Demokratie unter Druck Wenn KI Angst macht, wackelt das Vertrauen

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Nicht der reale Einsatz von KI entscheidet über das Vertrauen in demokratische Institutionen, sondern die Art, wie über sie gesprochen wird. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt, wie Erwartungen über KI den politischen Kompass beeinflussen.

Wahrnehmung zählt: Erwartungen an KI prägen Vertrauen in Demokratie stärker als ihr realer Einsatz.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Wahrnehmung zählt: Erwartungen an KI prägen Vertrauen in Demokratie stärker als ihr realer Einsatz.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Künstliche Intelligenz (KI) gilt vielen als Produktivitätsmotor, anderen als Jobvernichter. Welche dieser Vorstellungen dominiert, hat laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München weitreichende Folgen: Menschen, die KI vor allem als Bedrohung für Arbeitsplätze wahrnehmen, vertrauen demokratischen Institutionen deutlich weniger.

Bemerkenswert ist dabei, dass dieser Effekt unabhängig davon auftritt, wie stark KI den Arbeitsmarkt tatsächlich verändert hat. Entscheidend ist nicht die empirische Lage, sondern das subjektive Zukunftsbild. Erwartungen werden so selbst zu einem politischen Faktor.

Jobkiller im Kopf

Grundlage der Analyse sind Umfragedaten aus 38 europäischen Ländern mit mehr als 37.000 Befragten. In nahezu allen Ländern überwog die Annahme, KI zerstöre mehr Arbeitsplätze, als sie neue schaffe. Diese Wahrnehmung hält sich auch dort, wo die realen Auswirkungen bislang begrenzt sind.

Um den Zusammenhang kausal zu überprüfen, führten die Forscher zusätzlich zwei Experimente in Großbritannien und den USA durch. Teilnehmer wurden dabei mit unterschiedlichen Zukunftsszenarien konfrontiert: einmal KI als arbeitsplatzvernichtende Technologie, einmal als Beschäftigungstreiber.

Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang: Je stärker KI als Bedrohung für die eigene wirtschaftliche Zukunft wahrgenommen werde, desto geringer falle das Vertrauen in Parlamente, Regierungen und demokratische Verfahren aus.

Wahrnehmung schlägt Realität

Bemerkenswert ist, dass nicht reale Arbeitsplatzverluste ausschlaggebend sind, sondern Erwartungen. Die Studie legt nahe, dass technologische Debatten indirekt auf die Stabilität demokratischer Systeme wirken. Wenn KI primär als Kontrollverlust oder ökonomische Bedrohung kommuniziert wird, kann dies politische Resignation fördern. Das gilt selbst dann, wenn reale Arbeitsmarkteffekte moderat bleiben.

Damit rückt die öffentliche Kommunikation über KI in den Fokus. Alarmistische Headlines entfalten demnach eine politische Nebenwirkung, die über Technologiepolitik hinausgehe. Die Autoren sprechen von einer Erwartungsdynamik, die demokratische Einstellungen langfristig untergraben kann.

Und während die Politik weiter über Regulierung, Ethik und Leitplanken spricht, fragen Menschen eher nach Orientierung: Bin ich Teil der Zukunft oder ihr Kollateralschaden?

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