Laut der Bundesregierung lag die Zahl der offenen Arbeitsstellen 2022 bei rund 1,98 Millionen und die Lage spitzt sich auch im laufenden Jahr weiter zu. Ein neues Einwanderungsgesetz für Fachkräfte soll nun helfen. Doch auch Unternehmen müssen dazu ihren Beitrag leisten.
Acht von zehn Unternehmen in Deutschland spüren längst einen Produktivitätsverlust durch unbesetzte Stellen.
(Bild: bluedesign - stock.adobe.com)
Die Bundesregierung will es Fachkräften aus dem Ausland erleichtern, in Deutschland arbeiten zu können. „Wir wollen, dass Fachkräfte schnell nach Deutschland kommen und durchstarten können. Bürokratische Hürden wollen wir aus dem Weg räumen“, so Bundesinnenministerin Nancy Faeser.
Mit der blauen Karte EU, einem Aufenthaltstitel für Hochschulabsolventen, können etwa IT-Spezialisten, bereits heute mit anerkannten Abschluss nach Deutschland kommen. Für sie wird die Gehaltsschwelle gesenkt, die Dauer der Berufserfahrung gekürzt und auf den Nachweis von Deutschkenntnissen verzichtet. Künftig gilt: Wer einen Abschluss hat, kann jede qualifizierte Beschäftigung ausüben. Wer mindestens zwei Jahre Berufserfahrung und einen im Ausland erworbenen und dort staatlich anerkannten Berufsabschluss hat, kann künftig ebenfalls als Fachkraft kommen. Der Abschluss muss nicht mehr zuvor in Deutschland anerkannt werden.
Für Menschen, die noch kein konkretes Arbeitsplatzangebot haben, aber Potenzial für den Arbeitsmarkt mitbringen, wird eine Chancenkarte eingeführt. Diese basiert auf einem Punktesystem. Zu den Kriterien gehören Qualifikation, Deutsch- und Englisch-Kenntnisse, Berufserfahrung, Deutschlandbezug, Alter und Potenzial der Lebens- oder Ehepartner.
Ein leergefegter Arbeitsmarkt
Zu früh kommt diese Gesetzesänderung auf keinen Fall. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Schon jetzt leiden acht von zehn Unternehmen unter Produktivitätseinbußen aufgrund unbesetzter Stellen, wie eine Erhebung von Stepstone unter 700 Personalverantwortlichen ergab. 83 Prozent der Befragten bezeichneten es als Herausforderung, genügend Kandidaten für ihre offenen Stellen zu finden. 57 Prozent gaben an, der zunehmende Wettbewerb um die besten Fachkräfte stelle eine der größten Herausforderungen für ihren Geschäftserfolg dar.
„Das neue Gesetz ist ein überfälliger Schritt und eine riesige Chance für Unternehmen“, sagt Sebastian Dettmers, CEO bei The Stepstone Group. „Nicht nur die Politik, sondern wir alle müssen dringend Hürden abbauen und es qualifizierten Zuwanderern nicht bloß ermöglichen, bei uns zu arbeiten. Wir müssen vielmehr aktiv um ausländische Fachkräfte werben, denn im 21. Jahrhundert wird ein nie dagewesener Wettbewerb um Einwanderung beginnen. Um in diesem bestehen zu können, brauchen wir neben einem modernen Einwanderungsgesetz auch eine positive Vision von der Zukunft, mit der wir Aufbruchstimmung entfachen“, betont er.
Stellenanzeigen in englischer Sprache sind wichtig
Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer (63 %) betrachtet laut Stepstone-Marktforschung von 2022 die Zuwanderung und Integration ausländischer Fachkräfte als wichtigen Hebel, um auch in Zukunft alle offenen Stellen besetzen zu können. Allerdings: Aktuell sind nur rund 2 Prozent der Stellenanzeigen auf der Jobplattform Stepstone.de in englischer Sprache formuliert. Der größte Anteil unter diesen entfällt auf IT-Jobs (33 %), gefolgt von Ingenieurs- und Technikjobs (rund 20 %) sowie Stellen für Führungskräfte (rund 9 %).
Immerhin wird der deutsche Stellenmarkt internationaler: Zuletzt lag die Zahl der Bewerbungen bei Stepstone.de aus dem Ausland bei rund 13 Prozent. Die meisten Bewerbungen stammen aus Osteuropa und der Türkei, Indien und Nordafrika. Besonders hoch ist der Anteil der ausländischen Bewerber in der IT (28 %), im Ingenieurwesen (21 %), im Bauwesen, im Design- (20 %) sowie im Wissenschaftsbereich (alle je 20 %).
„Deutschland ist als Zielland ausländischer Fachkräfte immer noch sehr beliebt – das dürfen wir auf keinen Fall aufs Spiel setzen. Die Wirtschaft sollte jetzt auf das neue Gesetz reagieren und ihr Recruiting noch internationaler und zugänglicher gestalten – zum Beispiel, indem Stellenanzeigen mehrsprachig geschaltet werden oder indem Unternehmen explizit darauf hinweisen, wenn beispielsweise die deutsche Muttersprache keine direkte Anforderung ist. Denn es gibt immer mehr Unternehmen, die zum Beispiel Englisch als Unternehmenssprache eingeführt haben“, sagt CEO Sebastian Dettmers.
Stand: 08.12.2025
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