Wirtschaftsstandort Deutschland auf der Kippe Der Glasfaserausbau im ländlichen Raum ist entscheidend

Ein Gastbeitrag von Stephen Carleton und Pedro Dias 5 min Lesedauer

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Deutschland hinkt bei Glasfaserausbau im internationalen Vergleich hinterher und wird seinem eigenen Anspruch als große Wirtschaftsnation nicht gerecht. Der zügige und umfassende Glasfaserausbau im ländlichen Bereich ist zwingend nötig für den Wirtschaftsstandort.

Der Glasfaserausbau bedeutet viel für Deutschland – und, wenn er weiterhin derart stockt, dann hat das drastische Konsequenzen.(Bild:  © pusteflower9024 - stock.adobe.com)
Der Glasfaserausbau bedeutet viel für Deutschland – und, wenn er weiterhin derart stockt, dann hat das drastische Konsequenzen.
(Bild: © pusteflower9024 - stock.adobe.com)

Eine aktuelle Zusammenfassung des FTTH Council Europe zeigt, dass lediglich 23 Prozent der Haushalte im ländlichen Raum (weniger als 150 Einwohner pro km²) mit Fibre to the Home (FTTH) bzw. Fibre to the Building (FTTB) versorgt sind. Damit liegt Deutschland weit hinter Nachbarländern wie Dänemark (90 %) oder den Niederlanden (83 %). Und das, obwohl bis 2030 jeder in Deutschland einen Glasfaseranschluss haben soll und die Bundesnetzagentur vor kurzem das so genannte Recht auf schnelles Internet durchgesetzt hat.

Im ländlichen Raum sitzt außerdem ein enormes Wachstumspotential für Unternehmen und in Summe für Deutschland als Wirtschaftsstandort. Darum ist es auch aus marktwirtschaftlicher Sicht unabdingbar, den Glasfaserausbau besonders hier voranzutreiben. Eine verbesserte Infrastruktur in diesen Gebieten würde nicht nur die Lebensqualität der Einwohner erhöhen, sondern auch Unternehmen anziehen und das wirtschaftliche Wachstum fördern. Wie also kann Deutschland in diesem Gebiet aufholen?

Chancen und Herausforderungen beim Glasfaserausbau im ländlichen Bereich

Der Glasfaserausbau spielt bei der Förderung von Innovation und Digitalisierung in ländlichen Branchen wie beispielsweise der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Hier können z.B. Sensoren und Datenanalyse genutzt werden, um Ernteerträge zu maximieren und Ressourcen effizienter zu nutzen. Eine verbesserte Netzinfrastruktur trägt außerdem zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Stärkung der ländlichen Wirtschaft bei. Denn besser erschlossene ländliche Gebiete werden auch für Investoren attraktiver, was zu einem erhöhten Interesse an diesen Regionen und zu neuen Geschäftsmöglichkeiten führt.

Dennoch steht die Glasfasererweiterung in ländlichen Gebieten in Deutschland vor enormen Herausforderungen. Die beiden Hauptprobleme sind zum einen die technischen Schwierigkeiten, die mit dem Verlegen von Glasfaserkabeln in dünn besiedelten Regionen verbunden sind. Je niedriger die Bevölkerungsdichte, desto weniger wird der Netzausbau vorangetrieben. Und zum anderen ist es ein Kostenfaktor. Laut Aussage des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur aus dem Jahr 2020 können die Kosten für den Glasfaserausbau in ländlichen Gebieten bis zu fünfmal höher sein als in städtischen Gebieten. Diese hohen Kosten stellen ein Hindernis für den Ausbau dar und erschweren die Bereitstellung schneller Internetverbindungen in ländlichen Regionen.

Zudem stellt die mangelnde Infrastruktur und Konnektivität zum Glasfasernetz in ländlichen Gebieten eine weitere Herausforderung dar. Viele ländliche Regionen haben bisher nur eine begrenzte Internetanbindung, was den Ausbau von Glasfaser erschwert. Laut der Gigabit-Strategie des Bundes soll bis Ende 2025 jeder zweite Haushalt einen Glasfaser-Zugang haben. Die Realität wird eine andere sein. Mangelnde Infrastruktur und Konnektivität erschweren die Umsetzung eines flächendeckenden Glasfaserausbaus in ländlichen Gebieten.

Es ist eine Binsenweisheit, dass man erst einmal Geld ausgeben muss, um welches einzunehmen. Wenn wir nicht mehr finanzielle Mittel und alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen in den Glasfaserausbau investieren, werden wir in den nächsten 5 Jahren in der wirtschaftlichen Entwicklung deutlich stagnieren.

Was wir jetzt brauchen, sind staatliche Förderungen und Erfolgs-Geschichten

Um den Ausbau von Glasfaser in ländlichen Gebieten voranzutreiben, sind die aktuellen Förderungen der Bundesregierung von entscheidender Bedeutung. Das Programm "Förderung zur Unterstützung des Breitbandausbaus in der Bundesrepublik Deutschland" stellt finanzielle Mittel bereit, um den Ausbau von Glasfasernetzen in ländlichen Gebieten zu beschleunigen (Flächendeckende Breitbandversorgung – auch in ländlichen Regionen).

Zusätzlich dazu gibt es Förderprogramme auf Landes- und kommunaler Ebene, die den Ausbau unterstützen und sicherstellen, dass kein Ort in Deutschland vom digitalen Fortschritt abgehängt wird. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Unternehmen und Netzwerkbetreibern nötig. Gemeinden können als treibende Kraft auftreten, indem sie den Bedarf an schnellem Internet in ihren Regionen ermitteln und die notwendigen Ressourcen bereitstellen. Unternehmen und Netzwerkbetreiber bringen ihr technisches Know-how und ihre Infrastruktur ein, um den Ausbau voranzutreiben und eine flächendeckende Glasfaserverbindung bereitzustellen.

Standardisierte Komponenten für schnelleren Ausbau

Um den Ausbau zu beschleunigen, benötigen Betreiber standardisierte und robuste Bauteile. Die Verwendung von standardisierten Komponenten, wie z.B. vorkonfektionierten Glasfasermuffen vereinfachen das Design, maximieren die Austauschbarkeit der Materialien und verringern die Fehleranfälligkeit. Außerdem sind sie so flexibel ausgelegt, dass sie sowohl für einen Einsatz in luftiger Höhe an Telefonmasten als auch bei einer Erdverlegung eingesetzt werden können. Dadurch verringert sich die Anzahl der nötigen Komponenten und die Planung wird erleichtert.

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Wo wir bereits von der Planung sprechen: Auch hier gibt es Möglichkeiten, den Ausbau schneller voranzutreiben. Basierend auf Cornings Erfahrung bei der Unterstützung von FTTH-Projekten im ländlichen Raum gibt es Schritte, die unternommen werden können, um die Projektzeit zu verkürzen und die Abhängigkeiten unterschiedlicher Arbeitsschritte zu reduzieren. Dadurch wird der Zeitraum vom Beginn der Planung bis zur Verlegung der Glasfaserkabel verkürzt, und der Projektmanagement-Overhead reduziert, der für die Verwaltung der Abhängigkeiten zwischen den Meilensteinen erforderlich ist. Ein zentraler Punkt zum Erreichen der Ziele bei der FTTH-Einführung in ländlichen Gebieten.

Stephen Carleton.(Bild:  Corning)
Stephen Carleton.
(Bild: Corning)

Pedro Dias.(Bild:  Corning)
Pedro Dias.
(Bild: Corning)

Potenziale und zukünftige Entwicklungen der Glasfasererweiterung in ländlichen Gebieten

Die Glasfasererweiterung in ländlichen Gebieten birgt ein enormes Potenzial für Deutschland. Durch den Ausbau dieser modernen Infrastruktur können wir Innovation und Digitalisierung in Branchen wie der Landwirtschaft und dem Tourismus vorantreiben. Mit schnellem und zuverlässigem Internet können ländliche Gebiete zu attraktiven Standorten für Investoren werden und neue Arbeitsplätze schaffen. Damit wird der Glasfaserausbau nicht nur die ländliche Wirtschaft stärken, sondern auch die Lebensqualität der Bewohner verbessern.

Es gibt bereits Erfolgsgeschichten auf kommunaler Ebene und es ist wichtig, über Chancen und Herausforderungen gleichermaßen zu sprechen. Gemeinden können als Vermittler und Koordinatoren auftreten und die Bedürfnisse ihrer Regionen aufzeigen. Unternehmen und Netzwerkbetreiber sollten ihr technisches Know-how einbringen, um den Ausbau effizient und kosteneffektiv umzusetzen. Die Bewohner sollten über die konkreten Vorteile des Glasfaserausbaus informiert werden und sie sollten ihr Recht auf schnelles Internet einfordern, so gut wie möglich. Und last but not least heißt es, Förderprogramme zu kennen und diese zweckmäßig zu nutzen.

Über die Autoren

Stephen Carleton ist Sales Manager bei Corning in Ireland.

Pedro Dias ist Market Development Manager Optical Commercial Operations EMEA bei Corning.

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