Fachkräftemangel in SAP-Projekten SAP S/4HANA: Brownfield oder Greenfield?

Von Dr. Stefan Riedl 2 min Lesedauer

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Besonders in Deutschland ist der Markt für SAP-Berater wie leergefegt. Etliche Projekte sind ins Stocken geraten. Mitunter wird ein Greenfield-Ansatz, also ein sauberer Cut beim ­Wechsel, wegen zeitlicher Schwierigkeiten zugunsten eines Brown- oder Bluefield-Ansatzes verworfen.

Beim Greenfield-Ansatz wird das neue Softwaresystem wie auf einer „grünen Wiese“ neu aufgebaut, was die größten Verbesserungspotenziale birgt. Beim Brownfield-Ansatz bleibt der bestehende Systemkern unangetastet.(Bild:  zm_photo - stock.adobe.com)
Beim Greenfield-Ansatz wird das neue Softwaresystem wie auf einer „grünen Wiese“ neu aufgebaut, was die größten Verbesserungspotenziale birgt. Beim Brownfield-Ansatz bleibt der bestehende Systemkern unangetastet.
(Bild: zm_photo - stock.adobe.com)

Wegen auslaufendem Support stehen viele IT-Projekte an, mit dem Ziel, das SAP-­System auf S/4HANA-InMemory-Technologie umzustellen. SoftwareOne ist in diesem Umfeld mit eigenen Tools unterwegs. Sören Genzler, SAP Solutions DACH bei SoftwareOne, erläutert, dass sich die Umstellung auf In-Memory-Technologie auch als „Brownfield“-Variante durchführen lässt, ohne dass tiefe Eingriffe in bestehende Programmierungen erforderlich sind. „Nachteil ist, dass sich so die Potenziale der Umstellung auf HANA nicht optimal heben lassen“, so der Manager. Der Einsatz von SAP-Beratern, die auch die Prozess-Seite einer S/4HANA-Umstellung betrachten, sei also unabdingbar, wenn die Investition in HANA den größten Mehrwert bringen soll. Das wiederum rückt Green- oder Bluefield-Migrationen in den Mittelpunkt des Kundeninteresses.

Den richtigen Ansatz verfolgen

Brownfield, Greenfield und Bluefield sind die Varianten des Migrationsansatzes. Bei Brownfield bleibt der Systemkern unangetastet; Daten und Prozesse werden in die neue Umgebung von S/4HANA konvertiert. Der Greenfield-Ansatz beinhaltet den Neuaufbau des SAP-Systems sozusagen auf der „grünen Wiese“. Beim Bluefield-Ansatz wird ein Mittelweg aus beiden Vorgehensweisen gegangen.

Außerhalb des deutschsprachigen Raumes ist die Beratersituation bei weitem noch nicht so kritisch.

Sören Genzler, SAP Solutions DACH, SoftwareOn

Priorisieren der Prozesse

Sören Genzler, SAP Solutions DACH, SoftwareOne(Bild:  SoftwareOne)
Sören Genzler, SAP Solutions DACH, SoftwareOne
(Bild: SoftwareOne)

Wenn zeitliche Schwierigkeiten wegen des akuten Beratermangels vorliegen, hat der SAP-Profi bei SoftwareOne den Ratschlag, dass grundsätzlich immer über eine Brownfield-Migration nachgedacht werden kann, um den Druck aus dem Kessel zu nehmen. „Vorausgesetzt jedoch, wir reden über ein Unternehmen mit einem signifikanten ­Optimierungspotenzial und -willen, dann hilft Priorisieren und unter Umständen erst einmal nur eine Teilmenge der Prozesse gemeinsam mit den Fachabteilungen neu zu gestalten.“ Eine Entspannung am Beratermarkt sei bis 2027 nicht zu erwarten. Ist ein Unternehmen international aufgestellt und offen für Beratungsleistungen in englischer Sprache, kann Near- oder Offshoring weiterhelfen, denn „außerhalb des deutschsprachigen Raumes ist die Beratersituation bei weitem noch nicht so kritisch“, so Genzler.

Liebgewonnene „Features“

Laut Genzler lassen sich die erforderlichen Arbeiten sehr gut im Rahmen einer Brownfield-Migration erledigen, wenn der Individualisierungsgrad des Unternehmens gering ist. Große Mengen an obsoleten Daten oder Individualisierungen lassen sich im Rahmen einer Bluefield-Migration kritisch betrachten und gegebenenfalls optimieren. Das beste Innovationspotenzial bietet eine Greenfield-Installation, bei der ein vollständig neues SAP-System entsteht und man die Möglichkeit hat, viele Prozesse wieder zurück zum SAP-Standard zu führen. Diese bedingt aber auch den größten Einsatz sowohl an externen als auch an internen Ressourcen. So manches dazuprogrammierte, liebgewonnene „Feature“ kann dabei Federn lassen und es sei deswegen wichtig, dass hier die Anwender bis zu einem gewissen Grad, beispielsweise auf Key-User-Ebene, mitgenommen werden.

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