Interview zur Zukunft der Chip-Branche AMD-Prokurist Zehethofer: „Es gab immer Gespräche mit Mediamarkt“

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Gerhard Zehethofer, Prokurist und Director OEM Sales bei AMD, verriet IT-BUSINESS, wie der Halbleiterhersteller vom Intel-Urteil der EU-Kommission profitieren will. Außerdem wagt er einen Blick in die Zukunft der Branche.

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ITB: Die EU-Kommission hat Ihren Hauptwettbewerber Intel zu einer Rekordstrafzahlung von über einer Milliarde Euro verdonnert. Was haben Sie als erstes gedacht, als Sie davon gehört oder gelesen haben?

Zehethofer: Ich habe es natürlich gut gefunden, dass die Gerechtigkeit gesiegt hat. Die Entscheidung kann die Industrie und alle Kunden eigentlich nur freuen. Das spiegeln beispielsweise die Statements von einigen Verbraucherschutzverbänden wider, die die Entscheidung ebenfalls begrüßt haben.

ITB: Intel geht nun in Berufung, und die Strafe ist für den Konzern durchaus bezahlbar, aber die Signalwirkung ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Immerhin standen auch verschiedene PC-Hersteller und der Mediamarkt am Pranger, sich auf unlautere Absprachen eingelassen zu haben. Gehen Sie davon aus, dass es nun einfacher für AMD wird?

Zehethofer: Zunächst einmal bleibt das Urteil der EU-Kommission ja bestehen, auch während eines anstehenden Berufungsverfahrens. Mal ganz abgesehen von der Strafzahlung an die EU sind es vor allem die Auflagen und die Signalwirkung, die einem offen Markt zugute kommen. Wo die EU-Kommission festgestellt hat, dass kein fairer Wettbewerb vorlag, finden Anpassungen im Markt statt.

ITB: Ganz konkret: Gab es jetzt Gespräche mit Mediamarkt, der den Großteil des Consumer-Marktes bedient, aber bislang keine AMD-Rechner im Sortiment führt?

Zehethofer: Es gab immer Gespräche mit Mediamarkt, so wie auch gegenwärtig. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

ITB: Intel hat sich von der Common-Building-Block-Initiative verabschiedet, durch die Notebooks nach Desktop-Manier Bauteil-standardisiert hätten werden sollen. War die Idee an sich nicht gut?

Zehethofer: Wir haben uns die Diskussion angeschaut, haben aber sehr schnell gemerkt, dass das Konzept nicht auf große Begeisterung im Markt stößt. Gleich aussehende Notebooks will der Markt schlichtweg nicht, und Standardisierung nur der Standardisierung willen lässt sich nicht erfolgreich umsetzen. Wir bedienen den Notebook-Markt sehr erfolgreich mit unserer Yukon-Plattform, die später durch Tigris im Mainstream-Bereich ergänzt wird, beziehungsweise der Nachfolge-Plattform Congo bei den Ultraportables. Das ist das, was der Markt fordert, und daran orientieren wir uns.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich der Weggang von Jochen Polster bei AMD auswirken wird.

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