Einstieg bei Freenet Lars Windhorst meldet sich zurück

Redakteur: Harald Jacob

Der heute 30 Jahre alte Lars Windhorst, einst Vorzeigeunternehmer im Dunstkreis von Kanzler Kohl, dann als Pleitier und Betrüger abgestempelt, macht nun wieder Schlagzeilen in Deutschland. Als Geschäftsführer des Finanzinvestors Vatas taucht er bei Freenet auf.

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Es gibt wohl in Deutschland kaum einen anderen Namen, der so stark das Auf und Ab der Dotcom-Phase widerspiegelt wie dieser: Lars Windhorst. Mit 15 gründete er seine erste Computerfirma, wurde Unternehmer des Jahres, reiste mit Bundeskanzler Kohl um die Welt, baute ein Firmenimperium mit dreistelligen Millionenumsätzen auf, genoß die Gesellschaft von Filmstars und Geldadel – und stürzte ab. Alle seine Firmen gingen Pleite, zuletzt musste Windhorst gar Privatinsolvenz anmelden, mit einem Schuldenberg von mehr als 80 Millionen Euro. Dazu kamen Betrugsvorwürfe eines Gläubigers, dem er allein knapp 10 Millionen Euro schuldig blieb.

Nun taucht sein Name wieder in den Schlagzeilen auf. Denn das Unternehmen Vatas, für das er seit mehreren Jahren als Geschäftsführer tätig ist, hat sich bei Freenet eingekauft, und das könnte nach dem gerade erst geschafften Ende von jahrelangen Querelen neuen Anlass für Streit in den Gremien der Aktiengesellschaft geben.

Die Vatas Holding GmbH, Geschäftszweck laut Handelsregister »das Halten und die Betreuung von (eigenen) Beteiligungen an Kapitalgesellschaften und Immobilien europaweit und die Beratung von anderen Unternehmen auf diesen Gebieten sowie das Verwalten eigenen Vermögens«, hat ihren Sitz in Berlin. Neben Lars Windhorst ebenfalls als Geschäftsführer eingetragen ist Peter Alexander Ogrisek, der wie Vatas-Eigner Robert Hersov zu den ehemaligen Schuldnern von Windhorst zählt. Schon von Freenet hatte Vatas Aktienpakete großer Unternehmen in Deutschland übernommen und wieder veräußert, beispielsweise bei Euromicron, einem Hersteller aus dem Bereich Netzwerk- und Lichtwellenleitertechnologie, oder dem Berliner Musikverlag Jack White.

Vatas konnte sich nun 18,62 Prozent der Anteile von Freenet sichern – nach aktuellem Kurs ein Aktienwert von rund 425 Millionen. Verkauft hatte das Paket TPG, ein Investor, der drei Vertreter im Aufsichtsrat stellte. Nun wird erwartet, dass diese ihren Rücktritt einreichen – und damit erneut um die Besetzung des Aufsichtsrats gestritten wird.

Dort hatte Großaktionär und Wettbewerber Drillisch im vergangenen Herbst vergeblich versucht, per Gerichtsbeschluss Zugang zu bekommen. Davor hatte es jahrelange Auseinandersetzungen mit Mobilcom-Gründer Gerhard Schmidt gegeben, der die Fusion des Mobilfunkvertriebs mit dem Internetprovider blockierte. Falls Vatas das Aktienpaket nicht bald weiterreicht sondern längerfristig bei Freenet engagiert bleibt, könnte auch Lars Windhorst selbst einen Sitz im Freenet-Aufsichtsrat übernehmen.

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