Was versprechen sich Behörden eigentlich von der E-Rechnung? Im Sinne eines Echtzeit-Steuerreportings soll das Meldewesen in den kommenden Jahren enger mit dem Geschäftsverkehr verzahnt werden. Umsatzsteuerkartelle werden es schwer haben.
Die verpflichtende E-Rechnung markiert auf lange Sicht den Einstieg in einen Digitalisierungsturbo für Finanzämter und andere Behörden.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Die Spatzen pfeifen es bereits von den Dächern: Die E-Rechnung hat auch etwas mit einem geplanten Echtzeit-Steuerreporting zu tun, sozusagen einem Digitalisierungsturbo der Steuerbehörden. Claudia Schmidhäuser, Senior Principal, Product Management bei Forterro, sieht das auch so: „Die E-Rechnung ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einem elektronischen Meldewesen – einem Ziel, das die EU bis 2030 anstrebt.“ Damit Steuerdaten künftig automatisiert und nahezu in Echtzeit gemeldet werden können, braucht es eben jene strukturierten, elektronischen Rechnungsformate, die die E-Rechnung liefert. So werden mit der E-Rechnung die technischen und organisatorischen Grundlagen geschaffen, die ein behördliches Echtzeit-Steuerreporting überhaupt erst möglich machen.
Der Staat und der elektronische Datenfluss
Claudia Schmidhäuser, Senior Principal, Product Management bei Forterro
(Bild: Forterro)
„In einigen EU-Ländern ist der Staat heute schon direkt in den elektronischen Datenfluss eingebunden“, sagt Schmidhäuser. Und auch in Deutschland sei absehbar, dass sich die öffentliche Hand in Zukunft stärker integrieren wird und zwar nicht nur zur besseren Kontrolle und Betrugsprävention, sondern auch, um Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten. Diese Entwicklung wird die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft weiter vorantreiben, ist die Managerin überzeugt.
Hintergrund
XRechnung, ZUGFeRD, XML
Gerangel um Formate
ZUGFeRD und XRechnung sind XML-basierte Formate, die laut EN16931 eine E-Rechnung darstellen. Beide Formate liefern eine maschinenlesbare XML-Datei und sind damit geeignet für die automatisierte Verarbeitung von Rechnungen. Dabei hält ZUGFeRD im Vergleich zu XRechnungen insofern einen Vorteil für den menschlichen Nutzer als, dass hier softwareseitig eine visualisierbare Bilddatei integriert ist.
Das Problem bei mehreren Formaten: Etliche Unternehmen wollen in der Praxis nur ZUGFeRD-Dateien empfangen, um den optischen Teil zu nutzen. Das ist aber nicht sinnvoll bei gegebener Formatvielfalt im Rahmen der EU-Norm.
Mitunter wird auf Länder wie Italien oder Polen verwiesen, die eine andere Regelung getroffen haben, nämlich dahingehend dass eine konforme XML-Datei zum alleinigen Rechnungsformat erklärt wurde.
Hierzulande hat sich XRechnung für die Rechnungsstellung im öffentlichen Sektor etabliert. Dieses ist für die automatisierte Verarbeitung konzipiert, kann aber ohne spezielle Software nicht gelesen werden.
ZUGFeRD ist hingegen ist als hybrides Format zu betrachten, welches ein lesbares PDF mit eingebetteten XML-Daten kombiniert und damit vielseitig einsetzbar ist.
Umsatzsteuerkartelle können einpacken
Auch das Thema Betrugsprävention, beispielsweise beim Kampf gegen Umsatzsteuerkartelle spielt hier mit rein. „E-Rechnungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Betrugsprävention, insbesondere im Bereich der Umsatzsteuer“, führt Schmidhäuser aus. Der zentrale Vorteil liege in den strukturierten Datensätzen, die sich automatisiert auswerten, abgleichen und validieren lassen – sowohl innerhalb von Unternehmen als auch durch Behörden.
Eingeschränkte Manipulationsmöglichkeiten
Im Gegensatz zu manuell erstellten Rechnungen seien elektronische Formate deutlich schwerer zu manipulieren, ist die Forterro-Mitarbeiterin überzeugt und erklärt: „In einigen EU-Ländern ist die Validierung durch staatliche Stellen bereits fester Bestandteil des Prozesses.“ Damit sinkt aus ihrer Perspektive das Risiko für Umsatzsteuerbetrug erheblich. Langfristig ermögliche die E-Rechnung zudem eine zeitnahe oder sogar transaktionsbezogene Überprüfung von Geschäftsvorgängen. „Dadurch wird die Grundlage für mehr Transparenz und Sicherheit im gesamten Rechnungswesen geschaffen“, lobt die Managerin.
Hintergrund
E-Rechnungspflicht im B2B-Segment
Eckdaten, Fristen und Begriffe
2025: Seit Jahreswechsel müssen alle Unternehmen in Deutschland in der Lage sein, elektronische B2B-Rechnungen zu empfangen und dürfen zudem den Empfang der digitalen Rechnungen nicht mehr ablehnen.
Ausnahme: Keine Regel ohne Ausnahme: Es ist zwar weiterhin möglich, Rechnungen im PDF-Format zu versenden, aber nur unter der Voraussetzung, dass das empfangene Unternehmen dieser Praxis zustimmt. Die gleiche Regelung gilt auch für das EDIFACT-Format.
2027: Zwei Jahre später – 2027 – wird Stufe 2 zünden. Dann müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz B2B-Rechnungen elektronisch ausstellen.
2028: Die Papierrechnung wird im B2B-Bereich ab 2028 endgültig Geschichte. Ab dann müssen alle in Deutschland agierenden Unternehmen elektronische B2B-Rechnungen im EN-16931-Standard versenden.
Zur Begriffsklärung: Die EN 16931 ist eine europäische Norm hinter Formaten wie XRechnung und ZUGFeRD. Hinter der Namensgebung des Formats ZUGFeRD steht das Akronym für „Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland“.
Geschäftsprozesse auf dem Prüfstand
Als Anbieter von ERP-Systemen sieht man bei Forterro die E-Rechnung in erster Linie als einen zentralen Bestandteil der digitalen Transformation, die direkt in ERP-gestützte Geschäftsprozesse eingreift. Die ERP-Systeme des Unternehmens – darunter auch Abas ERP – haben Möglichkeiten integriert, E-Rechnungen rechtssicher zu erstellen, zu empfangen und automatisiert zu verarbeiten.
So viel ist sicher: E-Rechnungen brauchen weniger Platz für ihre Archivierung.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
„So lassen sich sowohl eingehende als auch ausgehende E-Rechnungen in strukturierten Formaten wie beispielsweise ZUGFeRD oder XRechnung automatisiert bearbeiten.“ Das spart laut Schmidhäuser nicht nur Zeit und Kosten, sondern schafft auch die Grundlage für vollständig digitale, durchgängige Prozesse – vom Rechnungsempfang bis zur gebuchten Rechnung. „Wir sehen die Verpflichtung zur E-Rechnung daher nicht nur als gesetzliche Vorgabe und technische Herausforderung, sondern langfristig auch als Chance: für effizientere Prozesse, mehr Transparenz und nachhaltigeres, papierloses Wirtschaften.“
Hintergrund
E-Rechnungspflicht im B2B-Segment
Neue Vorschriften zur elektronischen Rechnungsstellung gelten für alle Unternehmen, die an B2B-Transaktionen mit einem deutschen Lieferanten beteiligt sind. Voraussetzung ist, dass die gehandelten Waren oder Dienstleistungen in Deutschland steuerpflichtig sind. Es gelten Übergangsfristen, bis sich 2028 die Papier- oder PDF-Rechnung im B2B-Umfeld endgültig verabschiedet.
Die Sache mit dem fehlenden einheitlichen Format
Die Tatsache, dass es bislang kein einheitliches Format für E-Rechnungen in Europa gibt, hat laut der Forterro-Expertin mehrere Ursachen. Eine davon ist, dass sich die rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen von Land zu Land unterscheiden: „Viele EU-Mitgliedsstaaten haben bereits eigene Standards und Verfahren etabliert – diese anzugleichen ist ein komplexer, zeitintensiver Prozess, der enge Abstimmung durch die EU-Kommission zwischen den Ländern, den Standardisierungsorganisationen und den technischen Gremien erfordert.“
Mit der E-Rechnung werden die technischen und organisatorischen Grundlagen geschaffen, die ein Echtzeit-Steuerreporting überhaupt erst möglich machen.
IT-Infrastrukturen und der Digitalisierungsgrad variieren in der EU
Auch die technischen Voraussetzungen sind laut der Senior Principal nicht überall gleich: „Die IT-Infrastrukturen und der Digitalisierungsgrad variieren stark, was eine einheitliche Lösung zusätzlich erschwert.“ Für Unternehmen, die europaweit tätig sind, bedeute das vor allem eines: zusätzlichen Aufwand. Diese müssen unterschiedliche Formate verarbeiten können, was meist nur über spezialisierte Konvertierungsdienste möglich ist – und das verursacht Kosten.
„Trotz bestehender Unterschiede sehen wir in der zunehmenden Standardisierung – etwa durch strukturierte, EU-konforme Formate wie beispielsweise XRechnung oder ZUGFeRD – einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung“, zieht die Managerin ihr Fazit. Die Herausforderung bestehe jetzt darin, diese Standards weiterzuentwickeln und flächendeckend zu etablieren, damit Unternehmen langfristig von durchgängigen, digitalen und möglichst reibungslosen Prozessen profitieren können.
Stand: 08.12.2025
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Hintergrund
Schummelpotenzial bei Rechnungsstellung sinkt
Die E-Rechnung bietet Unternehmen Vorteile gegenüber der Papierrechnung. Sie spart Zeit und Kosten, da Druck-, Versand- und Archivierungskosten entfallen. Zudem beschleunigt sie den Zahlungsprozess, da Rechnungen direkt elektronisch übermittelt und verarbeitet werden können. Zudem sind enorme Effizienzgewinne in Sachen Buchhaltung und bei der Abgabe der Steuererklärung zu erwarten.
Organisatorische und technische Problemstellungen
Die Einführung der E-Rechnung bringt für viele Unternehmen einige Herausforderungen mit sich, weiß die Produkt-Expertin bei Forterro, und zwar sowohl technischer als auch organisatorischer Natur. „Technisch gesehen benötigen Unternehmen eine aktuelle Softwarelösung, die E-Rechnungen nicht nur erstellen und empfangen, sondern auch in verschiedenen Formaten verarbeiten kann“, so Schmidhäuser. Hinzu komme der Austausch mit unterschiedlichen Systemen – etwa bei Kunden, Lieferanten oder öffentlichen Plattformen – die sich teils auf sehr unterschiedlichem Digitalisierungsniveau befinden.
Revisionssicher archiviert und korrekt geprüft
Ein weiterer Punkt betrifft laut der Software-Expertin die rechtlichen Anforderungen: So müssten E-Rechnungen revisionssicher archiviert und korrekt geprüft werden. Das setze aber entsprechende Prozesse und digitale Unterstützungen voraus. Nicht zu unterschätzen sei außerdem der kulturelle Wandel, den die Umstellung mit sich bringt: weg von der klassischen Dokumentverarbeitung hin zur reinen Datenverarbeitung. Das gewohnte Rechnungslayout spiele hierbei keine zentrale Rolle mehr – stattdessen gehe es um strukturierte Datensätze, die automatisiert weiterverarbeitet werden. Das sei ein Umdenken, das gerade in kleinen und mittleren Unternehmen Zeit und Akzeptanz braucht.
Unterschiedliche Herangehensweisen in der EU
Die E-Rechnung ist keine Hexerei.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Wie es bei dem Thema weitergehen wird, kann Schmidhäuser durchaus antizipieren. In den kommenden Jahren wird die E-Rechnung in ganz Europa zur Pflicht. „Damit wächst auch die Vielfalt an Formaten, Anforderungen und nationalen Besonderheiten“, sagt die Managerin. Jedes Land gestalte den Umstieg unterschiedlich – Frankreich oder Polen verwenden beispielsweise eigene Behördenplattformen, über die der Rechnungsaustausch künftig abgewickelt werden soll.
E-Rechnungen zu erstellen, ist keine Raketenwissenschaft.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Diese Entwicklung bringe zweifellos zusätzliche Komplexität mit sich. „Gleichzeitig eröffnet sie die Chance, Prozesse europaweit zu harmonisieren und zu digitalisieren“, sagt Schmidhäuser. Für international tätige Unternehmen heißt das, frühzeitig die nötigen technischen und organisatorischen Grundlagen zu schaffen.
Kommentar
Wenn Opi Geschichten vom Save-Icon erzählt
„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, wird Friedrich Schiller zitiert. Um diesen Leitsatz völlig überzustrapazieren, könnte man ergänzen, dass die E-Rechnung mit der Zeit geht und deswegen die Rechnung mit der Zeit geht. Ausgedruckte und abgeheftete Rechnungen auf Papier werden in einigen Jahren mit dem Charme eines Wählscheibentelefons daher kommen – im B2B-Umfeld sowieso, aber zunehmend auch im Privaten. Dann wird sich der Vorgang Rechnungen auf Papier auszudrucken, um sie per Briefpost physisch zu verschicken für junge Ohren so anachronistisch anhören, wie sich jetzt schon die Hintergrundgeschichte des Save-Icons anhört: „Ihr habt damals Daten auf – wie heißt das – auf Disketten gespeichert und dann in Boxen abgelegt?“ Kaum zu glauben!