der jungen und älteren Generationen.

ITB: Welche Maßnahmen können Unternehmen ergreifen, um die Zusammenarbeit zwischen den Generationen zu fördern?

Kratzer: Wichtig ist eine offene Kommunikation und die Bereitschaft zur Selbstreflexion auf beiden Seiten. Unternehmen sollten die neuen Mitarbeiter und ihre Teams schon vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn kennenlernen lassen, um gegenseitige Akzeptanz zu fördern. Mentoring-Programme können ebenfalls helfen, Wissen und Erfahrungen zwischen den Generationen zu teilen. Zudem sollten Unternehmen eine Feedbackkultur etablieren, um kontinuierlichen Dialog und Anpassung zu ermöglichen. Und ein gutes Teamgefühl kann viele strukturelle und kulturelle Herausforderungen überwinden. Wenn die Chemie stimmt und der Dialog offen ist, profitieren alle Generationen voneinander und das Unternehmen kann erfolgreich wachsen.

ITB: Können Sie ein Beispiel für eine innovative Maßnahme nennen, die Unternehmen ergreifen können, um attraktiv für die Gen Z zu sein?

Kratzer: Ein Beispiel ist das Angebot von Sabbaticals. Ein kleines Unternehmen, mit dem ich arbeite, erlaubt seinen Mitarbeitern, nach einer gewissen Betriebszugehörigkeit ein Sabbatical zu nehmen. Dies ist ein wichtiges Argument für die Generation Z, da sie Wert auf flexible Arbeitsmodelle und Work-Life-Balance legen. Solche Maßnahmen können helfen, die Mitarbeiterbindung zu stärken und die Attraktivität des Unternehmens zu erhöhen.

ITB: Wie kann der Mittelstand den aktuellen Transformationsprozess bewältigen und gleichzeitig die Generation Z integrieren?

Kratzer: Der Mittelstand steht vor einem großen Transformationsprozess, insbesondere bei der Übergabe von Unternehmensführungen an die nächste Generation. Es ist wichtig, dass Unternehmen ihre Strukturen und Kulturen anpassen. Dies erfordert eine klare Strategie, die sowohl technologische Innovation als auch kulturelle Veränderungen umfasst. Unternehmen sollten authentisch auftreten und sicherstellen, dass ihre Employer-Branding-Maßnahmen auch tatsächlich gelebt werden.

ITB: Abschließend, welche langfristigen Veränderungen erwarten Sie in der Zusammenarbeit zwischen den Generationen im Arbeitsmarkt?

Kratzer: Langfristig wird die Zusammenarbeit zwischen den Generationen von einer zunehmenden Flexibilität und Anpassungsfähigkeit geprägt sein. Unternehmen werden gezwungen sein, ihre Strukturen und Kulturen kontinuierlich zu hinterfragen und anzupassen. Die Generation Z wird weiterhin hohen Wert auf Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmung legen, was Unternehmen dazu bringt, ihre Arbeitsmodelle und Führungsstile zu überdenken. Diese Veränderungen bieten eine große Chance für Innovation und Wachstum, wenn sie richtig angegangen werden.

ITB: Vielen Dank für das Gespräch.

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