CEO Raju im Knast, Aktien im Keller, Regierung unter Zugzwang

Bilanzfälschungen stürzen den indischen IT-Konzern Satyam in die Krise

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Der Gründer und Chef

Der 54-jährige Raju selbst ist ein Bauernsohn aus dem südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Sein Vater war in den Sechziger Jahren vom Dorf in die Millionenstadt Hyderabad gezogen, um ein Textilgeschäft aufzubauen. Der Sohn studierte an der Ohio State University Betriebswirtschaft. Doch seine ersten Versuche als Immobilienunternehmer scheiterten.

Satyam allerdings wuchs schnell und gilt bisher als der viertgrößte indische IT-Konzern. Raju konnte mit rund 20 Millionen Dollar jährlich Projekte zur Förderung der Bauern in Andhra Pradesh unterstützen – für sauberes Trinkwasser und sanitären Anlagen. Er gründete einen Ambulanzdienst, der im ganzen Land gelobt wurde. Eine seiner Stiftungen zählt 1.500 Angestellte.

In einem Brief an den Verwaltungsrat und an die Börsenaufsicht gesteht er die über Jahre gehenden systematischen Fälschungen der Gewinn- und Umsatzzahlen ein und macht sich mehr oder minder zum Alleinschuldigen. »Es kam mir vor«, schreibt Raju über seine verzweifelten Versuche, die Bilanzen seines Unternehmens zu schönen, »als reite ich auf einem Tiger, und ich fragte mich dauernd, wie ich absteigen kann, ohne gefressen zu werden.«

»Satyam« ist in Sanskrit das Wort für »Wahrheit«. Doch noch vor Kurzem konnte Raju die Höhe seiner Schulden verschleiern und den Börsen von Mumbai und New York weismachen, er verfüge über flüssige Mittel von mehr als einer Milliarde Dollar. In Wahrheit aber waren es nur 66 Millionen Dollar.

Tatsächlich betrug das Barvermögen gerade einmal sechs Prozent dessen, was Satyam noch im September 2008 ausgewiesen hatte. Die Margen beliefen sich auf nur drei Prozent und nicht, wie beansprucht, auf 24 Prozent. Die Umsätze lagen 22 Prozent niedriger als angegeben.

Betrug trotz Audits

Heute müssen sich Investoren und Analysten fragen, wie ein solcher Betrug möglich war. Immerhin auditieren die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PWC), Satyam seit vielen Jahren. Denn nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um einen »recht simpel gestrickten Betrug«, wie die »Süddeutsche Zeitung« schreibt.

Laut Raju, der die wichtigsten Posten offenbar nur mit Familienmitgliedern besetzt hatte, hat er Finanzlücken, die den Glanz des Vorzeigekonzerns hätten trüben können, aus der Privatschatulle aufgefüllt. Offenbar verpfändete er seine Aktien und schoss den Gewinn den Unternehmenserlösen zu. Die Manipulationen hätten nicht zur persönlichen Bereicherung beigetragen, so der inhaftierte CEO.

Nach Bekanntwerden des Bilanzskandals war der Aktienkurs von Satyam an der Börse in Mumbai innerhalb weniger Stunden um nahezu 78 Prozent abgestürzt. Der Börsenindex selbst musste einen Verlust von vier Prozent hinnehmen.

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