Wirtschaft: Licht und Schatten So viel Firmenpleiten wie nie, soviel Startup-Gründungen wie nie

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Unternehmens-Insolvenzen erreichten 2025 wohl ein trauriges Hoch. Doch auf der anderen Seite wurden auch so viele Startups wie noch nie gegründet. Dennoch ist die Bilanz bei weitem nicht ausgeglichen.

So viele Startup-Gründungen wie nie, so viele Insolvenzen wie schon lange nicht mehr: Licht und Schatten in der deutschen Wirtschaft.(Bild: ©  Attapol - stock.adobe.com)
So viele Startup-Gründungen wie nie, so viele Insolvenzen wie schon lange nicht mehr: Licht und Schatten in der deutschen Wirtschaft.
(Bild: © Attapol - stock.adobe.com)

Die Zahl der Firmenpleiten ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen. Auf der anderen Seite stieg aber auch die Zahl der Start-up-Gründungen in Deutschland auf einen Rekordwert. Im vergangenen Jahr entstanden 3.568 neue Wachstumsfirmen, 29 Prozent mehr als 2024, zeigt eine Analyse des Startup-Verbands.

Die Lage bei den Insolvenzen

Allein im Dezember nahm die Zahl der Insolvenzen noch einmal deutlich zu und lag 75 Prozent über dem Niveau eines durchschnittlichen Dezembers der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. Im Dezember wurden demnach 1.519 Insolvenzen verzeichnet. Im Gesamtjahr 2025 lag die Zahl der Insolvenzen bei 17.604. Selbst im Zuge der Finanzkrise 2009 habe die Zahl rund fünf Prozent niedriger gelegen, hieß es.

Die hohen Insolvenzzahlen ließen sich nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Pandemie und mit der Zinspolitik erklären, sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Sie spiegelten „immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider“. Gleichzeitig stellten Insolvenzen aber auch eine notwendige Marktbereinigung dar, wodurch Platz für zukunftsfähige Unternehmen geschaffen werde.

Viele Branchen betroffen

„Der Anstieg war breit, da wurde niemand verschont“, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. „Besonders stark waren die Zuwächse im Hotel- und Gastgewerbe.“ Auffällig seien aber auch viele Insolvenzen im Baubereich und bei Projektentwicklern gewesen. „Der Zinsanstieg Ende 2022 hat dort einigen einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Auch die Zahl der Großinsolvenzen hat deutlich zugenommen. Laut einer Erhebung der Transformationsberatung Falkensteg meldeten 471 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro Insolvenz an - ein Plus von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Betroffen waren demnach insbesondere Metallwarenhersteller, Automobilzulieferer, Elektrotechnikunternehmen und der Innenausbau. Seit 2021 haben sich die Großinsolvenzen damit nahezu verdreifacht.

Keine Trendwende 2026

„Die deutsche Wirtschaft ringt nicht mehr nur mit Kopfschmerzen - sie hat Fieber bekommen“, sagt Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt. Die Ursachen seien vielfältig, aber ihr Zusammenspiel entwickele eine beunruhigende Dynamik. „Für viele Mittelständler ist das keine Konjunkturdelle mehr, sondern eine Überlebensfrage.“ Auch für das Jahr 2026 sehen die Experten keine Trendwende in Sicht.

Die Lage bei den Startups

Die Zahlen der Startup-Gründungen von rund 3.500 liegen noch höher als im Boom-Jahr 2021, als die Corona-Pandemie für einen Digitalisierungsschub sorgte und etwa Lieferdienste und Finanz-Apps beflügelte. Grund für die Rekordzahlen ist die Euphorie um Künstliche Intelligenz, die Gründungen erleichtert und neue Geschäftsfelder eröffnet.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach von guten Nachrichten zum Jahresbeginn. „Deutschland gründet auf Rekordniveau. Mehr Start-ups bedeuten mehr Innovation, mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätze, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Jetzt geht es darum, diesen Trend zu verstetigen und aus jungen Unternehmen globale Player zu machen." Die Bundesregierung schaffe dafür bessere Bedingungen: mehr Wagniskapital, weniger Bürokratie, mehr Talente und ein stark vernetztes Start-up-Ökosystem.

„Über 3.500 Gründungen, ein Drittel mehr als 2024 - das zeigt den Mut und die Dynamik des deutschen Unternehmertums“, sagt Kati Ernst, stellvertretende Vorsitzende des Startup-Verbands. Allerdings habe Deutschland weiter Schwächen bei der Finanzierung, wenn es darum gehe Start-ups großzumachen.

Viele Gründungen in Berlin und Bayern

Der Aufwärtstrend bei den Gründungen wurde in fast allen Bundesländern verzeichnet. In Berlin entstanden mit 619 erneut die meisten Start-ups (plus 24 Prozent), deutlich vor München (290). Die Hauptstadt sei auf gutem Weg, sich von der Branchenkrise der vergangenen Jahre zu erholen. Noch stärker wuchsen die Gründungszahlen aber in Bayern (plus 46 Prozent), Nordrhein-Westfalen (plus 33 Prozent) und Sachsen (plus 56 Prozent). Konkurrenz bekommt Berlin besonders von Bayern, wo ein Fünftel aller Start-ups gegründet wurden (785) - 247 mehr als Vorjahr. München liegt zudem bei den Gründungen pro Kopf auf Platz eins, vor Berlin und Düsseldorf. Es folgen die Universitätsstädte Aachen, Potsdam, Heidelberg und Darmstadt. Das zeige die Bedeutung von Wissenschaft und Technologie für die Start-up-Branche.

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KI prägt viele Branchen

27 Prozent aller gegründeten Start-ups nutzten KI als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells, hieß es in der Studie, die in Zusammenarbeit mit der Analysefirma Startupdetector entstand. Am meisten neue Firmen wurden im Software-Bereich gegründet (853). Künstliche Intelligenz präge viele Bereiche, sagte Arnas Bräutigam, Co-Gründer von Startupdetector. „Wir sehen KI immer häufiger dort, wo konkrete Probleme gelöst werden - von Software über Medizin bis hin zu industriellen Anwendungen wird sie das Fundament neuer Geschäftsmodelle.“ Ein wichtiger Grund für Gründungsboom dürfte aber auch die Wirtschaftsflaute in Deutschland sein. So machen sich in Krisen üblicherweise viele Menschen aus der Not selbstständig, weil sich Jobchancen verschlechtern.

Auch kamen Start-ups zuletzt wieder etwas leichter an Wagniskapital von Investoren, zeigen neue Zahlen der Förderbank KfW. Demnach flossen allein im Schlussquartal 2025 rund zwei Milliarden Euro. Für die aussichtsreichsten Start-ups habe sich die Finanzierungslage 2025 gegenüber dem Vorjahr verbessert.

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