Suchen

Aufgemerkt 1938 – der erste Kopierer

Redakteur: Peter Koller

In der Rubrik Aufgemerkt stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS, die Schwesternredaktion von IT-BUSINESS, regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik und Elektrotechnik vor. Diesmal: Der erste Kopierer.

Firmen zum Thema

Ein Mann und seine Erfindung: Chester Carlson mit dem ersten Kopierer
Ein Mann und seine Erfindung: Chester Carlson mit dem ersten Kopierer
(Xerox)

Auch wenn heute, am 24. Oktober 2013, der Paper Free Day ist: In diesen Tagen feiert ein Gerät seinen 75. Geburtstag, das trotz E-Mail und PDF nach wie vor in fast keinem Büro fehlt – der Kopierer. Der Mann hinter der Erfindung heißt Chester Carlson. Aufgewachsen in bitterer Armut in Kalifornien brachte er es mit Schlauheit und Fleiß zum Physiker und Patentanwalt. Ein erster Job als Forschungsingenieur in den Bell Telephone Laboratories brachte ihn 1931 nach New York.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Bei seiner späteren Tätigkeit in der Patentabteilung des Elektronikbauteileherstellers P. R. Mallory waren ständig viele Kopien von Dokumenten notwendig. Doch diese mussten damals aufwändig hergestellt werden: Texte wurden mit Kohlepapier in der Schreibmaschine vervielfältigt, Zeichnungen fotografisch reproduziert.

Da er einen enormen Bedarf nach einem einfachen Kopierverfahren erkannte, begann Carlson mit verschiedenen photoelektrischen und elektrochemischen Prozessen zu experimentieren. Zunächst lange ohne Erfolg. Erst ein Aufsatz des ungarischen Physikers Pál Selényi brachte ihn, wie er später selbst immer wieder betonte, auf die richtige Spur.

Bei dem von Carlson später zum Patent angemeldeten V erfahren wird ein Dokument auf einer mit einem Fotoleiter beschichteten Oberfläche platziert und dann hell erleuchtet. Dabei wird auf dem Fotoleiter quasi ein Ladungs-Abbild des Dokuments erzeugt: Wo Licht auf die fotoleitfähige Schicht trifft, geht die Ladung verloren. An den dunklen Stellen der Vorlage bleibt die Ladung erhalten. Anschließend wird der Fotoleiter mit einem negativ geladenen Pulver bestäubt, dass sich dort anlagert, wo eine positive Ladung – die dunklen Stellen des Dokuments – vorhanden ist. Das Pulver wird dann auf ein Blatt Papier übertragen und per Hitze darauf fixiert.

Soweit die Theorie, doch die praktische Umsetzung machte viele Probleme. Carlsons Versuche mit Schwefel als Fotoleiter setzen mehr als einmal beinahe das Appartment in Brand, in dem er mit seiner Frau wohnte.

Der Durchbruch kam mit der Verpflichtung des aus Österreich emigrierten Physikers Otto Kornei und dem Bezug eines kleinen Labors in der Wohngegen Astoria. Am 22. Oktober 1938 hatten sie Erfolg. Dementsprechen zeigt die erste Fotokopie der Welt dieses Datum und als Ortsangabe das Wort "Astoria".

Doch erst 1946 begann der Photopapier-Hersteller Haloid, der später in Xerox umbenannt wurde, mit der kommerziellen Verwertung der Carlson-Patente in großem Stil. Ab diesem Zeitpunkt war der Erfolg des Fotokopierers nicht mehr zu stoppen. Carlson wurde durch seine Anteile an Xerox zu einem reichen Mann, lebte aber weiterhin bescheiden und spendete bis zu seinem Tod 1968 einen Großteil seines Vermögens für wohltätige Zwecke.

(ID:42375096)