Gekürzte Kreditlinien geben dem Hersteller von »Delphin« und »Piranha« den Rest Leo Computer meldet Insolvenz an

Redakteur: Regina Böckle

Der plötzliche Abgang von Geschäftsführer Torsten Duffner, Details über einen missglückten Deal mit Norma und der Bitten um Zahlungsaufschub bei Vorlieferanten lösten zahlreiche Stimmen aus, Leo stehe »das Wasser bis zum Hals«. Die Kritiker behalten Recht: aufgrund gekürzter Kreditlinien habe man heute Insolvenz anmelden müssen, so Torsten Duffner im Gespräch mit IT-BUSINESS. Den schweren Gang zum Amtsgericht Offenburg trat er selber an.

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»Wir sind nicht in der Lage, die ausstehenden Zahlungen zu begleichen. Aus diesem Grund drohte die Zahlungsunfähigkeit, und deshalb habe ich heute morgen Insolvenzantrag für Leo gestellt«, erklärte Duffner gegenüber IT-BUSINESS. Zuständig ist das Amtsgericht Offenburg.

Kreditversicherer Hermes hatte dem Unternehmen gestern die Kreditlinien gestrichen und somit den letzten Auslöser für den Gang zum Insolvenzgericht gegeben. Probleme gab es aber schon seit einem knappen Jahr – seit die Umsätze mit den Retailern massiv einbrachen. Damit erwirtschaftete der Appenweierer Hersteller rund 70 Prozent seines Umsatzes. »Schon 2007 wurde das Geschäft zäher, 2008 ging dann praktisch gar nichts mehr«, so Duffner. Anfang des Jahres ging bereits eine geplante Aktion unter dem Titel »Dicker Fisch« in die Hose, die zu hohen Abschreibungen auf den Lagerwert führte.

Schwieriges Jahr

Auch der jüngste Deal mit dem Lebensmitteldiscounter Norma floppte. »Wir hatten uns schon auf ein Revermarktungs-Konzept geeinigt, aber ohne die Hermes-Linien war das nicht mehr machbar«, musste Duffner einräumen.

Zur Frage, ob ohne die Entscheidung von Hermes eine Insolvenz vermeidbar gewesen wäre, sagte Duffner, »Das kann ich nicht sagen«. Zur Höhe der Zahlungsausstände wollte er aus rechtlichen Gründen keine Angaben machen. »Das darf jetzt nur noch der Insolvenzverwalter«.

Man habe angesichts der angespannten Lage bereits vor zwei Wochen Mitarbeiter entlassen müssen und Restrukturierungsmaßnahmen ergriffen. »Wir hatten 2005 mit 60 Mitarbeitern den gleichen Umsatz wie 2008 mit 96 Mitarbeitern. Da blieb uns nichts anderes übrig«.

Ex-Chef steht zu seiner Verantwortung

Die Umsätze sind eingebrochen, Hermes hat die Linien gestrichen und damit den Gang zum Amtsgericht unvermeidlich gemacht. Doch Duffner zeigte sich weit davon entfernt, nach Sündenböcken zu suchen: »Ich bin der Geschäftsführer von Leo gewesen und ich habe das zu verantworten, da gibt es gar nichts zu deuteln. Das ist nun mal so, und dazu muss ich stehen«, sagte er gegenüber IT-BUSINESS. Sein geplanter Ausstieg bei Leo habe nichts mit der Insolvenz zu tun.

Auf die Frage, inwiefern ein mögliches Insolvenzverfahren Leo die Chance zu Sanierung und Überleben geben könnte, sagte Duffner: »Ich hoffe ja. Leo ist schon so lange am Markt und hat einen guten Namen. Jetzt kommt es auf den Insolvenzverwalter an«.

Die Schwestergesellschaften, zu denen unter anderem Leitwerk AG und Leitwerk Business Solutions gehören, seien von der Leo-Insolvenz nicht betroffen. »Die Unternehmen agieren völlig eigenständig, und zudem gibt es hier keine Verbindlichkeiten oder Verpflichtungserklärungen«, stellt der Leo-Geschäftsführer und -Mitgründer klar.

Erst Lintec, dann Maxdata, jetzt Leo. Und Siemens will aus dem Joint-Venture mit Fujitsu Computers aussteigen. Geht den PC-Fertigern hierzulande die Luft aus? Wie sehen Sie die Lage? Diskutieren Sie mit im Forum von IT-BUSINESS.

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