Gen Z in der IT Work-Life-Balance und Stabilität im Berufsleben

Von Margrit Lingner 4 min Lesedauer

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Wie wichtig ist die Work-Life-Balance bei jungen Mitarbeitenden der Generation Z tatsächlich? Und gibt es sie wirklich die großen Unterschiede zu älteren Generationen? IT-BUSINESS hat bei Kristina Gerwert, Vorstandsmitglied bei Adesso, nachgefragt.

Kristina Gerwert ist Mitglied des Vorstands bei Adesso und zuständig unter anderem für das Ressort Personal.(Bild:  Adesso)
Kristina Gerwert ist Mitglied des Vorstands bei Adesso und zuständig unter anderem für das Ressort Personal.
(Bild: Adesso)

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit jungen Mitarbeitenden und Bewerbern der Gen Z gemacht?

Gerwert: Zuallererst ist es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass Generationen nie als eine homogene Gruppe zu betrachten sind. Schubladendenken kann schnell grundlos zu Vorurteilen führen. Die Gen Z gehört zu den Generationen, die in einem eher wohlhabenden, liberalen Umfeld aufgewachsen sind. Wir bemerken, dass viele Mitarbeitende aus der Altersgruppe sehr selbstbewusst auftreten und dennoch gerade anfangs noch viel Unterstützung bei der Orientierung im Beruf benötigen. Meiner Beobachtung nach gibt es zwischen den verschiedenen Generationen aber auch viele Gemeinsamkeiten. Die Gen Z legt wie die älteren Jahrgänge Wert auf Stabilität im Berufsleben. Auch bei den Punkten Anerkennung, Förderung und Weiterbildung sowie dem Wunsch nach Transparenz sind sich die Generationen sehr ähnlich. Die Unterschiede liegen hier eher bei der jeweiligen Gewichtung. So hat Flexibilität für die Gen Z mindestens den gleichen Stellenwert wie Stabilität. Zudem spielen Themen wie Homeoffice, Arbeiten aus dem Ausland oder flexible Arbeitszeitmodelle bei Einsteigerinnen und Einsteigern sowie Young Professionals oft eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers. Wahr ist aber auch, dass die älteren Generationen mittlerweile ebenso deutlich auf ihre Work-Life-Balance achten.

Inwiefern unterscheiden sich deren Ansprüche von denen früherer Generationen?

Gerwert: Junge Arbeitnehmende fordern, dass Unternehmen und ihre Mitarbeitenden mit der Zeit gehen und die gesellschaftlichen Entwicklungen abbilden. So sind Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung oder auch nachhaltiges Wirtschaften Standards, die Unternehmen aus Sicht der Gen Z erfüllen müssen. Darüber hinaus haben sie hohe Ansprüche an den jeweiligen Job selbst. Er soll einen Sinn stiften, Spaß machen und ausreichend Freiraum für Eigeninitiative geben. Auf der anderen Seite möchte die Gen Z aber auch genug Freizeit zur Selbstverwirklichung haben. Zugute kommt ihnen dabei der aktuelle Arbeitsmarkt. Fachkräfte, aber auch Berufseinsteigerinnen und –einsteiger sind je nach Branche ein umkämpftes Gut. Während jüngere Generationen schnell den Arbeitgeber wechseln, wenn sie individuelle Bedürfnisse nicht erfüllt sehen, sind ältere Mitarbeitende oft eher bereit, auch Kompromisse einzugehen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Auffällig ist, dass viele junge Beschäftigte beispielsweise nicht mehr bereit sind, für einen Jobwechsel umzuziehen. Dies war früher eher die Regel.

Falls es Unterschiede gibt: Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Gerwert: Die Gen Z ist in einem Zeitraum aufgewachsen, der ein vergleichsweise sicheres Umfeld und einen hohen Lebensstandard bot. Beides möchten die jungen Mitarbeitenden natürlich auch in Zukunft erhalten. Dieser Wunsch verbunden mit einem Arbeitsmarkt, der sich zunehmend zugunsten der Arbeitnehmenden entwickelt, erklärt dann auch die hohen Erwartungen beim Gehalt und zusätzlichen Benefits. Dazu kommt ein Wandel bei der Erziehung. Methoden, die allein auf Belohnungen für Erfolge aufbauen, bieten dem Nachwuchs strukturell weniger Möglichkeiten, durch Fehler zu lernen und dadurch Resilienz aufzubauen. Viele heutige Berufseinsteigerinnen und -einsteiger sind sich oft nicht bewusst, was sie vielleicht noch nicht können.

Auf der anderen Seite bringt die Gen Z als Digital Natives aber auch wichtige Fertigkeiten für ein Unternehmen mit, die ältere Generationen teils mühsam erlernen müssen. Und das ausgeprägte Selbstbewusstsein sowie der Wunsch sich im Wettbewerb mit anderen zu messen, verstärkt ihre Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen.

Was müssen Arbeitgeber tun, um junge Arbeitnehmer zu rekrutieren und zu halten?

Gerwert: In erster Linie muss ein Unternehmen versuchen, die unternehmerischen Interessen und die des potenziellen Angestellten in Einklang zu bringen. Sowohl bei Gehalt als auch bei den Arbeitsbedingungen gilt es einen Mittelweg zu finden. Wichtig ist dabei, bei den Gehältern ein gewisses Maß an Transparenz herzustellen. Nach welchen Parametern richten sich diese? Wie sehen Laufbahnbänder aus? Was ist ein faires Gehalt?

Des Weiteren können Unternehmen ein Umfeld schaffen, in dem sich die jungen Mitarbeitenden wohl fühlen und ihre Stärken einbringen können. Unternehmen sollten dafür eine positive Willkommenskultur schaffen. Wichtig ist in dem Zusammenhang ein kooperativer, demokratischer Führungsstil, der die Mitarbeitenden in Entscheidungen einbindet und sie mitgestalten lässt. Gut ausgebildete Führungskräfte können junge Mitarbeitende klar anleiten, sie fördern und Orientierung bieten. Sie müssen ihnen aber auch Vertrauen sowie Wertschätzung entgegenbringen und jederzeit signalisieren, dass die jeweilige Person wichtig für das Unternehmen ist. Viele aus der Gen Z fühlen sich konkreten Themen wie Nachhaltigkeit, Inklusion oder Digitalisierung stark verpflichtet. Sofern diese mit den Zielen des Unternehmens im Einklang sind, ergeben sich Chancen. Indem die Verantwortung für diese Themen an die jungen Mitarbeitenden übertragen wird, lassen sich diese stärker ans Unternehmen binden.

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