GoTo-Studie 68 Prozent der deutschen Unternehmen sehen sich gewappnet für die Rezession

Von David Binnig

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Laut einer Studie von GoTo halten sieben von zehn Wirtschaftsführern weltweit eine Rezession innerhalb der nächsten sechs Monate für wahrscheinlich. Für eine erfolgreiche Bewältigung eines solchen Szenarios spielt die Mitarbeitermoral eine entscheidende Rolle.

Bulle oder Bär? Auch an der Börse stellt man sich zunehmend auf eine Rezession im Jahr 2023 ein.(Bild:  Alexander Limbach - stock.adobe.com)
Bulle oder Bär? Auch an der Börse stellt man sich zunehmend auf eine Rezession im Jahr 2023 ein.
(Bild: Alexander Limbach - stock.adobe.com)

Resilienz ist in der Gegenwartsgesellschaft wohl eine Kunst für sich. Dies spiegelt sich auch in den Stimmungsbarometern der Führungsetagen wider. Unternehmen ächzen nach über zwei Jahren Pandemie, Inflation und Energiekrise unter der prekären wirtschaftlichen Lage. Hinzu kommt die Angst vor einer weiteren Erhöhung des Leitzinses und weiteren Kurseinbrüchen an der Börse.

Inzwischen gehen sieben von zehn Wirtschaftsführer weltweit davon aus, dass die globale Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten eine Rezession erfahren wird. Auch Deutschland schlittert nach der Herbstprognose von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im kommenden Jahr schnurstracks in eine Rezession. „Es ist schlimm“, sagte Habeck dazu in den Tagesthemen. „Es sind Zeiten, die die deutsche Wirtschaft in schweres Fahrwasser bringen.“

Resilienz ist regional bedingt

Die Studie legt offen, dass die Unsicherheiten der befragten Unternehmen je nach Region unterschiedlich ausfallen. Ein guter Indikator für die gesamte Weltwirtschaft und insbesondere für die Tech-Branche ist ein Blick in die Vereinigten Staaten. 73 Prozent der US-Unternehmen sind selbstbewusst, im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs bestehen zu können.

Einen überdurchschnittlich starken Sinn für wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit weisen die Regionen aus Asien und Ozeanien auf. Markante Länder, die in der Umfrage eine hohe ökonomische Resilienz aufweisen, sind etwa Indien (97 %) und Australien (82 %).

Europäische Unternehmen blicken dem Szenario einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung nüchterner entgegen. Dies mag vor allem der aktuell angespannten geopolitischen Lage sowie der damit verbundenen Energiekrise geschuldet sein. So sehen sich 68 Prozent der Unternehmen in Deutschland für eine anstehende Rezession gewappnet. Mit diesem Wert liege Deutschland im Mittelfeld des Stimmungsbarometers. Nachbar Frankreich reiht sich mit 66 Prozent knapp dahinter ein. Im Vereinigten Königreich ist die Stimmung dagegen deutlich pessimistischer. Dort sehen sich lediglich 43 Prozent der Unternehmen für eine eintretende Rezession gewappnet.

Den finanziellen Sturm überstehen

Außerdem gaben 51 Prozent der befragten Wirtschaftsentscheider an, in der Vergangenheit bereits mit wirtschaftlichem Gegenwind zu tun gehabt zu haben. Von dieser Gruppe glauben wiederum 93 Prozent, zukünftig besser auf wirtschaftliche Disruptionen eingestellt zu sein. Insofern ein Unternehmen also in der Vergangenheit bereits erfolgreich einer schwierigen wirtschaftlichen Lage getrotzt hat, geht es gestärkt aus einer solchen heraus.

Angesichts der prekären Lage nimmt ein Löwenanteil der deutschen Führungskräfte Präventivmaßnahmen vor. Insgesamt halten es 67 Prozent für wichtig, sich auf eine bevorstehende Rezession vorzubereiten. 22 Prozent haben entsprechende Vorkehrungen beschlossen oder planen diese. Weitere 33 Prozent befinden sich bereits in der Umsetzung. Ein nicht unbedeutender Anteil von 34 Prozent gab an, bis dato keine Ressourcen in die Vorbereitung auf eine geplante Rezession zu stecken.

Maßnahmenkatalog

Auch wenn das Risikobewusstsein und die Selbsteinschätzung in Bezug auf eine Rezession je nach Region unterschiedlich ausfallen, gibt es global gültige Maßnahmen, um sich optimal vorzubereiten.

Als wichtigsten Faktor nannten insgesamt 39 Prozent der Entscheider das Knowhow, wie Unternehmen wirtschaftliche Unterstützung erhalten könnten. Für 37 Prozent ist eine Konsolidierung und Bewertung der eingesetzten Technologien ausschlaggebend. Auf Katastrophenpläne stützen sich 36 Prozent der Unternehmen, 35 Prozent halten Rücklagen für mindestens drei Monate für wichtig.

Im Wirtschaftsstandort Deutschland hat die Sicherung von Rücklagen (24 %) Priorität, dicht gefolgt von internen Risikobewertungen sowie von Kenntnissen, wie Unternehmen wirtschaftliche Hilfen beantragen können (jeweils 23 %).

Schlüsselfaktor Mitarbeitermoral

Abseits von Kosteneinsparungen, Rücklagen und dem passenden Knowhow ist ein weiterer Faktor zentral: Insgesamt halten es 76 Prozent der Befragten weltweit für wichtig, ihre Mitarbeiter während der Wirtschaftskrise zu schützen. Für 77 Prozent ist es von Bedeutung, dass die Moral der Beschäftigten während der Krise hoch bleibt. 75 Prozent gaben zudem an, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun würden, um ihre Mitarbeiter auch im Falle einer Rezession zu halten. Hinsichtlich des zunehmenden Fachkräftemangels in vielen Branchen ist dies nur logisch.

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Die regelmäßige Wartung von Arbeitsequipment (49 %), eine kosteneffiziente Produktion von Produkten (44 %) und die Ausstattung der Mitarbeiter mit entsprechenden Tools und Lösungen (42 %) werden als Schlüsselfaktoren zur Erreichung dieser Zielsetzung deklariert. In Deutschland bezeichnen 43 Prozent der Führungskräfte die Moral der Beschäftigen als einen der wichtigsten Faktoren, um die Resilienz des Unternehmens zu erhöhen. Damit liegt der Punkt sogar noch vor der Erstellung eines detaillierten Business-Continuity-Plans.

Über die GoTo-Studie

Die Untersuchung durch OnePoll fand zwischen dem 25. August und dem 2. September 2022 statt. Befragt wurden rund 3.700 Führungskräfte und IT-Entscheidungsträger in Deutschland, Amerika, Großbritannien, Frankreich, Australien, Indien, Malaysia, den Philippinen und Singapur. Die Marktforscher von OnePoll gehören der Market Research Society an und sind kooporative Mitglieder der American Association for Public Opinion Research (AAPOR) und der European Society for Opinion and Marketing Research (ESOMAR).

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