Umfrage vom Bitkom und dem DBV Digitalisierung auf dem Bauernhof

Redakteur: Heidi Schuster

Im Agrar-Bereich lohnt sich die Digitalisierung offenbar mehr, als in so manch anderer Branche. Bereits jeder zweite der vom Bitkom befragten Landwirte und Lohnunternehmer nutzen bereits digitale Lösungen.

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Moderne Landmaschienen ermöglichen eine beinahe Zentimetergenaue Bewirtschaftung von Feldern.
Moderne Landmaschienen ermöglichen eine beinahe Zentimetergenaue Bewirtschaftung von Feldern.
(Bild: Pixabay)

Auf dem Feld arbeiten Landmaschinen GPS-gestützt und sensorgesteuert. Jeder Quadratmeter kann so individuell bepflanzt, gedüngt, beobachtet und geerntet werden. Im Stall misst währenddessen die Technik die Gesundheits- und Leistungsdaten jedes einzelnen Tiers und ermöglicht so eine individuelle Betreuung und höchste Erträge. Die Landwirtschaft entwickelt sich rasant zu einer digitalisierten Branche. Einer Umfrage des Bitkom und des Deutschen Bauernverbands (DBV) zufolge nutzen bereits 53 Prozent der befragten Landwirte und Lohnunternehmer (Dienstleister für Landwirte) digitale Lösungen.

Neue Sensortechniken und miteinander kommunizierende Maschinen geben dem landwirtschaftlichen Unternehmer neue Möglichkeiten an die Hand. Die im Betrieb gewonnenen digitalisierten Daten werden ausgewertet und verknüpft, um Betriebsabläufe zu optimieren, die Tierhaltung zu verbessern und die Umwelt zu schonen. Landmaschinen, mit denen die Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenpflege und Ernte digital erfolgt, nutzen bereits 39 Prozent der 521 Befragten Landwirte und Lohnunternehmer.

Die vernetzte Kuh

Auch die Haltung der Nutztiere verändert sich durch die Digitalisierung. Mit einer tierindividuellen Fütterung dank Microchips versorgt heute schon jeder zweite Landwirt (51 Prozent) seine Tiere. Fütterungsautomaten sichern eine alters- und leistungsoptimierte Ernährung des einzelnen Nutztieres und alarmieren den Landwirt, wenn es bei der Fütterung Probleme gibt. So werden zum Beispiel kranke Tiere, die zu wenig fressen, sofort erkannt. Tierspezifische Daten, etwa zur Bewegung oder zum Fressverhalten und zur Tieraktivität, können mittlerweile mit einer Vielzahl von Sensoren erfasst werden.

Roboter sind bei acht Prozent aller Betriebe im Einsatz, besonders verbreitet wiederum in der Tierhaltung: Mehr als ein Drittel (37 Prozent) setzt auf die Robotertechnik, mit der zum Beispiel der Stall gesäubert oder das Melken tiergerechter durchgeführt werden kann.

Auf den Punkt gedüngt

88 Prozent der Befragten gaben außerdem an, dass die Digitalisierung die Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft erhöht. Beinahe ebenso viele (86 Prozent) sehen dank digitaler Technologien eine umweltschonendere landwirtschaftliche Produktion, weil Sensoren exakt den Bedarf der Pflanzen ermitteln und deshalb Dünge- und Pflanzenbehandlungsmittel punktgenau ausgebracht werden können – nur dort, wo sie benötigt werden.

Kosten senken

Dank der Digitalisierung wird auch präziser und damit wassersparender bewässert. 75 Prozent der Befragten meinen, dass sie dank digitaler Technologien langfristig ihre Kosten senken können. 67 Prozent sagen, dass Smart Farming auch die Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse verbessert. Insgesamt sehen zwei Drittel der Befragten die Digitalisierung der Branche als Chance, nur 13 Prozent als Risiko.

Zukunftsmusik

Befragt nach Zukunftsszenarien für das Jahr 2030 sehen 43 Prozent der Befragten den Einsatz autonomer Feldroboter als sehr weit verbreitet oder eher verbreitet an. Auf noch höhere Werte kommt der Einsatz von Drohnen (45 Prozent) und fahrerlosen Traktoren (49 Prozent). Die Mehrheit der Landwirtschaftsexperten denkt außerdem, dass die Digitalisierung den Verbraucher näher an den Hof bringt: 49 Prozent meinen, dass es in knapp 15 Jahren ein verbreitetes Szenario sein wird, dass die Verbraucher per Webcam in den Stall schauen können. Auch Produktempfehlungen für den Kunden (53 Prozent) oder Verbraucher-Feedback an den Erzeuger (58 Prozent) halten viele im Jahr 2030 für realistisch. 86 Prozent der Befragten meinen außerdem, dass der Konsument in Zukunft auf digitalem Weg sein Produkt zurückverfolgen wird.

Sicherheitsbedenken

Wie Akteure aus jeder anderen Branche auch sorgen sich Landwirte um ihre Daten. Bedenken bei der Datensicherheit beziffern vier von zehn der Befragten (42 Prozent) als Nachteil von der Landwirtschaft 4.0 und als Hemmnis der digitalen Transformation der Branche. 54 Prozent befürchten mehr staatliche Kontrollmöglichkeiten durch die Digitalisierung. Knapp ein Drittel (30 Prozent) meint, dass die Sorge um den Verlust der Datenhoheit die Digitalisierung der Branche bremst.

Gleichwohl ist die große Mehrheit (84 Prozent) unter bestimmten Voraussetzungen dazu bereit, digital erhobene Betriebsdaten zur Verfügung zu stellen, etwa wenn sich dafür der bürokratische Aufwand reduzieren würde (60 Prozent).

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