Führung Warum Unternehmen keinen teuren Berater brauchen, um zu sparen

Ein Gastbeitrag von Lukas Leist

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In Krisen- und Marktumbruchsituationen müssen Unternehmen meist ihre Fixkosten senken. Das Wissen und die Ideen der eigenen Mitarbeiter können dabei hilfreicher sein als jeder Berater.

Mitarbeiter kennen die Prozesse im Unternehmen am besten. Entsprechend haben sie auch häufig gute Ideen, wie und wo sich Geld einsparen lässt.(Bild:  © SB - stock.adobe.com)
Mitarbeiter kennen die Prozesse im Unternehmen am besten. Entsprechend haben sie auch häufig gute Ideen, wie und wo sich Geld einsparen lässt.
(Bild: © SB - stock.adobe.com)

In Krisenzeiten, wenn die Umsätze und Erträge stark sinken oder schwanken, steht auf der Prioritätenliste vieler Unternehmen ein Thema ganz oben: sparen. Auch, weil die Kosten zu den wenigen Faktoren zählen, die Unternehmen relativ kurzfristig aktiv beeinflussen können. Hinzu kommt: In guten Zeiten setzen Unternehmen – wie Menschen – oft Speck an. Deshalb wirken Kostensenkungsprogramme nicht selten wie eine Fitnesskur, auch weil hierdurch Kapital für (Zukunfts-)Investitionen „frei geschaufelt“ wird.

Die Einsparpotenziale identifizieren

Um die vorhandenen Einsparpotenziale zu ermitteln, können Unternehmen teure Berater ins Haus holen. Das Problem hierbei ist jedoch gerade in Krisen- und Marktumbruchzeiten, wenn die Nerven ohnehin angespannt sind: Sobald die Damen und Herren mit Anzug und Aktenkoffer über die Flure des Unternehmens laufen, tönt es im Flurfunk „mit Sicherheit gibt es bald Entlassungen“, „vermutlich wird der Bereich x dicht gemacht“.

Die bereits vorhandene Verunsicherung der Belegschaft wächst also weiter. Deshalb handeln vorausschauende Unternehmen, wenn es ums Thema Sparen geht, oft anders: Sie nutzen die Kreativität ihrer Mitarbeiter und erzielen mit Hilfe eines professionellen Ideenmanagements sowie regelmäßiger Sparkampagnen die nötigen Einsparungen.

Wie groß das Einsparpotenzial in vielen mittelständischen Unternehmen ist, zeigt ein Online-Rechner, den das Softwareunternehmen Innolytics AG auf Basis von Studien und Unternehmensdaten entwickelt und ins Netz gestellt hat:

  • Ein Unternehmen mit 250 Beschäftigten spart ihm zufolge alleine durch das Einführen eines professionellen Ideenmanagements jährlich im Schnitt 45.000 Euro.
  • Führt es zudem zwei Ideen- beziehungsweise Sparkampagnen im Jahr durch, sind es bereits 240.000 Euro. Und:
  • Mit fokussierten Fragestellungen und einem Management, das die Kreativität der Beschäftigten fördert, beträgt das Sparvolumen nicht selten eine halbe Million Euro pro Jahr.

Das Erfolgsgeheimnis hierbei ist laut Dr. Jens-Uwe Meyer eine „Aktivierung der Mitarbeiter durch fokussierte Ideenmanagement-Kampagnen“. Der CEO der Innolytics AG ist überzeugt: Bei der Suche nach Einsparpotentialen sind die Mitarbeiter und Teams auf der operativen Ebene Beratern von außen und dem Management überlegen. Denn: Sie kennen die Arbeitsabläufe im Detail und „nicht selten muss man einen Vorgang erst 100 Mal durchgeführt haben, bevor man die Idee für eine effizientere und kostengünstigere Lösung hat“.

Diese Aussage deckt sich nur teilweise mit der Erfahrung der Lean-Management-Beraterin und Strategieumsetzungsexpertin Dr. Daniela Kudernatsch. Sie betont, nur wenige Manager seien zwar mit den Arbeitsabläufen so vertraut wie die Mitarbeiter, die bestimmte Tätigkeiten Tag für Tag verrichten. Derade deshalb seien Letztere zuweilen aber betriebsblind – „insbesondere, wenn sie zum Beispiel nicht wissen, wohin sich ihr Unternehmen oder der Prozess entwickeln soll“. Diese gelte es zu beachten, wenn man das Gold in den Köpfen der Mitarbeiter heben wolle.

Innolytics hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100 Ideenkampagnen in Unternehmen organisatorisch begleitet. Dabei kristallisierten sich folgende Erfolgsfaktoren heraus.

Erfolgsfaktor 1: Auf den Punkt kommen

In vielen Unternehmen wird Ideenmanagement laut Meyer als „eine Art Vorschlagswesen für alles Mögliche missbraucht“. Deshalb werden viele „Schöner-Wohnen-Ideen“ ohne wirtschaftlichen Wert eingereicht. Für die Unternehmenskultur sind diese zwar förderlich, doch die Einspareffekte bleiben aus.

„Bei den wirklich erfolgreichen Ideenmanagement-Kampagnen wird das Thema Sparen direkt in den Mittelpunkt gestellt“, sagt der Ideenmanagement-Experte. Zum Beispiel, indem sie eine Überschrift wie „Doppelarbeiten vermeiden“ oder „Ausschuss minimieren“ tragen. Zudem werden mit themenbezogenen Erfolgsbeispielen die Köpfe der Mitarbeiter angeregt. Mit solchen fokussierten Ideenmanagement-Kampagnen können Unternehmen die Zahl der Ideen und deren Qualität – also den Wert der Mitarbeiterideen – steigern.

Erfolgsfaktor 2: Mitarbeiter an Einsparungen beteiligen

Unternehmen, die mit ihrem Ideenmanagement überdurchschnittlich hohe Erfolge erzielen, sind großzügig gegenüber den Ideengebern: Sie schütten zehn bis zwanzig Prozent der Einsparungen im ersten Jahr an ihre Beschäftigten aus. Das ist für beide Seiten ein gutes Geschäft. Angenommen eine Idee bewirkt 50.000 Euro Einsparungen pro Jahr. Dann erhalten die Beschäftigten einmal 5.000 oder 10.000 Euro als Bonus und das Unternehmen profitiert langfristig von den Einsparungen, denn diese Kosten entfallen fortan Jahr für Jahr.

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In vielen Unternehmen besteht diesbezüglich jedoch eine „Geizkragenmentalität“, kritisiert Meyer. Ihrem Top-Führungspersonal bezahlen sie für das Erreichen gewisser Ziele selbstverständlich Boni, bezogen auf die Mitarbeiter auf der „wertschöpfenden Ebene“ besteht aber oft die Einstellung: Die kontinuierliche Verbesserung ist ein Teil ihres Alltagsjobs.

Diese Diskrepanz nehmen die Mitarbeiter wahr. Deshalb engagieren sich nicht so sehr für das Sparen, wie sie es könnten; auch weil sie sich wie der Organisationsberater Klaus Doll betont, nicht selten fragen: „Welchen Nutzen habe ich davon, wenn ich…“. Oft lautet ihre Antwort: „Keinen, außer dass meine Arbeit weiter rationalisiert wird und für mich und meine Kollegen eine Oase zum Verschnaufen entfällt.“ Profitieren hingegen auch die Beschäftigten von den Einsparungen ändert sich dies.

Erfolgsfaktor 3: Regelmäßig neue Kampagnen starten

Doch auch für ein erfolgreiches Ideenmanagement gilt: Einmal ist kein Mal. An der ersten Kampagne beteiligen sich in der Regel nur die Mitarbeiter, die auch zuvor schon Verbesserungsvorschläge machten. Der einzige Unterschied: Ihre Vorschläge sind durchdachter und reifer. Sobald jedoch die ersten Mitarbeiter Prämien erhielten, spricht sich dies herum. „Und plötzlich kommen Vorschläge, wie man Aufgaben besser und effizienter erledigen kann, sogar von Mitarbeitern, von denen dies deren Vorgesetzte nie erwartet hätten“, berichtet Meyer.

Beschäftigte sind die besten Unternehmensberater.

Dr. Jens-Uwe Meyer , CEO Innolytics AG

Der Innovationsberater ist überzeugt: „Beschäftigte sind die besten Unternehmensberater – zumindest, wenn es um das Optimieren des Alltagsgeschäfts geht.“ Anders sieht es aus, wenn ein Unternehmen zum Beispiel sich ganz neu aufstellen muss, weil sein Markt zusammenbrach, oder einen echten „Quantensprung“ erzielen möchte. Dann ist meist externe Unterstützung nötig, betont Dr. Daniela Kudernatsch. Doch auch dann sollte man ausgewählte Mitarbeiter in den Prozess integrieren – „unter anderem, weil sie die neuen Strukturen oder Abläufe im Betriebsalltag mit Leben füllen müssen“.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Maschinenmarkt.

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