Erstmals äußern sich die Arbeitnehmer-Vertreter COS-Betriebsrat erwägt, Rechtsbeistand einzuschalten

Redakteur: Regina Böckle

Der Betriebsrat der COS bezieht in einer offiziellen Erklärung erstmals Stellung zu den Vorgängen um den geplatzten Verkauf der Arques-Tochter Tiscon AG an den Investor KCK beziehungsweise Greengold. IT-BUSINESS veröffentlicht im Folgenden den gesamten Wortlaut dieser Erklärung.

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Der Betriebsrat war über die schlechte wirtschaftliche Situation der COS GmbH weitestgehend informiert. In den letzten Wochen verschärfte sich die Lage zusehends und es wurde immer klarer, dass dringend größere finanzielle Mittel zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes von Nöten waren. Dem Betriebsrat wurde signalisiert, dass die Bereitschaft des Mutterkonzerns Arques dazu aber fehle. Ganz im Gegenteil versuche man, einen finanzstarken Investor zu finden, der die Anteile übernehmen und in das Unternehmen investieren solle, um so den Fortbestand zu sichern.

Was von Mai bis Juli geschah

Dieser Investor schien mit der Greengold AG gefunden worden zu sein. Nachdem sich bereits Ende Mai mehrere Personen dieses Unternehmens tagelang ein Bild von der aktuellen Situation direkt vor Ort in Linden gemacht hatten, zog sich die Entscheidung für den Verkauf an Greengold dennoch bis Mitte Juli hin.

Zu der zeitlichen Verzögerung kam es vermutlich, weil zeitgleich ein Angebot eines zweiten Investors von der Arques geprüft wurde. Der Betriebsrat der COS war nie direkt an den Verhandlungen oder an sonstigen Gesprächen mit möglichen Investoren beteiligt.

Auf Nachfrage verdichteten sich aber die Vorzeichen, das man den russischen Investor favorisiere. Am 20. Juli wurde dann über eine Ad-Hoc-Mitteilung bestätigt, dass die Arques ihre Anteile an der Tiscon AG an den Investor Greengold, vertreten durch die KCK Association, verkauft habe, und der Eigentümerwechsel auch Personalveränderungen im Verwaltungs- und Aufsichtsrat nach sich gezogen habe.

Turbulente Tage: 20. bis 27. Juli

Am Vormittag des 20. Juli fand dann eine Gesprächrunde zwischen den neuen Eigentümern, den Abteilungsleitern und dem Betriebsrat statt. Dieses Gespräch sollte zum gegenseitigen Kennenlernen dienen aber auch erste Informationen geben, wie man sich die weitere Entwicklung vorstelle und das weitere Vorgehen plane.

In diesem Gespräch wurden die Investoren auch gefragt, womit sich die Greengold AG genau beschäftige und wie die Tiscon AG als Unternehmen der IT-Branche in ihr Konzept passe. Darauf antwortete man, dass sich die Greengold AG nach dem Ende der Sowjetunion um die Restrukturierung alter Staatsbetriebe gekümmert und diese saniert habe. Das seien beispielsweise Werften gewesen, man habe auch in landwirtschaftliche Betriebe investiert, außerdem plane man den firmeneigenen, größeren Landbesitz in der Region zwischen Moskau und Sankt Petersburg zum einen Freizeit- und Erholungspark auszubauen, dieses Projekt könne aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. In ihrem Besitz befänden sich etwa sechzig Firmen, die mittlerweile profitabel arbeiten.

Mit dem Know-how, das man in den letzten Jahren erworben habe und den finanziellen Möglichkeiten, über die man verfüge, wolle man auch in Deutschland Firmen sanieren. Man habe die Situation der Tiscon intensiv geprüft und werde nun mit den entsprechenden Mitteln die Firma wieder auf ein sicheres Fundament stellen, den Geschäftsbetrieb fortführen und ausbauen.

Unterstützt werde man dabei von zwei deutschen Managern, die für internationale Großkonzerne tätig waren und ihre umfangreiche Erfahrung in dieses Projekt mit einfließen lassen wollen. Gemeint waren Hans Halbach, der an dem Gespräch zumindest zeitweise anwesend war, und zum anderen Georg V. Ernst, der am 21. Juli im Unternehmen erschien.

Was sich auf der Betriebsversammlung am 20. Juli in Linden abspielte, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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