IoMT in der Praxis

Digitaler Wandel im Gesundheitswesen

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ePA und eGA

Bei der elektronischen Patientenakte bzw. der elektronischen Gesundheitsakte überschneiden sich Digitalisierung des Gesundheitswesens und das IoMT. Der Grundgedanke hinter der ePA ist bestechend: Werden die Daten zentral und digital gespeichert, können Ärzte schneller und einfacher auf die Patientendaten zugreifen, die andere Akteure des Gesundheitswesens erhoben haben. Stattdessen kommunizieren Praxen und Kliniken immer noch primär per Brief: Fast 60 Prozent der niedergelassenen Ärzte und mehr als 80 Prozent der Klinikärzte nutzen diesen Weg. Eine Umstellung auf die ePA kommt sowohl den Patienten zugute als auch dem medizinischen Personal selbst, da der Datenzugriff beschleunigt und vereinfacht wird und die Behandlung früher beginnen kann. Das Potenzial der ePA erschöpft sich aber nicht im schnelleren Datenzugriff. Auch die Dokumentation, also die Dateneingabe, lässt sich beschleunigen. Wird ein Patient z.B. per Ultraschall untersucht, könnte das Gerät die Daten gleich automatisch in seine ePA eintragen – die manuelle Eingabe durch medizinisches Personal entfällt.

Die eGA kann als umfassendere Version der ePA verstanden werden. Neben Daten zu Krankheiten oder Informationen zu Behandlung in einer Institution des Gesundheitswesens können sie sämtliche Arten von Gesundheitsdaten enthalten, also auch „Wellnessdaten“ und andere digitale Gesundheitsinformationen, die beispielsweise von Fitnesstrackern beigesteuert werden.

Überwachung der Ressourcen und effizientere Logistik

Dank des IoMT kann bei den nicht-medizinischen Prozessen Zeit und Geld gespart und Abläufe optimiert werden. Durch Vernetzung können Geräte effizienter überwacht werden, was eine schnellere Identifikation und Behebung von Schwachstellen ermöglicht. „Beispielsweise bietet es sich an, Geräte für die medizinische Kühlung von Impfstoffen, Blutproben oder anderen biologischen Proben remote und softwaregestützt zu überwachen“, sagt Matin Khajooei, Chief Sales and Marketing Officer bei B Medical Systems. „Wir bieten dafür ein sogenanntes Remote Temperature Monitoring Device an, das gewisse Parameter der Kühlgeräte über das Mobilfunknetz in die Cloud sendet. Steigt die Temperatur, weil der Strom ausgefallen ist oder das Kühlgerät nicht einwandfrei funktioniert, wird Alarm geschlagen.“

Neben dem schnellen Erkennen von Fehlfunktionen lässt sich dank Sensoren und Vernetzung auch die Wartung hin zu Predictive Maintenance optimieren. Aber nicht nur Kühlgeräte, sondern auch Schubladen könnten beispielsweise in Zukunft vernetzt werden. Durch Gewichtssensoren merken diese die Entnahme von Artikeln und können weitere Logistikprozesse anstoßen. Das hilft dabei, die notwendigen Lagermengen zu verringern und eine Verschwendung durch abgelaufene Produkte zu vermeiden. Davon abgesehen lassen sich die so erfassten Daten auch einsetzen, um Nachfrage-Peaks zu erkennen und mit vorrausschauenden Bestellungen Engpässe zu verhindern.

MDR als Treiber des IoMT

Die neue Medical Device Regulation (MDR) der Europäischen Union wird das IoMT stark vorantreiben. Bei definierten Produktgruppen müssen die Hersteller jährlich Berichte über die Sicherheit und Leistung ihrer Produkte einreichen. Zwar schreibt die MDR nicht vor, dass die klinische Überwachung nach dem Inverkehrbringen durch das IoMT erfolgen müssen, aber es wäre der logische Schritt. Durch die Vernetzung können Informationen zu Sicherheit und Leistung der Produkte automatisch erfasst und digital bei den benannten Stellen eingereicht werden.

Risiken und Hürden

Auch beim IoMT gibt es Nachteile und Sicherheitsrisiken, wie bei jeder neuen Technologie. In erster Linie ist die Sorge groß, dass sich Unbefugte illegal Zugriff auf die hoch sensiblen Daten – die Patientenakten beispielsweise – verschaffen. Aber nicht nur die digitalen Akten bieten eine Angriffsfläche, sondern jeder Teil der Datenverarbeitungskette. Selbst Herzschrittmacher oder die smarten Schubladen müssen vor Manipulationen gesichert werden. Im Prinzip bietet jedes vernetzte Gerät eine Angriffsfläche. IT-Sicherheitsmaßnahmen müssen sich also auch auf die „Dinge“ im IoMT erstrecken. Hersteller müssen die Produkte beispielsweise so entwickeln, das Updates möglich sind, und sie müssen diese dann auch regelmäßig und sicher ausliefern – Solarwinds lässt grüßen.

Neben den Sicherheitsrisiken ist der Schritt hin zum IoMT zunächst mit erheblichen Anfangsinvestitionen verbunden. Entweder müssen neue Geräte angeschafft oder alte aufgerüstet werden. Des Weiteren braucht es geschultes Personal wie Techniker und IT-Experten, die die Einrichtung und Wartung der Geräte übernehmen.

Wohin führt der Weg?

Das Internet der Dinge ist bereits da und es wächst immer weiter. Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens nimmt das Internet of Medical Things einen immer größeren Stellenwert ein.

Auch wenn die Dynamik niedrig ist, der Trend geht in diese Richtung, wie eine Studie von Deloitte zeigt. Noch sind viele Fragen über die Folgen für Hersteller, Anwender und Patienten offen. Wichtig wären beispielsweise Standards bei den Protokollen. Bildlich gesprochen: Wenn die vernetzten Geräte unterschiedliche Sprachen sprechen, ist eine einwandfreie Kommunikation nicht möglich. Zusätzlich müssen am Ende der Kette die gewonnen Daten irgendwo zusammenfließen und übersichtlich dargestellt werden, so dass die zuständigen Personen mit den Datenbergen auch etwas anfangen können.

Die Möglichkeiten des IoMT sind jetzt schon immens, obwohl die Entwicklung erst am Anfang steht. Das IoMT kann die Lebensqualität verbessern und ein gesünderes Leben ermöglichen. Auch können Geld und Ressourcen gespart werden, während die Patientenversorgung an Qualität gewinnt. Aber die Technik allein reicht dafür nicht aus. Das Sammeln und Aufbereiten der Daten ist ein Teil, aber am Ende muss der Mensch selbst dafür sorgen, dass er sich ausreichend bewegt und gesund ernährt. Technik dient dabei aber als große Unterstützung.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist der Zeit bereits voraus. Durch einen smarten und vernetzten Automaten, der Medikamente individuell abpackt und kennzeichnet, wird die Versorgung automatisiert und papierloses Verordnen von Arzneimitteln praktiziert. Ein Schritt in die Zukunft, der das gesamte Arbeiten erleichtert, wie die zuständigen Personen sagen. Kostengünstiger, effizient und individuell angepasst – so könnte in Zukunft nicht nur die Medikamentenversorgung aussehen.

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