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ITB: Womit wir wieder bei Frage zwei wären: Wo kann der Channel in diesem multivalenten Szenario denn noch Geld mit Services verdienen?
van Heijst: Die Nachfrage nach Dienstleistungen wird nicht verschwinden. Sie wird sich aber häufig auf andere Workloads verschieben und in manchen Bereichen zunehmen, wie etwa Identity Management, Security oder Collaboration. Es wird für den Partner davon abhängen, auf welcher Stufe der Wertschöpfungskette er sitzt. In diesem Zusammenhang kann es sinnvoll sein, mit Partnern zu kooperieren, die andere Stufen abdecken, bis hin zu Mergers & Akquisitions. Wobei solche Zusammenschlüsse immer komplementär sind: also ein Sharepoint-Spezialist geht mit einem Datacenter-Partner zusammen oder ein Reseller kauft sich einen Systemintegrator. Es geht nicht mehr wie früher darum, größer zu werden, sondern die Dienstleistungspalette zu erweitern und größere Teile der Wertschöpfungskette abzudecken.
ITB: Was tut Microsoft konkret zur Unterstützung des Channels? Und wie sieht das Zusammenspiel mit den Distributoren aus?
van Heijst: Ich selbst spreche mit allen wichtigen Partnern, sowohl in der Distribution als auch mit den großen Systemhäusern. Die Spitze der deutschen Partner-Pyramide wird von mir und meinem Team direkt persönlich betreut: das sind die großen Distributoren, Reseller, Hoster, Systemintegratoren und ISVs. Dazu kommen kommunikative Maßnahmen wie Telefon, Webseiten und Events. Und die wirken hervorragend. So haben wir in diesem Jahr die Anzahl der Partner, die Office 365 verkaufen, verzehnfacht: von 400 auf 4.000. Natürlich in enger Abstimmung und mit Hilfe der Distributoren. Dazu beobachten wir, dass vermehrt externe Beratungsunternehmen versuchen, in den Cloud-Dialog und das dahinterstehende Consulting-Geschäft einzusteigen, um sich bei Anwendern als Trusted Advisor zu positionieren. PriceWaterhouseCoopers leistet hier beispielsweise einen guten Beitrag.
ITB: Eigentlich sollte dies ja die Position des Fachhandels sein!
van Heijst: Das muss er lernen. Zudem ergeben sich hier neue Wege zur Zusammenarbeit. Es schwirren so viele Un- und Halbwahrheiten über die Cloud umher, dass es einen großen Aufklärungs- und Beratungsbedarf gibt. Wir helfen unseren Partnern mit den entsprechenden Informationen. In Deutschland sind wir noch in einem relativ frühen Stadium der Cloud-Akzeptanzkurve. Aber der Verlauf ist der gleiche wie in anderen Ländern, die da schon weiter sind. Es sind wieder die typischen 15 bis 18 Monate gegenüber Ländern wie den USA, die neue Technologien früher adaptieren. Die Kurve verläuft hier keinesfalls flacher, sondern einfach zeitversetzt. Der Wandel kommt, und er ist auch nicht das Problem. Es geht darum, jetzt die nächsten Schritte zu machen, um sich für die Cloud-Ära richtig aufzustellen.
ITB: In diesem Szenario des Wandels ist also Kommunikation und Wissenstransfer die wichtigste Komponente. Wie sieht es mit den Finanzaspekten aus?
van Heijst: Finanzierung ist natürlich eine wichtige Komponente für die Fachhändler, deren Vertrags- und Abrechnungsmodalitäten mit den Kunden sich ändern – Stichwort Subskriptions-Modelle. Diese Umstellung muss man managen. Das Gute dabei ist die Tatsache, dass sich ja nicht alle Modalitäten auf einen Schlag ändern. Das ist ein laufender Umstellungsprozess.
ITB: Anbieter von Managed Print Services beklagen, dass das Akquiseverhalten von Fachhändlern oft bequemer geworden ist, denn die monatlichen Raten kommen nach Abschluss eines Vertrages ja erst mal automatisch für die nächsten Jahre. Ist Ähnliches für Cloud Services zu befürchten?
van Heijst: Klares Nein! Wir sprechen im SMB-Bereich über Subscriptions-Verträge mit kürzeren Kündigungsfristen. Wir kennen das alle von den Telekommunikationsanbietern. Genau wie diese muss sich auch der Fachhandel mit Customer Ensurance und Customer Activation auseinandersetzen. Längere Laufzeiten bringen höhere Rabatte für den Kunden, kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen machen flexibler, dafür sind vielleicht die Raten höher. Das geht in die gleiche Richtung wie bei einem Handy-Vertrag.
ITB: Gibt es konkrete Empfehlungen von Microsoft, in welche Richtung sich ein Fachhändler orientieren sollte?
van Heijst: Wenn Sie als Fachhändler wirklich der Trusted Advisor ihres Kunden sein wollen, sollten Sie in der Lage sein, ihn tiefgehend und situationsabhängig zu beraten. Startups sollte man – so ist meine Erfahrung aus vielen Gesprächen – raten, dass sie sich kein eigenes Datacenter aufbauen, sondern ein bestehendes nutzen, bei einem Hoster oder in der Public Cloud, wie etwa bei uns auf Microsoft Azure. Zweitens, was geschieht, wenn das Thema Cloud OS abgeschlossen ist? Was kommt danach? Entwickle ich mich in Richtung Mobility, Collaboration, Social oder Big Data? Das sind die vier großen Themen. Ein zusätzlicher strategischer Schlüssel hier ist Active Directory. Hier laufen Identity- und Zugriffs-Management zusammen. Alle kommenden Infrastruktur- und Applikationsentscheidungen, die Anbindung externer Anwendungen und Webseiten müssen sich daran orientieren und werden dadurch enorm erleichtert.
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