Urgesteine aus der IT-Branche

Jürgen Schäfer tauschte Tipp-Ex gegen Delete-Taste

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

ITB: Ab wann zahlte sich diese Aufmerksamkeit richtig aus?

Schäfer: Im Jahr 1998 bestellte ein großes Darmstädter Unternehmen zehn Mousepads. Eine Testbestellung, die der Konzern bei mehreren IT-Händlern platzierte. Drei Anbieter antworteten überhaupt nicht, zwei zeitverzögert. Nur wir reagierten sofort. Ein Bechtle-Verkäufer rief den Kunden an, um ihn darauf hinzuweisen, dass bei einer Bestellung von 50 Mousepads die Versandkosten entfallen würden. Das gefiel den Verantwortlichen, da wir quasi einen Gesamtprozess aufgebaut hatten, und wir konnten das Unternehmen als ersten Großkunden gewinnen. In einem Gespräch in Darmstadt habe ich einiges über Bestellprozesse in Konzernen erfahren. Aus diesen Notizen ist schließlich die Idee für das Bechtle Information and Ordering System – kurz „bios“ – entstanden.

ITB: Was hat Sie in all den Jahren am meisten überrascht?

Schäfer: Dass es das papierlose Büro bis heute nicht gibt. Wir hätten digitalen Zugriff auf alle Dinge, aber der Mensch scheint zumindest dieser Tage noch nicht vom Papier loszukommen.

ITB: Und was sind Ihre technischen Visionen, wie die IT in 20 Jahren aussehen wird?

Schäfer: Mich fasziniert vor allem das Thema gedankengesteuerte Rechner. Betrachtet man allerdings die in den letzten zehn Jahren zurückhaltende Entwicklung bei sprachgesteuerter Technik, ist diese Idee wirklich noch visionär. Die Gedankensteuerung könnte Prozesse vereinfachen und beschleunigen. Wobei man manchmal natürlich Sachen denkt, die man nicht aussprechen würde. Ein Problem, das sicherlich einer besonderen Schnittstelle bedarf. Grundsätzlich ist der Einsatz von Technik dann sinnvoll, wenn sie sich nicht im Selbstzweck verliert, sondern den Nutzer unterstützt.

(ID:2049733)