Neue Rahmenbedingungen für Datenspeicherung und -verarbeitung Wie sich die KI-Regulierung auf Unternehmen auswirkt

Ein Gastbeitrag von Christoph Ertl* 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Es ist schon schwierig genug, mit der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) Schritt zu halten. Unternehmenslenker müssen jetzt aber auch einschätzen können, welche Einschränkungen die bevorstehenden EU-Rechtsvorschriften und andere in welchem Umfang mit sich bringen, wenn sie diese potenziell bahnbrechenden Instrumente einsetzen.

Neue Rechtsvorschriften sollen den KI-Einsatz in Unternehmen regeln, was sich nicht zuletzt aufs Datenmanagement auswirkt.(Bild:  ©AndreyPopov, Getty Images via Canva.com)
Neue Rechtsvorschriften sollen den KI-Einsatz in Unternehmen regeln, was sich nicht zuletzt aufs Datenmanagement auswirkt.
(Bild: ©AndreyPopov, Getty Images via Canva.com)

Neue Regelungen, insbesondere im Rahmen des EU AI Act, der bis 2026 ratifiziert werden muss, sind für Unternehmen in Deutschland von entscheidender Bedeutung. Rechts- und Sicherheitsabteilungen müssen sicherstellen, dass ihre Organisationen diese Richtlinien einhalten, und Unternehmensleitungen sind angehalten, sich mit diesen neuen Rahmenbedingungen und ihrer Bedeutung für die Verarbeitung und Speicherung ihrer Daten auseinandersetzen.

Welche Auswirkungen haben die Vorschläge – sowohl für die KI-Branche als auch für innovative Unternehmen, die diese Instrumente evaluieren? Die U.S. Executive Order vom Oktober 2023, die U.K. Bletchley Declaration und der EU AI Act unterscheiden sich jeweils, aber im Wesentlichen versuchen alle drei, die mit dieser sich entwickelnden Technologie und ihren Fähigkeiten verbundenen Risiken zu adressieren. Ausgehend von den Gemeinsamkeiten, lassen sich die Entwürfe in vier Hauptkategorien einteilen:

  • Potenzielle Risiken: In allen drei Deklarationen werden Bias, das heißt Verzerrungen im Ergebnis (Output), neue Sicherheitslücken und unbeabsichtigte Folgen als Herausforderungen genannt, die eine Überwachung durch die Unternehmen erforderlich machen. Alle drei Ansätze stellen die Risikominimierung in den Vordergrund, verfolgen aber unterschiedliche Wege zu diesem Ziel.
  • Koordination: Alle drei Vorschläge verweisen auf die Notwendigkeit einer Koordination zwischen Regierungen und dem Privatsektor. Allerdings fehlt eine genauere Bestimmung der Unternehmen, die diese Diskussion mitgestalten sollen.
  • Sichere Innovation: Alle Rahmenwerke beanspruchen für sich, ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Ethik herzustellen und gleichzeitig Innovation zu fördern. Es ist jedoch unklar, ob diese Behauptungen zutreffen. Die US Executive Order weist auf die Gefahr der Bevorzugung von Technologiegiganten hin. Alle drei Regelwerke vermeiden es generell, der Entwicklung von KI enge Grenzen zu setzen.
  • Transparenz: Während die Deklarationen in der Regel auf hochriskante Anwendungen abzielen, akzeptieren alle drei, dass auch KI-Systeme mit geringerem Risiko Transparenz verdienen.

Was die vorgeschlagenen Regulierungsrahmen betrifft, so spiegeln sie das wider, was wir in der Vergangenheit von den drei Institutionen gesehen haben, sei es in Bezug auf die Schwerpunktsetzung, den Anwendungsbereich, die Kontrollen oder die zentrale Regulierung:

  • Regulatorischer Schwerpunkt: Die Executive Order der US-Regierung konzentriert sich auf die Sicherheit, während der EU AI Act die Rechte der Bürger in den Vordergrund stellt. Die Motivation der Bletchley-Park-Deklaration ist schwieriger zu erkennen.
  • Umfang der Vorschriften: Der vorgeschlagene EU AI Act sieht die detailliertesten Durchführungsbestimmungen für alle Mitgliedsstaaten vor, während die anderen Rahmenwerke in diesem Stadium breiter gefasste Grundsätze bevorzugen.
  • Kontrollen und Beschränkungen: Das EU-KI-Gesetz könnte versuchen, bestimmte Anwendungen vollständig zu verbieten. Die anderen Dokumente scheinen eher einem risikobasierten Ansatz zu folgen.
  • Zentralisierte Regulierung: Sowohl die britische Deklaration als auch das EU-KI-Gesetz sprechen sich für die Schaffung zentraler Regulierungsbehörden aus, anders als die U.S.-Executive Order.

Diese Rahmenbedingungen werden sich zweifellos ändern, aber die grobe Richtung, wie KI-Governance auf globaler Ebene funktionieren könnte, zeichnet sich ab.

Welche Bereiche müssen noch angesprochen werden? Internationale Standards oder ein Zertifizierungsverfahren wären wünschenswert. Neue KI-Instrumente und ihre Grundmodelle sollten fundamentalen und vertrauenswürdigen internationalen Standards entsprechen, wie zum Beispiel dem neuen Zertifizierungsprogramm des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) Standard Association, das auf der Ethik autonomer Systeme basiert.

Praktikable Standards sind für Unternehmen bei der Einführung neuer Technologien und Systeme unerlässlich. Die Eindämmung der mit dem Einsatz von KI verbundenen Risiken würde den Unternehmen die Gewissheit geben, dass die neuen Instrumente vertrauenswürdig, sicher und unternehmenstauglich sind.

Breit angelegte regionale Standards allein können diese Aufgabe jedoch nicht bewältigen. Die KI-Branche braucht auch Leitplanken, und es bleibt zu hoffen, dass wir eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Regierungen sehen werden, insbesondere wenn jedes neue Rahmenwerk in allgemeine gemeinsame Regeln zur Förderung einer vertrauenswürdigen KI-Entwicklung umgesetzt wird. Wir müssen auch sicherstellen, dass diese Kontrollen nicht zu einem Nachteil für Länder und aufstrebende lokale KI-Branchen und -Unternehmen werden, die sich an die Regeln halten – im Gegensatz zu denen, die dies nicht tun.

Eine weitere Gefahr für Unternehmen besteht in der Regulierung, wenn wir keine gleichen Wettbewerbsbedingungen für die Entwicklung der KI schaffen. Das Setzen von Grenzen könnte unbeabsichtigt zu KI-Monopolen führen, da die kumulative Wirkung von Gesetzen und Richtlinien kleinere Anbieter übermäßig einschränken könnte. Bei einer Überregulierung könnten nur größere Anbieter realistisch darauf hoffen, die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen.

Auch wenn Unternehmen in der Regel etablierte Anbieter bevorzugen, könnten geeignete Leitplanken und gemeinsame Standards auch kleineren Anbietern mit innovativen neuen Produkten echte Chancen eröffnen. Im Bereich der KI ist es von grundlegender Bedeutung, dass sowohl Bürger als auch Unternehmen und Interessengruppen Vertrauen in maschinell generierte Ergebnisse haben. Ein pragmatischer Regulierungsrahmen – der weder dominierend noch verpflichtend ist – wird dazu beitragen, dieses Vertrauen aufzubauen.

Wir brauchen ein Umfeld, das Innovation, Vertrauen und Wettbewerb gewährleistet, um eine breite Palette von KI-Instrumenten für die Wirtschaft zu entwickeln. Die Herausforderung besteht darin, das richtige Gleichgewicht zwischen Aufsicht und Sicherheit für Anbieter, Interessenträger und Bürger zu finden, ohne die Freiheit der Innovatoren einzuschränken.

Die KI-Regulierungsbehörden werden viel zu tun haben; die Bedürfnisse der Unternehmen werden für die Regierungen zweitrangig sein, die ihrerseits sicherstellen müssen, dass diese Technologie das Vertrauen der Menschen gewinnt und mit demokratischen Werten vereinbar ist, wenn KI-Dienste in unserem Leben allgegenwärtig werden. Für die Verantwortlichen in den Unternehmen kommt es ihrerseits darauf an, einen besseren Überblick über ihre schnell wachsenden Datenbestände zu gewinnen. Denn so können sie deren Wert erschließen und die Einhaltung von Vorschriften vereinfachen. Dies bedeutet, dass Unternehmen Datensilos und unstrukturierte Daten in ihrer gesamten Organisation konsolidieren und ihre Anforderungen an die Speicher-, Verarbeitungs- und Zugriffsinfrastruktur neu bewerten müssen, um ein einziges, einheitliches Daten-Repository zu schaffen. Effektive KI-Strategien erfordern effektive Datenmanagement-Strategien.

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Trotz dieser Herausforderungen ist jedoch davon auszugehen, dass die entstehenden Rahmenbedingungen Innovation unterstützen, den Wettbewerb fördern und Standards validieren, um dazu beizutragen, dass potenziell bahnbrechende KI-Instrumente von vielen Unternehmen übernommen werden.

* Der Autor: Christoph Ertl, Solutions Architect bei Nasuni

(ID:50045648)