Spitzenposition am Markt durch schnellere und effizientere Prozesse Schadet zuviel IT dem Supply Chain Management?
In fast jedem größeren Unternehmen gibt es Leidensgeschichten von EDV-Projekten: Darunter sind einige, die sogar die Existenz der betreffenden Unternehmen bedrohten und die Funktionalitäten der neu entwickelten Lösungen völlig an den Anforderungen vorbeigingen. Doch um das Scheitern von IT-Projekten zu vermeiden, sollten Unternehmen die Herausforderungen der Logistik prozessorientiert angehen. Erst wenn die Geschäftsprozesse betriebswirtschaftlich ausgerichtet sind, lässt sich sinnvoll über unterstützende Software sprechen.
Anbieter zum Thema
IT ist zweifelsohne ein Wettbewerbsfaktor. Doch dies heißt noch lange nicht, dass allein der Umfang der Investitionen über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Andernfalls müsste es einen Zusammenhang zwischen Software-Ausgaben für die Supply Chain Logistik und der Rentabilität geben. Verschiedene internationale Studien belegen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Logistikprozesse auf Weltklasseniveau sind somit keine Frage der Höhe von EDV-Investitionen. Mehr Software kann sogar schaden, wenn zusätzliche Schnittstellen einen bisher reibungslosen Geschäftsprozess unterbrechen. Und gerade mit rigiden Systemen lassen sich die aktuellen Herausforderungen an die Logistik kaum bewältigen. Wandelnde Märkte, Supply Chains und Outsourcing erfordern stattdessen Flexibilität und immer wieder neue Zielorientierung. Und das heißt: Nur wer seine Prozesse schneller und effizienter ausrichten kann, belegt künftig einen Spitzenplatz.
Um diese Herausforderung zu meistern, ist es unabdingbar, die Logistik von der EDV gedanklich zu trennen. Dabei gilt es im ersten Schritt, sämtliche Logistikprozesse strategisch auszurichten. Sucht beispielsweise ein Unternehmen im Wettbewerb die Kostenführerschaft, muss es seine Logistikkosten mit dem Branchenbesten, der Benchmark, vergleichen und die Geschäftsprozesse entsprechend gestalten. Erst im zweiten Schritt sollte die unterstützende IT auf die Logistikprozesse ausgerichtet werden.
Die Prozessstruktur aus dem ersten Schritt gliedert und vereinfacht die technische Realisierung und bietet mehrere Vorteile: Logistikprojekte werden kleiner, schneller, leichter zu managen und deutlich weniger riskant. Noch wichtiger ist es, dass ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg im Mittelpunkt der Betrachtung bleibt. Es geht darum, die strategischen Ziele bei allen Logistikprozessen konsistent einzuhalten. Alternativ zur Kostenführerschaft könnten unter anderem Zuverlässigkeit oder Flexibilität im Vordergrund stehen. Je nach der übergeordneten Zielabwägung leitet sich der Fokus für das Logistikprojekt ab. Die Logistik ist damit leistungsorientiert und richtet sich nicht – wie dies bei gescheiterten Projekten häufig der Fall ist – nach den Features der Software.
Mit der Leistungsorientierung zeigt sich schnell, in welchen Prozessen noch Verbesserungsbedarf besteht. Bei der Umsetzung in eine IT-Lösung – im zweiten Schritt – sollten Unternehmen zunächst die vorhandenen Systeme ausreizen. Dies hat mehrere Gründe: Kompetenzen und Erfahrungen stehen intern bereits zur Verfügung, die Entwicklung von neuen Schnittstellen entfällt, auf langwierige Einführungsprojekte kann getrost verzichtet werden. Erst im Anschluss ist es sinnvoll, neue Systeme zu berücksichtigen.
Mit SCOR die Logistik effizient ausrichten
Weltweit hat sich inzwischen die Supply Chain Operational Reference (SCOR), eine Prozessreferenz des Supply Chain Councils (SCC), etabliert, um Prozesse und ihre Zielabwägungen konsistent zu definieren. SCOR sollte nicht mit EDV-orientierten Prozessansätzen wie ARIS (Architektur integrierter Informationssysteme) verwechselt werden, die zur Modellierung von Workflows dienen. SCOR ist ein Referenzhandbuch, das die Prozesse der Supply Chain definiert und Metriken bereitstellt, um ihre Leistung zu messen und aufeinander abzustimmen. Im Vordergrund steht dabei der Beitrag jedes Prozesses zum Unternehmenserfolg.
Ein Unternehmen, das seine Prozesse und Ziele mit der SCOR-Terminologie beschreibt, legt eine solide Basis für die Leistung fähigkeit seiner Logistik – und für deren Anpassungsfähigkeit an den stets neuen Herausforderungen des Marktes: SCOR-Projekte sind eine Sache von Wochen statt von Monaten. Neben der Prozessorientierung spricht auch diese kurze Projektdauer für SCOR als hilfreiches Modell für die stete Fortentwicklung eines wettbewerbsfähigen Supply Chain Management.
Artikelfiles und Artikellinks
(ID:2008835)