Gigaset-Verkauf muss neu verhandelt werden Arques wird von Ex-Chef gekapert
Die Beteiligungsgesellschaft Arques, ehemals Eigner von Actebis und derzeit Mehrheitsgesellschafter der Ex-Siemens-Tochter Gigaset, erlebte bei der gestrigen Hauptversammlung einen wahren Wirtschaftskrimi. Der neue Aufsichtsrats-Chef Peter Löw will verhindern dass Gigaset „verschleudert“ wird.
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Mit einem überraschenden Auftritt bei der Hauptversammlung von Arques am Donnerstagabend meldete sich der ehemalige Konzernchef und Mitbegründer von Arques, Peter Löw, zurück. In seiner Rede griff er das Arques-Management scharf an, kritisierte, es seien Werte vernichtet und Vermögen verschleudert worden und forderte die Abwahl des Aufsichtsrates. Die konnte er dann auch durchsetzen.
Denn Löw hatte sich vorab die Unterstützung eines Arques-Investors, des US-Fonds Oppenheimer International, mit einer Kapitalbeteiligung von 8,5 Prozent gesichert. Er selbst verfügt über weitere 1,0 Prozent der Anteile, außerdem waren auch noch einige andere Arques-Aktionäre anwesend, die ihm nahestehen, so dass insgesamt mehr als 10 Prozent der Aktionäre Löws Anträge unterstützten. Dies reichte für einfache Mehrheitsbeschlüsse, da insgesamt gerade mal 20 Prozent des gezeichneten Kapitals an der Hauptversammlung teilnahmen.
Alles offen bei Gigaset
Löw geißelte das Arques-Management mit dem Argument, Gigaset zum Schleuderpreis losschlagen zu wollen. Gut 50 Millionen Euro würde der Verkauf einbringen, doch allein der operative Gewinn für das laufende Jahr wird schon auf 45 Millionen Euro taxiert, der Umsatz auf 500 Millionen Euro. Gigaset soll Marktführer bei Schnurlos-Telefonen in Europa sein und ist derzeit Arques‘ wertvollste Beteiligung. Nach Angaben der Financial Times Deutschland wolle Löw als neuer Aufsichtsratsvorsitzender den Gigaset-Verkauf absagen beziehungsweise neu verhandeln. Vor rund zwei Jahren hatte Arques die Mehrheit an Gigaset übernommen.
Bei Gigaset gab es schon länger Streit ums Geld. Siemens, mit knapp 20 Prozent immer noch als Minderheitsgesellschafter bei Gigaset involviert, pochte auf die Erfüllung einer zugesicherten Kapitalspritze von 20 Millionen Euro. Auch Teile des Kaufpreises soll Arques noch schuldig sein. Deshalb hat Siemens mehrere Verfahren angestrengt, in denen es um insgesamt 35 Millionen Euro geht. Arques-Vorstandsvorsitzender Hans Gisbert Ulmke hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters eingeräumt, dass sein Haus im Falle einer gerichtlichen Niederlage diese Summe nicht aufbringen könne.
Kurz vor der Hauptversammlung hatte Arques versucht, per Pressemitteilung gut Wetter zu machen: der Verkauf stehe kurz vor dem Abschluss, auch eine gütliche Einigung mit Siemens sei im Rahmen des Deals zu erzielen. Umgehend hatte die Aktionärsvereinigung Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) darauf reagiert und gefordert, die Entlastung des Vorstands Michael Hütten auf der Hauptversammlung zu verschieben. Die DSW begründete dies mit dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen Hütten wegen Untreue im Fall Gigaset. Tatsächlich wurde auf der Hauptversammlung nicht nur dem Vorstand Hütten die Entlastung verweigert. Auch der Vorstands-Chef Ulmke wurde nicht entlastet. Er hat daraufhin am Freitag nachmittag seinen Rücktritt zum Ende des Monats erklärt.
Kritik nicht unbegründet
Im IT-Bereich hat Arques bereits viel Geld verloren. So wurde der Broadliner Actebis-Peacock inklusive des TK-Distributors NT plus im vergangenen Jahr an Droege verkauft – zum Schnäppchenpreis: 40 Millionen Euro und einen Nachschlag abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung zahlt der Käufer, 32 Millionen sollen die Immobilien von einem weiteren Investor eingebracht haben, während Arques die Beteiligung mit einem Wert von über 250 Millionen Euro in den Büchern geführt hatte. Gezahlt hatte Arques allein für die Actebis-Kerngesellschaften 110 Millionen, später kamen die Nordic-Landesgesellschaften und der TK-Distributor NT plus hinzu.
Die Tiscon-Gruppe, der unter anderem Chicara, COS und Topedo angehörten, musste fast komplett abgeschrieben werden. Nach undurchsichtigen Verhandlungen mit einer russischen Investorengruppe war die geplante Übernahme geplatzt. Zugesichertes Kapital von Arques blieb aus, und so ging die Gruppe in Insolvenz und wurde weitgehend abgewickelt. Lediglich einige Assets konnten veräußert werden, so dass beispielsweise der Distributor COS unter neuen Eigentümern weitermachen konnte.
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