Was ist der Unterschied zwischen einer souveränen Cloud und einer souveränen KI-Cloud? Das klingt wie der Anfang eines Nerd-Witzes, aber es ist ein Thema, das die Regierungen auf der ganzen Welt bewegt – insbesondere in Europa.
Wie können sich die europäischen Länder am besten aufstellen, um Souveränität in Bezug auf KI zu erlangen?
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Um es gleich vorwegzunehmen. Die Antwort auf diese Frage lautet natürlich: nichts. Souveränität bedeutet vollständige Kontrolle und Eigentum an den Daten, sowohl aus technischer als auch aus personeller Sicht. An einem Ort, der Ihnen gehört. Künstliche Intelligenz (KI) ist lediglich ein weiteres Datenverarbeitungsinstrument. Die eigentliche Frage ist, was die Regierungen zum Handeln antreibt und wie sich die europäischen Länder am besten rüsten können, um Souveränität in Bezug auf KI zu erlangen.
Die existenzielle Herausforderung für Europa
Seit einiger Zeit wird immer wieder betont, dass Europa digitale Souveränität und eine geringere Abhängigkeit von amerikanischen oder chinesischen Hyperscalern braucht. Das war von Anfang an ein schwieriges Thema, das durch den Aufstieg der KI noch komplizierter geworden ist. Die Länder wollen das Potenzial der KI nutzen, aber dazu brauchen sie Zugang zu den besten Köpfen und Technologien der Welt. Darin liegt die Herausforderung. Wie kann die technische Infrastruktur geschaffen werden, damit KI gedeihen kann, ohne die Souveränität zu gefährden?
Die zunehmende Popularität der Generativen KI hat diese Herausforderung verstärkt. Die Länder sehen es als unabdingbar an, Innovationen und Daten zu schützen, sowohl zum Nutzen ihrer eigenen Bürger als auch um zu verhindern, dass diese in die falschen Hände geraten und beispielsweise bei einem Cyberangriff gegen sie verwendet werden. Die Notwendigkeit, die Abhängigkeit Europas von ausländischen Anbietern zu verringern, wird in dem Bericht zur Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit der EU hervorgehoben. Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi bezeichnet die Situation als „existenzielle Herausforderung“.
Bereits Anfang des Jahres wurde das Europäische Amt für Künstliche Intelligenz eingerichtet, das die Umsetzung und Durchsetzung des EU-KI-Gesetzes unterstützen soll. Gleichzeitig entstand die KI-Innovationsstrategie der EU, die als Plattform dient, um die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Region auf globaler Ebene zu fördern. Diese Strategie sieht ein Investitionspaket von rund vier Milliarden Euro bis 2027 vor, das sowohl öffentliche als auch private Mittel umfasst und sich insbesondere auf die Generative KI konzentriert.
Der Wunsch nach KI-Souveränität wird auch auf Länderebene deutlich. Der deutsche Sovereign Tech Fund stellt Geld für Initiativen bereit, die die Cloud-Souveränität fördern. Der Deeptech-Plan der französischen Regierung und umfangreiche Investitionen in innovative Technologien haben das KI-Ökosystem des Landes erheblich gestärkt, während das Vereinigte Königreich mehr in die KI-Sicherheit investiert als jedes andere Land der Welt. Die Niederlande haben ihr eigenes großes SprachmodellLLM namens GPT-NL entwickelt. Das Thema steht ganz oben auf der Agenda jeder Regierung.
KI-Zyklon, der an Fahrt gewinnt
Die Staaten befinden sich in einem Wettrüsten, um die besten KI-Fähigkeiten zu erlangen, ihre eigenen Interessen zu schützen und souverän zu werden. Da die Technologie jedoch schnell voranschreitet, erleben wir eine Art KI-Zyklon, der immer schneller wird. Doch Regierungen sind nicht gerade für ihre Schnelligkeit bekannt, ganz gleich, welche proaktiven Maßnahmen sie ergreifen.
Das World Economic Forum (WEF) hat eine viel beachtete Liste von sieben Säulen aufgestellt, die erforderlich sind, um die Fähigkeiten der KI zu erschließen: Talent, Infrastruktur, Betriebsumgebung, Forschung, Entwicklung, Regierungsstrategie und Handel. Dieser Rahmen ist jedoch wenig praktikabel. Bei einem so schnelllebigen Thema wie KI brauchen die Regierungen etwas Pragmatisches. Eine einfache Richtlinie darüber, was auf technologischer Ebene erforderlich ist, um den Traum von der KI-Souveränität Wirklichkeit werden zu lassen.
Wir haben es mit einem spannungsgeladenen Szenario zu tun, in dem die Regierungen in ihrem Bemühen um Souveränität in aller Eile Projekte und KI-fokussierte Start-ups finanzieren und zugleich Vorschriften einführen. Das ist zwar bewundernswert, aber es wird die KI-Souveränität nicht zum Leben erwecken. Dieses Problem wurde erst kürzlich von einer Gruppe von Technologieunternehmen hervorgehoben, die in einem offenen Brief darauf hinweisen, dass die fragmentierte Regulierung in Europa die Möglichkeiten der KI behindert. Die Unterzeichner betonen, dass Europa im Vergleich zu anderen Regionen weniger wettbewerbsfähig und weniger innovativ geworden ist und Gefahr läuft, im Zeitalter der KI aufgrund uneinheitlicher regulatorischer Entscheidungen weiter zurückzufallen.
Stand: 08.12.2025
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Die Erlangung der Souveränität beschleunigen
Das muss nicht der Fall sein. Es gibt Schritte, die Europa unternehmen kann, um sein Ziel der Souveränität im Bereich der KI zu beschleunigen. Im Wesentlichen sollte es sich für Offenheit einsetzen, insbesondere wenn es um Technologie geht. Auch wenn das im Zusammenhang mit der Beibehaltung von Aktivitäten innerhalb der Grenzen kontraintuitiv klingen mag, braucht die Region eine stärkere Zusammenarbeit, um zu vermeiden, dass es zu überregulierten Silos kommt, in denen die Unternehmen in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden.
Die Zusammenarbeit ist auf mehreren Ebenen erforderlich:
Offene Datenmodelle: Ohne Zusammenarbeit und Allianzen wird es nicht möglich sein, die Souveränität der einzelnen Staaten zu erreichen. Einige Länder haben nicht so tiefe Taschen wie Hyperscaler. Das bedeutet, dass eine Strategie für Europa nicht nur über offene Datenmodelle verfügen muss, die von den Ländern gemeinsam genutzt werden können, sondern auch über clevere Möglichkeiten, die verfügbaren Mittel einzusetzen. Anstatt beispielsweise einen Fonds einzurichten, auf den viele unzusammenhängende Privatunternehmen zugreifen können, sollten die Mittel in den Aufbau eines Unternehmens investiert werden, das sich speziell auf einen Aspekt der KI-Souveränität konzentriert und europaweit verteilt werden kann, damit die Länder ihn anpassen können.
Offene Datenformate: Wenn es um Souveränität geht, ist es nicht so willkürlich, ob es sich um offene oder geschlossene Daten handelt. Einige Daten, wie z. B. im Bereich der nationalen Sicherheit, sind sensibel und sollten niemals außerhalb der Grenzen eines Landes veröffentlicht werden. Es gibt jedoch andere Arten von Daten, die offen und für jedermann zugänglich sein könnten, was es den Staaten kostengünstig ermöglichen würde, mit diesen Daten Modelle zu trainieren und als Ergebnis geeignete souveräne KI-Produkte und -Protokolle zu entwickeln.
Offene Datenüberprüfung: Eine der Herausforderungen bei KI ist die Herkunft der Daten. Ohne standardisierte und etablierte Methoden zur Überprüfung der Datenherkunft gibt es keine Garantie dafür, dass die verfügbaren Daten das sind, was sie vorgeben zu sein. Es gibt keinen Grund, warum man sich nicht auf einen europaweiten Standard für die Datenherkunft einigen könnte, ähnlich wie bei den Fußnoten in Wikipedia, in denen die Quellen angegeben sind.
Offene Technologie: Im Zusammenhang mit der Souveränität mag dies kontraintuitiv erscheinen, aber es wurde bereits erfolgreich umgesetzt, zuletzt mit der Covid-Tracking-App. Die Software sorgte dafür, dass personenbezogene Daten auf nationaler und individueller Ebene geschützt wurden, die benötigten Informationen jedoch zum Wohle der Allgemeinheit weitergegeben wurden. Das sollte das Modell für die Verwirklichung der KI-Souveränität in Europa sein.
Transformative Wirkung von Open Source
Hier kann die Open-Source-Technologie (OSS) eine transformative Wirkung haben. Zunächst einmal ist das der kosteneffektivste Ansatz und realistischerweise der einzige Weg, wie die Nationen in der Lage sein werden, die von ihnen benötigten Programme zu entwickeln. Abgesehen von den finanziellen Aspekten war eines der Gründungsprinzipien von OSS, dass sie ohne Einschränkungen erforscht und genutzt werden kann. Sie kann übernommen und weiterentwickelt werden, ohne die Sicherheit oder die Datenhoheit zu beeinträchtigen. Diese Fähigkeit, Software, Hardware und Systeme unabhängig und frei von der Kontrolle durch Unternehmen oder von oben zu verstehen und zu verändern, gibt den Ländern die Möglichkeit, die Dinge nach ihren eigenen Bedingungen zu gestalten.
Und schließlich, und das ist vielleicht das Wichtigste, ist sie skalierbar. Die Länder können immer mit der neuesten Version arbeiten, ohne vom Ausland oder von Privatunternehmen abhängig zu sein, wenn es um die Lizenzierung geht. Sie profitieren von einem lokalen Modell und setzen gleichzeitig Grenzen für die Daten.
Eine Debatte, die wir nicht fortsetzen wollen
Wenn es um KI-Souveränität geht, könnte man Offenheit als Gegensatz betrachten. Die Realität sieht jedoch so aus, dass Souveränität ohne Offenheit nicht erreicht werden kann. Wenn sich die Staaten weiterhin abschotten, werden wir diese Debatte auch in den kommenden Jahren noch führen – und dann ist es vielleicht schon zu spät. Tatsache ist, dass die Nationen KI offen gestalten müssen, damit sie darauf aufbauen, sie verbessern und die Privatsphäre gewährleisten können. Ist es nicht das, worum es bei der Souveränität geht?
* Josep Prat ist Engineering Director of Streaming und Francesco Tisiot ist Head of Developer Experience bei Aiven.