In Deutschland fragt man sich im Sommer oft, wie man Job und Extremtemperaturen unter einen Hut bekommt. Einige Länder in Europa wie Spanien, Italien, Griechenland oder der Türkei wissen, wie das geht und haben gesetzliche Vorgaben.
Wann wird`s mal wieder richtig Sommer, fragte sich einst Rudi Carell. Jetzt haben wir immer wieder richtige Sommer und klagen. Grund zum Jammern haben aber vor allem jene, die bei der Arbeit der Hitze im südlichen Europa ausgesetzt sind. Doch diese Länder steuern dagegen ...
(Bild: S. Tralmann)
Arbeitgeber in südlichen Ländern wie Spanien, Italien, Griechenland oder der Türkei müssen ihre Beschäftigten – und generell die Bevölkerung – von jeher vor zu hohen Temperaturen schützen. In manchen Ländern gibt es dafür gesetzliche Vorgaben. Andere Länder setzen auf t etablierte Maßnahmen wie Siesta, geschlossene Geschäfte in den Mittagsstunden und längere Arbeit am Abend. Hier ein kleiner Überblick, wie man den Hitzekollaps vermeiden kann:
So geht man in Griechenland mit Hitze und Arbeit um:
In Griechenland schrillen die Alarmglocken, wenn in Athen das berühmte Wahrzeichen Akropolis über die Mittagsstunden die Pforten für Touristen und Mitarbeiter schließt. Denn bei über 40 °C im Schatten fühlt es sich für die Menschen dort je nach Kleidung und Windverhältnissen wie 55 bis 60 °C an. Kreislaufprobleme und Dehydrierung drohen. Und für all jene, die zu Hause keine Klimaanlage haben, öffnen die griechischen Großstädte während Hitzewellen öffentliche klimatisierte Gebäude, in denen man sich dann tagsüber aufhalten darf. Zusätzlich ergreift das griechische Arbeitsministerium Maßnahmen. Es untersagte etwa die Arbeit im Freien zwischen 12:00 und 17:00 Uhr, was Bauarbeitern und der Landwirtschaft, aber auch Lieferdienstleistern, die per Moped Essen und Kaffee ausfahren, schonen soll. Unternehmen, die dagegen verstoßen, können pro betroffenem Mitarbeiter mit bis zu 2.000 Euro Strafe rechnen. Und die Privatwirtschaft ist dazu verpflichtet, Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen, oder bei Hitze klimatisieren zu können.
Spanien verschärfte Regelungen zur Arbeit bei Hitzewellen
In Spanien, wo lange Hitzewellen ebenfalls oft vorkommen, sind die gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Beschäftigten erst 2023 sogar verschärft worden. Linderung für alle sollen dabei über die Straßen gespannte Sonnensegel sowie Trinkwasserstellen, mehr Schatten spendende Bäume, Verkehrsberuhigung und Abkühlräume bringen. Abseits der Metropolen machen die Spanier traditionell bekanntlich ihre berühmte Siesta, die meist zwischen 14:00 und 17:00 Uhr genossen wird. Die spanische Neuregelungen zum Hitzeschutz wurden etwa Reaktion auf den tödlichen Hitzschlag eines Mitarbeiters der Stadtreinigung in Madrid 2022 verabschiedet, der bei über 40 °C erfolgte. Seit 2023 müssen Arbeiten im Freien deshalb während extremer Hitze eingeschränkt oder ganz unterbrochen werden. Wer das ignoriert, muss sogar mit Millionenstrafe rechnen. Die Regelung greift, wenn der staatliche Wetterdienst Aemet eine Hitzewarnung der Stufe Orange oder Rot herausgibt. In der Praxis klappt das aber nicht immer. Und Gewerkschaften kritisieren, dass gerade kleinere Betriebe in Sektoren wie Landwirtschaft, Bau und Tourismus leicht unter dem Radar staatlicher Kontrollen bleiben.
Auch die Anti-Hitze-Regelungen in Frankreich wurden strenger
Angesichts der prognostizierten, zunehmenden Häufigkeit von Hitzewellen will Frankreich in vielen Bereichen vorbereitet sein. Zuletzt wurden zum 1. Juli die Vorschriften bezüglich der Vorkehrungen verschärft, die öffentliche Arbeitgeber bei Hitzewellen treffen müssen. Dabei geht es um den Schutz am Arbeitsplatz und das Bereitstellen von mindestens drei Litern Wasser pro Arbeitnehmer (wenn es vor Ort kein fließendes Trinkwasser gibt). Ansonsten dient der französische Ferienrhythmus schon lange als Schutz vor der ärgsten Hitzeplage. Denn im August ist das ganze Land im Ferienmodus und viele Menschen verreisen. Betriebe sind also geschlossen. Und wo es geht, nehmen die Menschen ihren Jahresurlaub. Schon im Juli packen viele ihre Koffer.
Ungarn setzt zum Hitzeschutz auf Trinken und Pausen
Ungarn hat übrigens eine sehr detaillierte Verordnung zum Arbeitsschutz bei Hitzephasen. Es gibt dafür viele Abstufungen, die je nach physischer Schwere der Arbeit greifen. Wird draußen bei über 27 °C schwer gearbeitet, muss der Arbeitgeber für ausreichend Flüssigkeit und Pausen sorgen. Beschäftigte in Büros müssen noch 31 °C schutzlos ertragen, erst danach muss der Arbeitgeber etwa durch Kühlungsmaßnahmen für Linderung sorgen.
So stellt sich Rumänien gegen zu große Hitzebelastung auf
In Rumänien regelt das Arbeitsgesetz, dass der Arbeitgeber das Arbeitsprogramm bei extremer Hitze anpassen muss und in den Mittagsstunden Pausen einzuhalten sind. Arbeitgeber müssend dabei auch Trinkwasser und schattige Rückzugsplätze zur Verfügung stellen und für Lüftung sorgen. Geht das nicht, muss die Arbeit zwischen 11:00 und 17:00 Uhr ruhen. Die Angestellten dürfen die Arbeit sogar ablehnen, wenn es zu heiß wird. Als Grenzwert gelten hier 37 °C im Schatten, wenn dieses Temperaturniveau bereits über zwei Tage nacheinander andauert.
Serbische Arbeitgeber sollten beim Hitzeschutz nicht schludern
In Serbien gibt es auch Strafen für Arbeitgeber, die gegen den Hitzeschutz verstoßen. Bis zu 17.000 Euro können für das ungehorsame Unternehmen dann fällig werden. Und Arbeitnehmer können einen Arbeitgeber, der keine Maßnahmen für ihre sichere und gesunde Arbeit im Freien bei hohen Außentemperaturen getroffen hat, anonym der Gewerbeaufsichtsbehörde melden. Als Grenzwert gelten übrigens 36 °C. Fraglich sei aber durchaus, inwieweit die Sanktionen im Alltag wirklich umgesetzt würden.
Italien folgt beim Weg aus der Hitze den alten Römern
In Italien reicht die Tradition der Siesta bis ins antike Rom zurück! Damals legten die Menschen zur sogenannten „hora sexta“ – also zur sechsten Stunde nach Sonnenaufgang – eine Pause ein, die meist um die Mittagszeit stattfand. Auch heute noch ist es bekanntlich in vielen kleineren italienischen Städten üblich, dass Geschäfte zwischen 13:00 und 16:00 Uhr zu sind. In Großstädten setzt sich hingegen ein durchgehender Arbeitstag durch. Für viele bleibt die Mittagshitze deshalb ein Gesundheitsrisiko. Und der erste Hitzeschub des Sommers brachte bereits Todesopfer, als etwa ein 47-Jähriger beim Betonieren im Freien zusammenbrach. Einheitliche Schutzmaßnahmen bei Hitze gibt es in Italien noch nicht. Einige Regionen auf dem „Stiefel“ machen so etwas aber in Eigenregie, wobei man sich auf die Website „Wordklimate 2.0“ bezieht. Dort wird anhand von Berechnungen das tägliche Arbeitsrisiko in den Unternehmen – vor allem Baustellen, Steinbrüche und landwirtschaftliche Betriebe – angezeigt. Ist ein Unternehmen rot markiert, muss es die Arbeit zu festgelegten Zeiten einstellen.
Stand: 08.12.2025
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Der Türke geht aus der Mittagssonne und trinkt genug
In der Türkei gibt es im Sommer immer wieder Hitzewellen mit Temperaturen von über 40 °C, doch Büros und Krankenhäuser sowie U-Bahnen und Busse sind in der Regel klimatisiert. Und wer auf Baustellen oder in der Landwirtschaft arbeitet, wird dazu aufgerufen, einfach die Mittagssonne zu meiden und ausreichend Wasser zu trinken. Bei sehr starker Hitze schließen gelegentlich die Schulen. Von der Regierung angetriebene Maßnahmen zur Kühlung der Städte, wie etwa Begrünung, um die Temperaturen zu senken, gibt es in der Türkei aber bisher noch nicht. Doch nicht alle von Hitze betroffenen Länder machen gleich Gesetze oder geben Empfehlungen aus ...
Sloweniens freie Gewerkschaften wollen Regeln wie in Frankreich
In Slowenien ist der Schutz für die arbeitende Bevölkerung bei Hitze im Freien aber nicht im Detail geregelt. Die Konföderation der freien Gewerkschaften ZSSS hat aber dafür immerhin Vorschläge unterbreitet. Hingegen gibt es Gesetze für Arbeitsplätze in Innenräumen. Dort darf es nicht wärmer als 28 °C werden. In Kroatien gibt es übrigens keinerlei Gesetze zum Hitzeschutz der Angestellten. Alles bleibt in diesem Fall dem Ermessen der Arbeitgeber überlassen. Das kritisieren aber die Gewerkschaften. Sie verlangen deshalb nach entsprechenden Regeln und favorisieren dabei das französische Vorbild.