Ambivalentes Vertrauen in die Maschine Studie: Robotik wird immer beliebter, doch die Deutschen bleiben skeptisch

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Roboterarme greifen nach mehr Jobs und mehr Verantwortung: Einer globalen Umfrage zufolge verlassen sich immer mehr Führungskräfte auf Maschinen, wenn es um wichtige Aufgaben am Arbeitsplatz geht.

Neue QNX-Studie: Vertrauen in Roboter wächst international, aber in Deutschland bleibt Skepsis.(Bild:  KI-generiert)
Neue QNX-Studie: Vertrauen in Roboter wächst international, aber in Deutschland bleibt Skepsis.
(Bild: KI-generiert)

Mehr als drei Viertel (77 %) der in einer weltweiten Studie von QNX befragten Entscheider geben an, Robotik „zentrale Aufgaben in ihrer Branche“ anzuvertrauen oder dies in naher Zukunft zu planen. In Deutschland liegt dieser Wert nahezu auf gleichem Niveau. Gleichzeitig befürchtet ein Drittel der hiesigen Befragten, dass durch den Einsatz von Robotik Arbeitsplätze wegfallen könnten. Die Ergebnisse stammen aus einer Online-Studie des Embedded-Software-Spezialisten QNX, einem Geschäftsbereich von BlackBerry. Befragt wurden 1.000 Führungskräfte aus Branchen wie Fertigung, Automobil, Gesundheitswesen sowie Maschinen- und Anlagenbau.

Sicherheit und Leistung als Vertrauenstreiber

Die befragten Entscheider nennen vor allem Sicherheitsgewinne (42 %) und verlässliche Performance (40 %) als Gründe für ihr Vertrauen in Robotik. Im globalen Durchschnitt rechnen Unternehmen damit, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre etwa 20 Prozent der heutigen Belegschaft durch Roboter ersetzt werden. Der Einsatz konzentriert sich derzeit vor allem auf Aufgaben in der Automatisierung (50 %), Produktion (46 %) sowie im Support (36 %) und bei gefährlichen Tätigkeiten (28 %).

Doch es gibt auch Vorbehalte. Zwar fühlen sich laut Studie 70 Prozent der weltweit Befragten grundsätzlich wohl bei der Zusammenarbeit mit Robotern – in Deutschland äußern sich jedoch viele zurückhaltender. Fast ein Drittel der deutschen Teilnehmer gibt an, unwohl bei dem Gedanken zu sein, Seite an Seite mit Robotern zu arbeiten. Vor allem hohe Anfangskosten und potenzielle Ausfallzeiten gelten hierzulande als zentrale Hindernisse. Knapp 60 Prozent weltweit sorgen sich zudem um Sicherheitsrisiken im Umgang mit Robotern, fast ein Drittel berichtet von bereits aufgetretenen gefährlichen Situationen.

Einsatz je nach Aufgabe unterschiedlich bewertet

Nicht jede Tätigkeit wird gleich gern an Maschinen delegiert. Besonders hoch ist die Akzeptanz für robotergestützte Tätigkeiten in der Fertigung: 77 Prozent der Befragten befürworten den Einsatz an Fließbändern, 73 Prozent beim Materialhandling und 70 Prozent bei logistischen Aufgaben. Sobald jedoch menschliche Interaktion gefragt ist, sinkt das Vertrauen. Nur 55 Prozent befürworten Roboter im Kundenservice, bei medizinischen Prozeduren sind es lediglich 51 Prozent.

Auch innerhalb einzelner Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede. In der europäischen Automobilindustrie vertrauen 81 Prozent der Befragten auf Robotik. 62 Prozent setzen sie bereits ein, weitere 30 Prozent planen dies in den nächsten zwei Jahren. In der Fertigung sind die Werte noch höher: Fast 90 Prozent der europäischen Entscheider sehen in Robotik eine zentrale Technologie. Dort spielt vor allem die Kostenreduktion eine entscheidende Rolle – ein Motiv, das 93 Prozent der europäischen Befragten in der Fertigungsbranche angeben.

Regulierung und Mitbestimmung gefragt

Trotz der fortschreitenden Automatisierung sprechen sich 92 Prozent der Führungskräfte dafür aus, Mitarbeitende in die Diskussion über Robotik einzubeziehen. Zugleich zeigt sich eine Mehrheit überzeugt davon, dass die aktuellen gesetzlichen Regelungen für KI und Robotik ausreichen, um ethische Fragen zu adressieren. Dennoch bleibt der Spagat zwischen technologischem Fortschritt und gesellschaftlicher Akzeptanz eine Herausforderung.

„Von chirurgischen Instrumenten bis hin zu selbstfahrenden Gabelstaplern setzen Branchen weltweit Robotik am Arbeitsplatz ein und fühlen sich zunehmend wohl mit den neuen Technologien“, sagt João Pereira, Director EMEA bei QNX. Gleichzeitig warnt er: „Wie die Daten jedoch deutlich machen, ist dieses Vertrauen zerbrechlich und kann leicht zerstört werden, wenn Robotik ohne die notwendige grundlegende Software konstruiert und eingesetzt wird, die sie leistungsfähig, zuverlässig und sicher macht. “

Laut Marktforschungsunternehmen ABI Research wächst der weltweite Markt für kollaborative Robotik rasant: von 51 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf knapp 164 Milliarden US-Dollar bis 2030. Fortschritte in KI und maschinellem Lernen sollen die Fähigkeiten von Robotern weiter verbessern. Der Mensch bleibt dabei jedoch mehr als Zuschauer: Die Frage, wie viel Verantwortung Maschinen tragen sollen, wird nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich zu klären sein.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektronikpraxis.

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