Studie: Wie digital sind unsere Schulen? Digitale Schule legt Ehrenrunde ein

Von Margrit Lingner

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Allen Bemühungen zum Trotz hat die Digitalisierung an deutschen Schulen das Klassenziel nicht erreicht. Fehlendes Breitband-Internet, unzureichende Ausstattung und eine mangelnde Digitalkompetenz des Schulpersonals zählen dabei zu den größten Hürden.

Eine Studie der Internationalen Hochschule belegt, dass es bei der Digitalsierung der Schulen in Deutschland Nachholbedarf gibt.
Eine Studie der Internationalen Hochschule belegt, dass es bei der Digitalsierung der Schulen in Deutschland Nachholbedarf gibt.
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com)

Unzureichende Hardware-Ausstattung, langsame Internet-Verbindungen und lausige Digitalkompetenzen beim Schulpersonal sind in deutschen Schulen immer noch an der Tagesordnung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Internationalen Hochschule (IU), bei der Schulpersonal und Eltern von Schülern deutschlandweit befragt wurden. Demnach ist trotz Forderung nach mehr digitalem Unterricht und intensiver Förderung durch den Digitalpakt Schule flächendeckender digitaler Unterricht nach wie vor nicht die Regel.

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Der Studie zufolge gibt weniger als die Hälfte (44,8 %) der befragten Lehrer und Mitglieder der Schulleitung an, dass digitale Medien im Unterricht regelmäßig genutzt werden. Und ein verschwindend kleiner Prozentsatz des Schulpersonals (2,2 %) teilt mit, dass moderne Konzepte wie Flipped Classrooms, bei denen die Schüler den Stoff eigenständig erarbeiten und Präsenz- oder Onlinephasen zur Vertiefung genutzt werden, in ihren Schulen stattfinden. Doch geben nur 37,9 Prozent der befragten Eltern an, dass ihre Kinder in der Schule mindestens regelmäßig digital und multimedial unterwegs sind.

Eltern sehen Defizite bei Digitalisierung

So ist auch die Hälfte der Eltern (51,6 %) der Meinung, dass digitale Medien in der Schule ihres Kindes zu selten verwendet werden. Außerdem wünschen sich viele eine bessere Ausstattung mit Tablets und Laptops. Knapp ein Drittel der Eltern glaubt, dass Tablet-Klassensätze vorhanden sind, die bei Bedarf eingesetzt werden könnten. Dementsprechend fordert fast die Hälfte der Eltern (47,3 %) entsprechende Tablet-Klassensätze für Schulen. Das Schulpersonal schätzt diese Problematik deutlich anders ein: Gut zwei Drittel (65,8 %) erklärt, ihre Klassen seien mit Tablet-Klassensätzen ausgestattet.

Nachholbedarf gibt es auch bei der flächendeckenden Abdeckung mit Breitband-Internet. Zwar sind fast alle Lehrer und Schulleiter (98,5 %) überzeugt, dass ihre Schulen mit dem Internet verbunden ist – doch bei nur rund zwei Dritteln (68,6 %) gibt es Internet in allen benötigten Räumen. Die befragten Eltern beobachten ein größeres Defizit: Sie geben zwar an, dass 93,7 Prozent der Schulen ihrer Kinder über eine Internet-Anbindung verfügen, davon aber nur 40,6 Prozent in allen benötigten Räumen Internet-Zugriff haben. Und in 6,3 Prozent der Schulen gibt es ihrer Erfahrung nach gar kein Internet.

Defizite bei der Ausstattung

Nach Einschätzung von drei Viertel des Schulpersonals gibt es in den Klassenzimmern WLAN-Zugangspunkte. Desktop-PCs oder Laptops sowie Projektoren sind jeweils in mehr als der Hälfte der Unterrichtsräume vorhanden. Bei Smartboards sieht die Situation allerdings nicht so gut aus: Weniger als die Hälfte (45,1 %) des befragten Schulpersonals kann im Klassenzimmer damit arbeiten. Mangelhaft ist auch die Ausstattung mit Steckdosen an Schulpulten für Laptops oder Smartphones. Laut Schulpersonal gibt es kaum welche (2,9 %). So fordert auch mehr als ein Drittel der befragten Eltern (39,6 %), die angeben, dass diese Geräte nicht in den Klassenzimmern verfügbar sind, mehr Smartboards und die Hälfte (53,8 %) wünscht sich Steckdosen an Schulpulten.

Digitalkompetenz der Lehrer

Doch erfordert digitaler Unterricht mehr als nur die richtige Hardware und flächendeckendes Breitband-Internet. Voraussetzung ist, dass das Schulpersonal digitale Medien richtig und gezielt einsetzt. Dies sehen auch die befragten Schulleiter so: 63,7 Prozent beurteilten die Digitalkompetenz der Lehrer als unzureichend.

Hingegen glauben fast alle (99,5 %) der befragten Lehrer, sie bewegten sich routiniert durch das Internet und 22,3 Prozent von ihnen geben an, sie könnten Inhalte für Blogs und Videokanäle erstellen. Insgesamt 8,1 Prozent der Lehrer besitzen Programmierkenntnisse. Dabei haben die wenigsten Lehrer Schulungen oder Seminare besucht, um ihre Digitalkompetenz zu erweitern. Vielmehr lernen sie durch den Austausch mit Kollegen (81,5 %).

Zögerliche Nutzung von Fördergeldern

Angesichts der vielen Hürden bei der Digitalisierung ist die staatliche Förderung umso relevanter. Doch geben lediglich 41,5 Prozent der Schulleiter an, dass ihre Schulen bereits mit Mitteln aus dem Digitalpakt arbeiten. Bei weiteren 40 Prozent wurde immerhin ein Antrag gestellt oder bewilligt.

Bei der Ausarbeitung der Digitalisierungsstrategie werden an Schulen in gut zwei Drittel der Fälle (67,3 %) externe Experten hinzugezogen. Als zentrale Digitalisierungs-Maßnahme nannten die meisten Schulleiter Diskussionen im Lehrer-Kollegium (89 %).

Für die Studie „Wie digital sind unsere Schulen?“ der IU wurden 683 Lehrer und Mitglieder der Schulleitung sowie 944 Eltern mit insgesamt 1.268 schulpflichtigen Kindern im Haushalt befragt. Mit der Studie wollte die IU herausfinden, wie ausgiebig digitale Medien an Schulen genutzt werden und wie gut Schulen mit digitaler Infrastruktur ausgestattet sind.

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