Wegbereiter der künstlichen Intelligenz verstorben Computer-Wissenschaftler und -Kritiker Joseph Weizenbaum starb mit 85 Jahren
Joseph Weizenbaum wurde Mitte der 1960er Jahre auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz berühmt. Gleichzeitig war er jedoch einer ihrer größten Kritiker. Er forderte von den Wissenschaftlern verantwortungsvollen Umgang mit der Computertechnologie.
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Der Informatiker Joseph Weizenbaum starb am 5. März 2008 an den Folgen eines Schlaganfalls. Am 8. Januar 1923 in Berlin geboren, emigrierte Weizenbaum aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1936 mit seiner Familie in die USA. An der Wayne State University in Detroit studierte er zunächst Mathematik, ab 1950 arbeitete er an einem Computerprojekt. Von 1955 bis 1963 war er als System-Engineer im Computer Development Laboratory bei General Electric am ersten Computer-Banksystem namens ERMA beteiligt. 1963 nahm er seine Lehrtätigkeit als Associate Professor an der Elite-Universität MIT (Massachusetts Institute of Technology) auf. Ab 1970 war er als Professor für Computer Science tätig.
Das Computerprogramm Eliza, das Weizenbaum 1966 entwickelte, sollte die Verarbeitung natürlicher Sprache durch einen Computer demonstrieren und war der Wegbereiter für künstliche Intelligenz. Doch das Erlebnis, dass zahlreiche Menschen in einem simulierten Gespräch mit einem Psychologen (der Variante »Doctor« von Eliza) intimste Details von sich gaben, war für Weizenbaum der Knackpunkt, zum Computer- und Medienkritiker zu werden.
Er machte auf einen kritischen Umgang mit Computern und die Verantwortung der Wissenschaftler aufmerksam. So war er schließlich Mitbegründer der »Computer Professionals for Social Responsibility« in den USA und Beirat des Forums für InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung in Deutschland.
Weizenbaum, der seit 1996 wieder in Berlin lebte, war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und hatte vier Ehrendoktor-Auszeichnungen inne. Die Gesellschaft für Informatik verlieh ihm 2003 die Ehrenmitgliedschaft. Zahlreiche kritische Veröffentlichungen unterstreichen seinen Standpunkt, dass die Entscheidungsgewalt trotz künstlicher intelligenter Hilfsmittel immer beim Menschen bleiben muss. Schon Mitte der 70er-Jahre formulierte er diesen Anspruch in seinem Buch »Computer Power and Human Reason«, auf deutsch erschien es 1978 unter dem Titel »Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft«.
Durch den Siegeszug von Computern und Internet fanden seine Ideen Einzug in die aktuelle Medienkritik. Sein Leben und Wirken wurde erst vor zwei Jahren verfilmt unter dem Titel »Weizenbaum. Rebel at Work«.
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