Definition Was sind Kritische Infrastrukturen (KRITIS)?

Aktualisiert am 26.04.2023 Von Ira Zahorsky 3 min Lesedauer

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Die heutige Gesellschaft ist mehr als jemals zuvor von technischen Systemen abhängig. Alle diese benötigen wiederum Basisdienste, um ordnungsgemäß zu funktionieren. Diese wichtigen Basisdienste werden als Kritische Infrastrukturen (KRITIS) bezeichnet.

Der Schutz dieser kritischen Infrastrukturen stellt eine zentrale Herausforderung für staatliche Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz dar.(Bild:  TensorSpark - stock.adobe.com / KI-generiert)
Der Schutz dieser kritischen Infrastrukturen stellt eine zentrale Herausforderung für staatliche Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz dar.
(Bild: TensorSpark - stock.adobe.com / KI-generiert)

Als Kritische Infrastrukturen, abgekürzt: KRITIS, werden Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen bezeichnet, deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.

Das Bundesministerium des Inneren gliedert diese in neun Sektoren:

  • 1. Energie: Elektrizität, Gas, Mineralöl
  • 2. Wasser: Öffentliche Wasserversorgung, Öffentliche Abwasserbeseitigung
  • 3. Ernährung: Ernährungswirtschaft, Lebensmittelhandel
  • 5. Gesundheit: Medizinische Versorgung, Arzneimittel und Impfstoffe, Labore
  • 6. Finanz- und Versicherungswesen: Banken, Börsen, Versicherungen, Finanzdienstleister
  • 7. Transport und Verkehr: Luftfahrt, Seeschifffahrt, Binnenschifffahrt, Schienenverkehr, Straßenverkehr, Logistik
  • 8. Staat und Verwaltung: Regierung und Verwaltung, Parlament, Justizeinrichtungen, Notfall-/ Rettungswesen einschließlich Katastrophenschutz
  • 9. Medien und Kultur: Rundfunk, gedruckte und elektronische Presse, Kulturgut, symbolträchtige Bauwerke

Die Betreiber dieser Kritischen Infrastrukturen, egal ob privatwirtschaftlich oder öffentlich-rechtlich organisiert, erbringen die kritischen, für die Versorgung der Bevölkerung zwingend notwendigen Dienstleistungen in hoher Qualität und Stabilität. Die ausgeprägte Widerstandsfähigkeit dieser kritischen Dienstleistungen gegen vielfältige Bedrohungen ist der Beweis für das Verantwortungsbewusstsein der KRITIS-Betreiber und bildet eine wesentliche Grundlage für das Funktionieren der Gesellschaft.

KRITIS in der IT

Da in allen neun Sektoren immer mehr IT genutzt wird, hat die Bundesregierung das seit Juli 2015 gültige Gesetz zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme (IT-Sicherheitsgesetz) ins Leben gerufen.

Mehrere Studien diverser IT-Security-Anbieter sowie der aktuelle Bericht des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland zeigen, dass die IT-Systeme aufgrund einer weiterhin hohen Anzahl von Schwachstellen und Verwundbarkeiten einem hohen Gefährdungspotential ausgesetzt sind. Sowohl die Zahl an schwerwiegenden Sicherheitslücken als auch die Anzahl der zielgerichteten Angriffe auf Behörden und Unternehmen nehmen stetig zu.

Durch Abhängigkeiten zwischen einzelnen KRITIS-Sektoren oder -Branchen wird das Risiko von Ausfällen und damit auch die Folgen für Staat und Gesellschaft noch verstärkt. Ausfälle in einem Sektor können zu Ausfällen in anderen Sektoren führen und auf diese Weise einen Dominoeffekt auslösen. So können beispielsweise Verfügbarkeiten von Transport-, Lager- oder Umschlagskapazitäten sich auf Logistikketten und somit auf die Verfügbarkeit von Waren oder Zulieferteilen in Handel und Industrie auswirken.

Koordinierungsstab der Bundesregierung zum Schutz kritischer Infrastrukturen

Am 21. Oktober 2022 hat der Koordinierungsstab der Bundesregierung zum Schutz kritischer Infrastrukturen seine Arbeit aufgenommen. Der Ukrainekrieg sowie Sabotageakte auf Pipelines und die Bahn-Infrastruktur machen den Schutz der KRITIS zur höchsten Priorität der Bundesregierung. Der Koordinierungsstab verzahnt alle Bundesressorts miteinander und steht unter Leitung des Bundesinnenministeriums, auf Ebene der Staatssekretärinnen und Staatssekretäre. Seine Aufgaben sind unter anderem:

  • Auf politischer Ebene die aktuellsten Lagebilder zum Schutz kritischer Infrastrukturen zur Verfügung stellen. Damit haben alle Ressorts einen ressortübergreifenden Überblick über die aktuelle Gefährdungslage.
  • Einen strukturierten Austausch der Ressorts ermöglichen, um gemeinsame Herausforderung zu identifizieren und zusammen an deren Bewältigung zu arbeiten.
  • Als Ad-hoc-Gruppe bei relevanten Vorfällen schnellstmöglich unmittelbar zusammenkommen können. Mit der bestehenden Notfall-Infrastruktur des BMI-Lagezentrums wird eine 24/7-Erreichbarkeit von entscheidungsbefugten Vertreterinnen und Vertretern aller relevanten Ressorts gewährleistet

KRITIS-Dachgesetz

Das KRITIS-Dachgesetz soll die bestehenden Regelungen zum Cyberschutz von Kritischen Infrastrukturen ergänzen und zu einem kohärenten und resilienten System bei, so eine Pressemitteilung des Bundestags. Mit dem Dachgesetz solle auch die Zusammenarbeit der am Schutz Kritischer Infrastrukturen beteiligten Akteure auf staatlicher Seite und bei den Betreibern verbessert und klarer strukturiert werden.

Neben Sabotageakten werden auch Naturkatastrophen, Terrorismus, menschliches Versagen und andere mögliche Ereignisse als Gefahrenquellen aufgenommen. Zusätzlich zur IT-Infrastruktur steht damit auch erstmals der physische Schutz im Fokus. Bislang enthalten die vorgelegten Eckpunkte kaum konkrete Details zur praktischen Umsetzung. Bundesinnenministerin Nancy Faeser verkündete im Januar 2023, noch vor der Sommerpause 2023 einen Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen zu wollen.

Genaue Informationen zu KRITIS und die aktuellen Regelungen hierzu finden Interessierte auf der Website des BSI.

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