IT-Projekte sind schon kompliziert, wenn ausschließlich die Entwicklung von Software im Spiel ist. Treten damit zu verbindende, nicht immer topgepflegte, individuelle Systemkonfigurationen und Installationsumgebungen hinzu, werden aus diesen Vorhaben zügig hyperkomplexe Herausforderungen, die den Kern vieler Probleme vom Start weg latent in sich tragen.
So bringen menschliche Fehler IT-Projekte zum Scheitern und so können innovative Ansätze das Blatt wenden.
(Bild: pathdoc - stock.adobe.com)
Schön und gut, könnte man meinen, weil das eigene Know-how groß ist und weil man alle Werkzeuge beherrscht, um jegliche Schwierigkeiten meistern zu können. Wäre da nicht der menschliche Faktor, der die ohnehin schon existierende Komplexität noch potenziert. Speziell in der IT-Security übt die Anforderung, mit ihrer Arbeit jederzeit fail-safe zu sein, zusätzlich Druck aus.
Doch Menschen sind keine Roboter und entsprechend fehlerbehaftete Wesen. Damit sind nicht zuerst technische Fehler in den Arbeitsabläufen, etwa bei einer Programmierung gemeint, sondern primär solche, die auf überholten Erfahrungen, kognitiven Verzerrungen und Gewohnheiten beruhen, die keinesfalls so selbstverständlich sein sollten, wie sie es sind. Diese sind es in aller Regel auch, die Projekte in der Umsetzung zum Scheitern bringen.
In dieser Hinsicht unterscheiden sich Projekte in allen möglichen Arbeitsfeldern nur geringfügig. Denn, ob es um IT-Projekte und andere, strategische Vorhaben oder groß angelegte Transformationen geht: Die Ursachen des Scheiterns sind fast immer menschengemacht, und Menschen sind überall das Zünglein an der Waage.
Sieben allzu menschliche Umsetzungsschwächen, die große Pläne zunichtemachen
1. Das Hockeystick-Phänomen
Menschen neigen dazu, die nahe Zukunft tendenziell pessimistisch, die fernere hingegen überzogen optimistisch zu sehen. Die negativen Folgen für die Projektkonzeption verstärken sich, je länger eine Maßnahme läuft. Einer der Hauptgründe dafür ist die Tendenz, die aktuellen Rahmenbedingungen unverändert auf die Zukunft zu übertragen, ohne Risikofaktoren zu berücksichtigen. Unter diesen Umständen werden die Ziele entweder nie oder erheblich verzögert erreicht.
2. Der Planungsfetisch
Anstatt den richtigen Weg während der Umsetzung und durch sie zu finden, suchen Manager trügerische Sicherheit in kleinteiligen, langfristigen Plänen. Scheitern diese, wird erneut geplant, statt zu handeln. Dabei wird übersehen, dass der gemeinsame Fortschritt weit stärker an dem hängt, was heute getan wird, und nicht an dem, was früher einmal geplant wurde. So unterdrücken endlose Planungen eine zügige und zielgerichtete Umsetzung.
3. Das Buzzword Bingo
Die Ziele werden zu abstrakt formuliert. Ausschließlich allgemein formulierte Ziele in Firm von Zahlen und Daten hängen in der Luft, weil nicht klar ist, wie sie Realität werden. Ein Mehrumsatz von 25 Prozent im Zeitraum X fällt schließlich nicht von den Bäumen, sondern ist immer das Ergebnis einer Zukunft, die sich deutlich vom Heute unterscheidet. Von diesem Morgen braucht es ein klares und lebendiges Bild der Welt, wie sie dann ist. Hat man das erst einmal erarbeitet, kann man die Wunschzukunft im Abgleich mit dem Status quo schrittweise herbeiführen.
Ein weiteres Argument dafür, diese sogenannten Zielbilder statt der eigentlichen Ziele in den Fous nehmen, ist ihre motivierende Wirkung. Am Ende 25 Prozent mehr Umsatz zu haben, ist nichts, wofür Menschen über Stock und Stein alles geben würden. Was Menschen wirklich emotional anzündet, ist die Aussicht und Vorfreude auf eine strahlende Zukunft, die Anerkennung der Leistung und Stolz auf das Erreichte erzeugt. Das Zielbild ist eine lebendige und emotional erlebbare Imagination der neuen Zeit, mit allem, was sie so erstrebenswert macht.
4. Die Fixierung auf Aktivitäten
Klassische Projekte basieren in der Planung, der Steuerung und der täglichen Arbeit auf weit früher vorhergesagten Aktivitäten. Das erste Problem ist der bereits geschilderte Fokus auf Ziele statt Zielbilder. Ein zweites Problem ist, dass viele dieser vorgeplanten Aktivitäten auf Bauchgefühle zurückgehen oder auf frühere Erfahrungen beruhen, deren heutige Gültigkeit keinesfalls mehr sicher ist. Viele sitzen so in einem „Erfahrungsgefängnis“ fest, in dem frisches Denken und mutiges Handeln unterdrückt werden.
Außerdem drehen sich alle Diskussionen stets um die Abfolge irgendwelcher, oft althergebrachten Aktivitäten, ohne darauf zu achten, ob der frühere Plan nicht längst überholt ist, oder ob das, was getan werden soll, wirklich zielorientiert ist. Denn nicht alles, was den Anschein der Nützlichkeit hat, führt mit auf den schnellsten Weg zum Erfolg.
5. Das Silodenken
Wegen unzureichend durchdachter Management- und Controlling-Prozesse ist die Abgrenzung zwischen Unternehmensbereichen, Projektteams und sogar einzelnen Mitarbeitern groß. Dieses oft anzutreffende Siloverhalten basiert auf unzureichender Steuerung und mangelnder Transparenz im Projekt. Häufig ist vielem Beteiligten nicht klar, welche Leistung sie wann liefern müssen, damit andere übergangslos weiterarbeiten können.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
6. Der Prioritätenzirkus
Unproduktivität entsteht, weil kein echter Fokus auf die Themen und Ergebnisse des Projekts gerichtet wird. Gerade bei langanhaltenden und komplexen Projekten nimmt die Transparenz nach und nach immer mehr ab, wodurch die inhaltlichen und zeitlichen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Projektbestandteilen aus den Augen geraten.
Und so verfolgt mangels Orientierung jede Arbeitseinheit ihren Plan, ohne auf andere zu schauen, denen die zuarbeiten muss oder deren Ergebnisse sie braucht, damit er eigene Job gelingt. Folgerichtig häufen sich die Verzögerungen und Wartezeiten, in denen vieles stillsteht, statt voranzukommen. Welche Leistung zu welchem exakten Zeitpunkt erbracht sein muss, spielt keine entscheidende Rolle mehr, weil jedes Team nur den eigenen Bauchnabel im Blick hat.
Entsprechend gestaltet sich das Ringen um die Ressourcen. Ohne übergeordnete Organisation wird kleinteilig verhandelt, alle sind froh über ihr Stück vom Ressourcenkuchen, und was für den Fortschritt Priorität haben müsste, geht in unnötigen Diskussionen unter.
7. Das Richtermanagement
Die Steuerungsprozesse im Projekt werden zu Tribunalen, die mehrheitlich Schuldige dingfest machen wollen, statt die schlausten Wege zum bestmöglichen Fortschritt zu suchen.
Wenn die Teams und die Projektführung erst einmal richtig unter Druck geraten, wird der Tenor in den Lenkungsausschüssen und in anderen Meetings deutlich rauer. Statt danach Ausschau zu halten, wie man tagesaktuell so schnell wie möglich vorankommen kann, tauscht man Schuldzuweisungen aus, warum was noch nicht fertig sind, dass der Plan doch schon vor Wochen oder Monaten festgeschrieben hat.
Derlei Tribunale verleiten bestenfalls dazu, den fehlenden eigenen Fortschritt zu beschönigen, um nicht an den Pranger gestellt zu werden. Am Ende hat das, was die Projektampel zeigt, sagt, hat mit dem tatsächlichen Stand des Vorhabens kaum noch etwas zu tun.
Eine neue Art Projekte zu machen: Enterprise Progress Management
Natürlich lassen sich für jedes dieser sieben Phänomene eigene Optimierungsmöglichkeiten finden. Im Endeffekt bleibt diese Methode aber unzureichend, weil die Phänomene keine eigenen Krankheiten, sondern die Symptome einer größeren sind. Und das ist die heute überholte Art, Projekte in Angriff zu nehmen.
Eine zeitgemäße Projektarbeit klebt in ihrer Vollendung nicht mehr sklavisch an den messbaren Zielen am Ende. Sie orientiert sich an einem lebendigen und motivierenden Zielbild der Zukunft, das Menschen begeistert und das bei Erreichen die Ziele ganz natürlich produziert. Hat man dieses Bild klar vor Augen, kann es in seinen Unterschieden zum Heute erkannt und durch schrittweises Fortschrittsmanagement unter Berücksichtigung aller Abhängigkeiten agil herbeigeführt werden.
Über den Autor: Matthias Kolbusa ist Strategie- und Veränderungsexperte, Vortragsredner und mehrfacher Autor von Managementbüchern. Als Berater und Spezialist für unternehmensweites Fortschrittsmanagement unterstützt er Konzerne wie Daimler, Telekom, Deutsche Bahn und Thyssenkrupp sowie High-Performance Mittelständler wie KraussMaffei, die Haufe-Gruppe und viele andere mehr.