NUCs, Tablets und Smartphones pflügen den Markt um Assemblierer und die Geräteklassen-Kannibalisierung

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Die Welt ist nicht schwarzweiß und der klassische PC daher keineswegs am Verschwinden. Aber bei den Geräteklassen verschieben sich Marktanteile hin zu Tablets, Smartphones und NUCs (Next Unit of Computing). IT-BUSINESS sprach mit Intels Channel-Chef Mike Cato über diese Marktverschiebungen aus Assemblierer-Sicht.

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Mike Cato, Manager Reseller Channel CER bei Intel
Mike Cato, Manager Reseller Channel CER bei Intel
(Intel)

ITB: Intel will sich von der Motherboard-Produktion verabschieden. Was ist der Grund?

Cato: Der Grund ist, dass sich Intel auf innovativere Formfaktoren fokussieren will, um die Ressourcen besser zu nutzen. Mehr in den Fokus rücken unter anderem Bauteile für All-in-One-PCs oder NUCs (Next Unit of Computing).

ITB: Würden Sie NUCs als Konzept bitte kurz skizzieren?

Cato: Das sind sehr kleine PCs – etwa drei Zigarettenschachteln groß. Verbaut werden sie beispielsweise im Digital-Signage-Umfeld, hinter den Bildschirmen.

ITB: Wenn Sie sagen, dass Intel-Ressourcen profitabler eingesetzt werden sollen – von welchen Ressourcen sprechen wir da und bedeutet das im Umkehrschluss, dass sich der Mainboard-Bereich zu einem Verlustgeschäft entwickelt hat?

Cato: Es ist schwierig, die betreffenden Ressourcen auf Heller und Pfennig abzugrenzen. Das jährliche Budget für Forschung und Entwicklung umfasst bei Intel etwa fünf Milliarden US-Dollar. Das für Capital Investments etwa fünf bis sechs Milliarden. Dass wir hier neue Prioritäten setzen, heißt aber nicht, dass Intel mit Mainboards in den roten Zahlen war. Im Gegenteil: Die vergangenen 20 Jahre war das Geschäft mit Intel-Boards profitabel.

ITB: Wie ist der Zeitplan?

Cato: Bis zur Prozessorgeneration mit dem Arbeitsnamen Haswell bleibt Intel im Mainboard-Geschäft, also noch gut zwei Jahre. Aufgrund dieser langen Vorankündigungszeit wird es keinerlei Probleme geben und dass andere Player aus der IT-Industrie die Lücke füllen werden, wird niemand ernsthaft bezweifeln.

ITB: Es besteht ein Trend hin zum Smartphone und Tablet, also weg vom klassischen PC. Inwiefern hat sich die Marktsituation durch solche Kannibalisierungseffekte der Geräteklassen in Hinblick auf kleinere IT-Hersteller jenseits des Top-Ten-Rankings verschlechtert? Smartphones und Tablets können von B-Brands und von kleinen Assemblierern kaum selbst produziert werden, behaupte ich mal…

Cato: Da haben Sie grundsätzlich Recht. Für kleinere Hersteller bewegen sich Eigenmarken im Tablet- und Smartphone-Geschäft eher im Bereich Whitelabeling, denn hier können kaum europäische Fertigungsanlagen betriebswirtschaftlich sinnvoll betrieben werden, in denen Barebones mit Bauteilen wie der CPU bestückt werden. Insbesondere im Tablet-Markt hilft Intel hierbei kleineren Herstellern, die keine Direktkontakte zu asiatischen Fertigern pflegen, im Rahmen des Champ-Programms. Dabei geht es darum, auch in kleineren Stückzahlen direkt bei asiatischen ODM-Größen bestellen zu können. Intel betreibt in diesem Zusammenhang ein Verteilungslager in Amsterdam, über das Waren aus dem Champ-Programm innereuropäisch verteilt werden. Geordert wird dabei ganz regulär über die Distribution oder über den kommenden Champ-Katalog, mit dem Intel besagte Direktkontakte zu ODMs herstellt.

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