Handelsstreit eskaliert USA und China verhängen gegenseitig massive Exportstopps

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Neue Einschränkungen der US-Regierung gegen 140 chinesische Unternehmen lassen den Konflikt mit China über die technologische Vorherrschaft in der Chip-Industrie eskalieren. China reagiert prompt mit einem Exportstopp für Halbleitermetalle.

USA und China ringen um KI-Technologieführerschaft.(Bild:  KI-generiert)
USA und China ringen um KI-Technologieführerschaft.
(Bild: KI-generiert)

Ziel der amerikanischen Maßnahmen ist es, Chinas Fortschritte in strategischen Bereichen wie künstliche Intelligenz (KI) und militärische Anwendungen zu verlangsamen. Betroffen sind rund 140 chinesische Technologieunternehmen, darunter große Namen wie die Naura Technology Group, Piotech und SiCarrier Technology.

Als unmittelbare Reaktion hat China nur einen Tag später den Export von kritischen Rohstoffen wie Gallium, Germanium und Antimon in die USA verboten. Diese Materialien sind essenziell für die Halbleiterfertigung sowie militärische und andere Hightech-Anwendungen. Das Verbot könnte die globalen Lieferketten erheblich belasten und zeigt die strategischen Konsequenzen der zunehmenden Handelsspannungen zwischen den beiden Wirtschaftsmächten.

Breite Restriktionen treffen Chinas Hightech-Industrie

Die neuen Regelungen der Biden-Regierung betreffen vor allem den Export von hochentwickelten Speicherchips und Chip-Herstellungswerkzeugen. Diese Technologien sind essenziell für die Produktion fortschrittlicher Halbleiter, die in Anwendungen wie selbstfahrenden Autos, Spracherkennungssystemen und Überwachungstechnologien sowie in militärischer Ausrüstung wie Zielsteuerungssystemen und Radar eingesetzt werden. Zu den zentralen Maßnahmen zählt die Aufnahme von 23 chinesischen Unternehmen, die mit dem Technologiekonzern Huawei in Verbindung stehen, auf die sogenannte Entity List. Unternehmen auf dieser Liste ist es weitgehend untersagt, US-Technologie zu erwerben, was ihre Geschäftstätigkeit erheblich einschränkt.

Außerdem sollen Lieferungen von Equipment begrenzt werden, das zur Herstellung modernster Chips notwendig ist. Unternehmen wie ASML, niederländischer Hersteller von Lithografieanlagen, wurden bereits durch frühere US-Maßnahmen daran gehindert, fortschrittliche Maschinen nach China zu exportieren. Nun wird der Druck auf internationale Partner der USA weiter erhöht, ähnliche Beschränkungen einzuführen oder zu verschärfen.

China kritisiert, gibt sich aber unbeeindruckt

China reagierte scharf auf die neuen US-Maßnahmen und bezeichnete sie als "wirtschaftliche Nötigung" und einen Versuch, Chinas technologische Entwicklung gezielt zu behindern. Peking betonte, dass die USA damit internationale Handelsnormen verletzten und unverhältnismäßigen Druck ausübten. Der daraufhin beschlossene Exportstopp für Gallium, Germanium und Antimon trifft vor allem Branchen, die auf die Verarbeitung dieser Materialien angewiesen sind. Analysten warnen, dass ein solcher Schritt die globalen Lieferketten empfindlich stören könnte.

Gleichzeitig bemühen sich chinesische Unternehmen, ihre Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu reduzieren. Hersteller wie Jiangsu Nata Opto-Electronic Material und Empyrean erklärten, dass sie über ausreichende Lagerbestände verfügen und auf inländische Alternativen in der Lieferkette setzen. Diese Anpassungen könnten jedoch mittelfristig nicht ausreichen, um die technologischen Lücken zu schließen, die durch die neuen Restriktionen entstehen. Die betroffenen chinesischen Chipunternehmen melden Zuversicht, schneller auf heimische Lieferketten umstellen zu können.

Geopolitische Auswirkungen: Nicht alle US-Partner machen mit

Die USA versuchen, internationale Verbündete wie Japan, Südkorea, die Niederlande und Taiwan in ihre Maßnahmen einzubinden. Diese Länder spielen eine Schlüsselrolle in der globalen Halbleiter-Lieferkette und könnten durch strengere Exportkontrollen den Druck auf China erhöhen. Allerdings gibt es in einigen Fällen Ausnahmen. So haben beispielsweise Japan und die Niederlande signalisiert, dass sie nicht alle US-Maßnahmen in vollem Umfang umsetzen werden. Andere Länder wie Südkorea und Taiwan unterliegen dagegen spezifischen Vorschriften, die ihre Handelsbeziehungen mit China beeinflussen.

Die verschärften US-Maßnahmen verdeutlichen die strategische Bedeutung der Halbleiterindustrie im globalen Machtgefüge. Halbleiter gelten als "das neue Öl" der modernen Wirtschaft, da sie Grundlage für nahezu alle digitalen Technologien sind.

Ausblick: neue Allianzen, fragmentierte Technologielandschaft

Die langfristigen Auswirkungen der neuen US-Exportkontrollen bleiben unklar. Mögliche Szenarien reichen von einer verstärkten Abkoppelung der Lieferketten, was die Technologielandschaft fragmentieren könnte, bis hin zu einem Innovationswettlauf, der neue Allianzen hervorbringt. Während Analysten darauf hinweisen, dass einige chinesische Unternehmen in der Lage sein könnten, kurzfristige Engpässe durch Lagerbestände und lokale Lösungen zu überbrücken, könnte der anhaltende Druck die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Halbleiterindustrie erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig könnten sich neue Allianzen in der globalen Technologielandschaft bilden, da Länder und Unternehmen versuchen, ihre Abhängigkeit von den USA und China gleichermaßen zu reduzieren. (mc)

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Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS.

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