Anleger-Interesse zu gering Börsengang von Devil ist vorerst geplatzt

Redakteur: Regina Böckle

Aus dem geplanten Börsengang des Braunschweiger Distributors Devils wird erst einmal nichts. Die Zeichnungsfrist für die rund 2,5 Millionen Stückaktien lief gestern aus, jedoch war das Interesse möglicher Anleger offenbar zu gering: nur die Hälfte der Aktien wurden geordert. Das Management prüft jetzt Alternativen, um den angepeilten Wachstumskurs auf andere Weise umzusetzen.

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Für die Devil AG lief der gestrige Tag nicht wie geplant: von den 2,5 Millionen Aktien wurden während der Zeichnungsphase nur rund die Hälfte geordert. Sowohl aus Sicht des Devil-Managements, als auch nach Meinung der Devil-Mutter Tulip waren die daraus resultierenden Emissions-Erlöse zu gering, um die geplante Expansions-, Fusions- und Akquisitions-Strategie der Gesellschaft umzusetzen.

Gemeinsam mit der Emissionsbank wolle man nun zunächst weitere Finanzierungs-Möglichkeiten prüfen und einen Börsengang gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt durchführen, heißt es in der Ad-Hoc-Meldung.

Den Ausgabepreis pro Aktie hatte das Unternehmen vor rund einer Woche mit sechs bis neun Euro veranschlagt. Das hätte dem Distributor eine Kapital-Erhöhung zwischen 15 und 22, 5 Millionen Euro eingebracht.

»Uns war es durchaus bewusst, dass der Kapitalmarkt derzeit schwierig ist und dass es auch nicht klappten könnte. Es gab in den vergangenen Monaten einzigen Börsengang. Wir haben es dennoch versucht und nun loten wir die Alternativen aus«, erklärte Devil-Vorstand Axel Grotjahn gegenüber IT-BUSINESS. Wie diese Alternativen konkret aussehen, dazu könne man zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Angaben machen.

Akquisitionen liegen auf Eis, am Wachstumskurs wird festgehalten

Mit den Emissions-Erlösen aus dem Börsengang wollte der Braunschweiger Distributor vor allem das Wachstum in zwei Bereichen beschleunigen. Zum einen die Geschäfte im Ausland und zum anderen das Wachstum mit einer Kundenklientel, die Devil selbst bislang nicht sehr stark adressiert hatte: die Systemhäuser. Hier wurden bereits Übernahme-Verhandlungen mit einem hierzulande ansässigen IT-Distributor geführt, der sein Kerngeschäft mit Systemhauspartnern generiert. »Unter anderem war das frische Börsen-Kapital für diese Akquisition bestimmt, die wir nun nicht wie ursprünglich geplant durchführen können. Die Verhandlungen werden wir jedoch unabhängig davon weiterführen«, so Grotjahn.

Wann Devil einen erneuten Gang an die Börse wagen will, steht derzeit noch nicht fest. »Das hängt ganz von der Entwicklung des Kapitalmarkts ab. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es noch dieses Jahr funktionieren könnte«, führte der Devil-Vorstand dazu aus. »Wir sehen Anzeichen dafür, dass sich das Klima am Kapitalmarkt wieder positiver entwickelt.«

Am Wachstumskurs will das Unternehmen weiter festhalten. »Wir werden auf jeden Fall weiter wachsen, allerdings eben etwas langsamer, als es uns ein erfolgreicher Börsengang erlaubt hätte«, so Grotjahn. Dazu gehört auch die kürzlich gegründete Service-Tochter »IT-Logistics & Services«, die ausländischen IT-Produzenten die Tore zum hiesigen Markt öffnen soll. »Sobald unser neues Logistikzentrum im Juli an den Start geht, werden wir in diesem Bereich aktiv«, kündigt der Devil-Chef an.

Wechselwirkungen

Mit Argusaugen dürfte gestern allerdings die gesamte IT-Distributionsbranche dem Aufbruch des Braunschweiger Grossisten Devil an die Frankfurter Börse gefolgt sein. Denn nicht nur Devil hat den Börsengang angekündigt, sondern auch die Actebis-Gruppe will sich dort möglichst bald platzieren. Nach jüngsten Äußerungen von Michael Schumann, Vorstandsvorsitzender der Actebis-Muttergesellschaft Arques, sieht er die Wahrscheinlichkeit für einen Börsengang in diesem Jahr wieder von 50 auf 80 Prozent gestiegen – das war aber vor der Devil-Absage. Und auch der Aachener Distributor Api nannte den Börsengang als eine Option.

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