Stimmungsbarometer: Die deutsche IT-Wirtschaft und die Cloud

Deutsches Cloud Computing zwischen Wachstum und Fallstricken

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Enterprise Content Management (ECM)

Die Anbieter im Enterprise Content Management (ECM) haben offenbar Probleme, sich in die Cloud zu wagen. Unternehmensberater Ulrich Kampffmeyer von Project Consult erläutert die Schwierigkeiten, denen sich ECM-Anbieter stellen müssen. „Bei ECM werden große Mengen umfangreicher Dateien bewegt – anders als bei der Anzeige strukturierter Daten in einem ERP oder CRM. Unstrukturierte Informationen erfordern eine große Bandbreite und stabile Übertragungswege. Dokumente und elektronische Akten benötigen zudem geeignete Viewing- und Bearbeitungsfunktionen, die auch lokal zur Verfügung stehen müssen.“

Spezifisch deutsche Bedenken halten sich hartnäckig

Ein spezifisch deutsches Problem seien die Bedenken wegen der Rechtslage. Steuerrelevante Unterlagen müssen im deutschen Rechtsraum gespeichert werden und vielfach bestehen Bedenken, ob die elektronische Form ausreichend ist. Das erzeugt Ängste bei manchen Nutzern: 'Bin ich noch compliant, wenn ich mit kaufmännischen Informationen in die Cloud gehe?'

Hier ist es wichtig, zwischen öffentlichen Cloud-Angeboten (gemeint ist SaaS) und der sichereren Private Cloud zu unterscheiden. Es gibt allerdings immer noch zu wenige Standard-Schnittstellen zwischen Cloud- und lokalen On-premise-Anwendungen. Es gebe zwar die Schnittstelle Content Management Integration Service (CMIS), aber sie spiele nicht die Rolle wie etwa EDI (Electronic Document Interchange) bei ERP-Systemen.

Weitere Bremsen: Security und Fachkräftemangel

Weiterhin spielen Bedenken wegen Datensicherheit und Datenschutz die Rolle des Bremsklotzes bei der Akzeptanz von Cloud Computing in Deutschland. „Vor dem Hintergrund des NSA-Skandales hat die Vertrauenswürdigkeit der Cloud-Lösungen jedoch deutlich zugenommen“, hält Martin Hubschneider den Skeptiker entgegen. „Sie halten technische Sicherheitsstandards ein und gehen verbindliche Selbstverpflichtungen ein: kein Zugang zu den gespeicherten Informationen durch Geheimdienste, keine Backdoors.“ Im Moment gäben Gütesiegel wie „Software Made in Germany“ und „Software Hosted in Germany“ Orientierung bei der Anschaffung.

Als noch viel gravierender erweist sich nach Angaben von Bitkom-Vizepräsident Ulrich Dietz der Fachkräftemangel: „Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, sondern bereits fünf NACH zwölf“, warnt er die Politik. „In der ITK-Branche“, so der Bitkom in einer Studie, „findet sich das Gros der 17.500 unbesetzten Stellen (von insgesamt 990.000 Stellen) bei Softwareanbietern und IT-Dienstleistern. Hier gibt es alleine 15.000 Vakanzen. Rund 1.800 Experten werden bei Unternehmen gesucht, die IT-Hardware und Kommunikationstechnik oder Unterhaltungselektronik anbieten. 700 freie Stellen gibt es bei den Anbietern von Telekommunikationsdiensten.“

Gefragt: Software-Entwickler mit Cloud Know-how

Die Unternehmen seien dabei vor allem auf der Suche nach Software-Entwicklern. Rund zwei Drittel (64 Prozent) der Unternehmen, die freie Stellen für IT-Spezialisten haben, suchen Software-Experten. Bei ihnen ist vor allem Know-how im Cloud Computing (48 Prozent der Unternehmen, die Software-Entwickler suchen), Big Data (45 Prozent) und App-Programmierung (33 Prozent) gefragt. Die Cloud gehört also ganz klar zu den IT-Wachstumsmärkten in Deutschland.

(ID:43755070)

Über den Autor