OVHcloud Ökosystem Das Rezept für digitale Souveränität

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

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Wie kann Europa bei Künstlicher Intelligenz mithalten und dabei seine digitalen Werte wahren? Europäische Angebote seien noch oft unterschätzt, glaubt Falk Weinreich, General Manager Central Europe beim Cloud Provider OVHcloud.

Auch mit den europäischen Cloud-Anbietern lassen sich KI-Projekte zaubern.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Auch mit den europäischen Cloud-Anbietern lassen sich KI-Projekte zaubern.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz entscheidet sich, ob Europa technologisch eigenständig bleibt oder sich dauerhaft in die Rolle des Zuschauers begibt. Zwischen den marktbeherrschenden Hyperscalern aus den USA und China wächst in Europa langsam ein KI-Ökosystem heran, das auf Offenheit und Transparenz setzt. Doch dafür braucht es eine Menge Geld für Startups und KI-Infrastrukturen.

Falk Weinreich, General Manager Central Europe, OVHcloud(Bild:  OVHcloud)
Falk Weinreich, General Manager Central Europe, OVHcloud
(Bild: OVHcloud)

„Die Risiko- und Investitions­bereitschaft in Europa muss sich ändern“, fordert deshalb Falk Weinreich, General Manager Central Europe bei OVHcloud.

Wachsendes Partnerökosystem

Sales-Schützenhilfe erhalten europäische Cloud Provider momentan aus dem Weißen Haus. Die Unsicherheiten um den Cloud Act und die Zollpolitik von Donald Trump treiben das Geschäft spürbar an. OVHcloud freut sich aktuell über ein starkes Wachstum seines Partnerökosystems: „Wir wachsen derzeit sehr satt – vor allem, über klassische Partner, die aus dem Umfeld der Systemintegratoren kommen.“ Kunden wollen nämlich nicht nur wissen, wo die Cloud genau läuft, sondern fragen Beratungsleistungen und Migrationskonzepte an. Als Beispiel nennt Weinreich die Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Auctores, der die Microsoft-Teams-Alternative Visavid bei Kunden wie der Bundespolizei und dem Land Bayern eingeführt hat. Dort wird die Software für E-Learning eingesetzt. Gehostet wird das Ganze in der Public Cloud von OVHcloud.

Das Ökosystem des Anbieters steht auf drei Füßen. Neben den genannten Systemintegratoren bilden die Anbieter von SaaS- und PaaS-Lösungen eine wichtige Säule. Unter dem Schirm des sogenannten Open-Trusted-Cloud-Partnerprogramms können sich ISVs sammeln, die ihre Software-Lösungen in einer offenen und reversiblen europäischen Cloud hosten wollen. Grundlage für das Programm ist eine gemeinsame Werte-Charta, die alle Teilnehmer des Programms teilen.

KI-Startups als Innovationstreiber

Das dritte Standbein des Ökosystems bilden die Startups. In mehreren Programmen erhalten junge Startups Mentoring und Coachings, damit auch die nächsten Finanzierungsrunden gut verlaufen. Auch wenn das zunächst nicht umsatztragend ist, kehren viele Startups zu einem späteren Zeitpunkt als OVHcloud-Kunden wieder zurück. Dass besonders viele KI-Startups auf OVHcloud setzen, sieht Weinreich als Beleg für die ­Innovationskraft Europas: „Wir haben mehr Capabilities in Europa, als man uns manchmal zutraut.“ Da LLMs von OpenAI, Anthropic oder Google überwiegend mit Daten aus dem englischsprachigen Raum trainiert wurden, haben sie einen kulturellen Bias. Auch Weinreich sieht die Notwendigkeit nach KI-Lösungen nach europäischem Rezept: „Wir werden mehr europäische KI-Modelle brauchen, die unseren Kulturkreis und unsere Sprache besser verstehen.“ OVHcloud arbeitet auch deshalb mit Modell-Anbietern wie Mistral und Aleph Alpha zusammen. Auch eigene Produkte wie AI Endpoints und die Data Platform sollen Kunden helfen, die ersten Schritte hin zu einer profitablen Nutzung der KI-Technologie zu gehen.

Wettbewerb um digitale Souveränität

Das jüngste Engagement der US-Hyperscaler auf dem Gebiet der digitalen Souveränität und seinen zahlreichen Sovereign Clouds sieht Weinreich gelassen. „Der Markt ist groß genug“, so der Manager. Die enormen finanziellen Aufwendungen seien aber ein klares Indiz dafür wie „hochgradig sensibel“ das Thema digitale Souveränität inzwischen ist, ansonsten würden nicht solche massiven Investitionen durch die Hyperscaler in Europa getätigt werden. Der Wettbewerb auf dem Spielfeld der digitalen Souveränität zwischen den Hyperscalern und Anbietern wie ­OVHcloud, Ionos oder StackIT bleibt spannend. Selbst die europäische Kommission soll mit einem Umzug von Azure zu OVHcloud liebäugeln und befindet sich aktuell in Gesprächen. Weinreich vertraut auf die Entscheidungsfähigkeit der Kunden: „Weil diese europäischen Alternativen im Kern souverän sind, bekommen wir in der Regel am meisten Glaubwürdigkeit vom Markt ab.“ Auch in den europäischen ­Cloud-Initiativen Gaia-X und der neuen EuroStack möchte man auch in Zukunft in Gesprächen bleiben. Die Öffnung der Mitgliedschaft für Hyperscaler bei Gaia-X sieht auch er kritisch. Die Arbeit des Projektes geriet infolgedessen ins Stocken: „Je mehr Köche in der Küche stehen, desto schwieriger wird es ­natürlich. Dennoch sind gemeinsame EU-Initiativen wichtig, denn einige sehen Europa und Datensouveränität immer noch als Hindernis an.“ Zwischen all diesen Konflikten besteht für Europa auch eine enorme Chance. Die zentrale Frage bleibt, ob es gelingen kann, die vorhandenen Zutaten und großen Datenschätze in Europa zu heben und in einem sicheren Rahmen für die ­KI-Technologie nutzbar zu machen.

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