Funktioniert die 4-Tage-Woche im ITK-Dienstleistungsgeschäft? Die Dierck Group hat die Frage für sich entschieden und führt das Modell zum 1. Juli ein. Das Kieler Systemhaus verspricht sich davon zufriedenere Mitarbeiter und mehr Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.
Die Kieler Dierck Group will ab Juli den Beweis antreten, dass die 4-Tage-Woche auch im Systemhausgeschäft funktioniert.
(Bild: Fokussiert - stock.adobe.com)
Über das Für und Wider der 4-Tage-Woche wird derzeit in vielen Branchen diskutiert. Experten zufolge trägt sie zur Flexibilisierung der Arbeitswelt und zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit bei. Unternehmen sollten sich von Standard-Arbeitszeitmodellen verabschieden und auf individuelle Wünsche ihrer Mitarbeiter eingehen, wie sie Beruf, Freizeit und Familie miteinander vereinbaren wollen, riet unlängst Stefan Schaible, Vorstand der Unternehmensberatung Roland Berger. „Wer als Arbeitgeber jetzt noch nicht verstanden hat, dass er in sein Personal investieren muss, hat massive Schwierigkeiten.“
Das Thema ist auch in der ITK-Branche angekommen. So haben sich Wolfgang Ehrk, CEO der Dierck Group aus Schwentinental bei Kiel, und seine Management-Kollegen intensiv damit befasst. Und sie sind zu einem klaren Ergebnis gekommen: Die Systemhausgruppe führt zum 1. Juli dieses Jahres die 4-Tage-Woche ein. Die Abstimmung darüber im Board, dem die Geschäftsführer aller Gesellschaften angehören, fiel einstimmig aus. „Wir sind davon überzeugt, dass wir damit einen großen Schritt in die richtige Richtung gehen“, betont Ehrk. Unter dem Dach der Gruppe, die knapp 300 Mitarbeiter beschäftigt, agieren die ITK-Spezialisten Dierck, HMconsult, P+S Print Service, Reese IT (alle Schwentinental), BMAnetworks (Hamburg), Gordion (Troisdorf) und IT-Kontor (Flensburg).
Für das neue Arbeitszeitmodell wird die Belegschaft in zwei Teams eingeteilt, die jeweils im Wechsel von Montag bis Donnerstag und von Dienstag bis Freitag arbeiten. Die tägliche Arbeitszeit beträgt neun Stunden. Dazu reduziert Dierck die Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden, und zwar bei vollem Lohnausgleich. Wer allerdings aus persönlichen oder familiären Gründen keine neun Stunden am Tag tätig sein möchte, darf bei der 5-Tage-Woche bleiben. Auch Teilzeitarbeit, beispielsweise fünf mal vier Stunden, ist weiterhin möglich. „Wir zwingen niemanden in das Modell, sondern stimmen uns individuell mit jedem einzelnen ab.“
Attraktiver Arbeitgeber
Als wesentliche Voraussetzung für die Einführung einer 4-Tage-Woche gilt der Wille des Managements. Tatsächlich hat bei Dierck der CEO selbst die Reform vorangetrieben, wie er berichtet. Dabei habe er sich mit den einschlägigen Studien zum Thema auseinandergesetzt. „Mich hat die Frage beschäftigt, wie wir ein attraktiver, innovativer Arbeitgeber sein können, der seiner Belegschaft ein flexibles Arbeitszeitmodell anbietet.“ Übereinstimmendes Ergebnis der Studien sei, dass sich die Mitarbeiterzufriedenheit um 60 Prozent und die Produktivität um ein bis zwei Prozent erhöht.
Am häufigsten zitiert wurde in den vergangenen Monaten eine britische Studie der Universitäten Cambridge und Oxford sowie des Boston Colleges in den USA, an der im zweiten Halbjahr 2022 61 Unternehmen mit insgesamt 2.900 Beschäftigten teilnahmen. In dem sechsmonatigen Feldversuch sank die Zahl der Krankmeldungen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 65 Prozent, die Zahl der Kündigungen um 57 Prozent, während der Umsatz der Unternehmen im Durchschnitt um 1,4 Prozent wuchs. 56 von ihnen wollen die 4-Tage-Woche beibehalten.
Auch Ehrk rechnet nicht damit, dass durch die Verkürzung der Arbeitszeit die Produktivität bei Dierck sinkt, Vielmehr werde sie sogar leicht steigen, weil das neue Modell die Motivation der Mitarbeiter erhöhen werde. Sie würden fokussierter agieren und sich enger im Team miteinander abstimmen. Durch die Konzentration der Arbeit von fünf auf vier Tage würden sich darüber hinaus Fahr- und Rüstzeiten in Kundenprojekten verkürzen.
Ausgeglichenes Personal
„Die Erhöhung der Produktivität war für uns aber nicht das Hauptmotiv, die 4-Tage-Woche einzuführen“, betont der Unternehmer. „Viel wichtiger war uns die Mitarbeiterzufriedenheit.“ Mit der Verkürzung der Arbeitswoche erhalten die Mitarbeiter mehr Zeit, sich zu erholen, mehr Zeit, die sie mit Familie und Freunden verbringen können. Das neue Modell werde sich daher positiv auf die Gesundheit und die Ausgeglichenheit des Personals auswirken.
Oliver Lindlar (l.), Geschäftsführer bei Gordion, und Wolfgang Ehrk, CEO der Dierck Group, sind überzeugt, dass die 4-Tage-Woche ein Erfolg wird.
(Bild: Dierck Group)
Die Holsteiner wollen auf diese Weise die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen stärken und die Attraktivität der Gruppe für zusätzliche Fachkräfte erhöhen. „Der demografische Wandel ist für alle Unternehmen eine Herausforderung“, führt Ehrk aus. Die Mitarbeiter aus den geburtenstarken Jahrgängen gehen in den kommenden Jahren in Rente. Ihnen folgen aber nicht genügend Fachkräfte nach. „Diese Lücke müssen wir schließen. Denn wir können uns nur weiterentwickeln, wenn wir neue Leute einstellen.“ Die Dierck Group brauche daher ein attraktives, mitarbeiter- und familienfreundliches Arbeitszeitmodell, um sich im Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können.
Stand: 08.12.2025
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„Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut“, ergänzt Oliver Lindlar, Geschäftsführer bei Gordion. „Wenn die sich wohlfühlen, ist das ein großes Plus.“ Der Security-Experte schloss sich mit seinem Unternehmen zu Beginn des Jahres 2022 der Dierck Group an. Auf sich allein gestellt wäre es Gordion kaum möglich gewesen, eine 4-Tage-Woche organisatorisch umzusetzen, sagt Lindlar. Dazu sei das Systemhaus mit 16 Mitarbeitern zu klein. „Ich bin aber davon überzeugt, dass das Modell in der Gruppe funktionieren wird.“