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Kommentar von Achim Heisler, a-h-s Systemhaus

Heimlich, still und leise stirbt die „German Cloud“

| Autor / Redakteur: Achim Heisler / Lisa Jasmin Nieberle

Die „German Cloud“ von Microsoft und der Telekom wird heimlich, still und leise zu Grabe getragen.
Die „German Cloud“ von Microsoft und der Telekom wird heimlich, still und leise zu Grabe getragen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Wir müssen jetzt alle ganz stark sein. Wir haben einen Verlust zu beklagen: Die „German Cloud“ ist tot. Eine offizielle Trauerfeier wird wohl nicht stattfinden – es würde ja auch niemand kommen. Ein Kommentar.

Wir erinnern uns: Die „German Cloud“ soll unsere deutschen Bedenkenträger überzeugen, ihre Daten dann doch Microsoft anzuvertrauen. Es soll unter dem Betrieb der Telekom in deutschen Rechenzentren passieren. Lustige Mitarbeiter in noch lustigeren T-Shirts sollen die Kunden beim Kick-Off von der neuen seriösen Lösung überzeugen. Vielleicht war der Ansatz schon von Anfang an falsch?

Bereits bei der Vorstellung fallen meinen Kollegen und mir Ungereimtheiten auf. So gibt es beim Start einen verminderten Funktionsumfang. Gut, bei einem neuen Produkt kann man das für eine gewisse Zeit tolerieren. Wer nun aber denkt, dass ein verminderter Funktionsumfang mit einem rabattierten Preis einhergeht, der irrt gewaltig. Im Gegenteil: Es wird sogar noch teurer. Spätestens da kommen mir Zweifel am Geschäftsmodell.

Erfolgsgeschichte „German Cloud“? – Fehlanzeige

Auf mein Nachfragen werde ich wie so oft bei Microsoft von „Einmalrednern“ – man trifft sie nur einmal auf einem Event, wird von Ihnen verbal übergebügelt und dann, wenn man es besser weiß, sind sie verschwunden – davon überzeugt, dass das Zielpublikum von der Lösung begeistert ist. Ich lasse mich ja durchaus überzeugen und so warte ich gespannt auf die ersten großen Kunden, auf die Success-Stories und die Funktionserweiterungen. Aber es passiert, was häufig bei solchen Luftnummern passiert: Es wird verdächtig ruhig um die „German Cloud“. Aus Leitartikeln werden Randnotizen und so sinkt die mediale Aufmerksamkeit langsam gegen Null.

Das wäre mir ja noch egal gewesen, hätte dann wenigstens die technische Anpassung Fahrt aufgenommen. Aber der zeitliche und inhaltliche Abstand der Funktionsimplementierung wird immer größer statt kleiner. Dann heißt es sogar, dass gewisse Funktionen nie in der Cloud landen werden. Um nun auch die hartnäckigsten Kunden zu vertreiben, gibt es da noch die ein oder andere Preisanpassung – immer nach oben.

Ich bin leider nicht in der Lage zu klären, ob es wirklich technische Gründe für die schwache Funktionsanpassung gibt. Das Tempo der Entwicklung ist sehr hoch; für ein gewisses Maß an Verzug habe ich durchaus Verständnis. Manche Hindernisse lassen sich auch für Giganten wie Microsoft oder die Telekom nicht aus dem Stegreif lösen. Mit Transparenz und vernünftiger Kommunikation hätten die Kunden aber sicher ein höheres Maß an Frustrationstoleranz bewiesen.

Das Ablehnangebot?

In mir regt sich allerdings ein anderer Verdacht, der hinsichtlich des Verlaufs der Geschichte durchaus logisch klingt. Was, wenn von vornherein gar nicht gewünscht war, diesem Sondermodell zum Erfolg zu verhelfen? Es wäre ungefähr so, als würden Mercedes und Ferrari zusammen einen Sportwagen für deutsche Autobahnen bauen und ihn für zwei Millionen Euro anbieten, dann aber beiläufig erwähnen, dass der Wagen bei 100 km/h gedrosselt wird.

Microsoft und andere Oligopolanbieter fahren häufig die gleiche Strategie: Sie wollen (oder müssen) aus Wettbewerbs- oder strategisch-politischen Gründen ein Angebot bereitstellen, welches nicht zur internen Firmenstruktur passt – ein sogenanntes Ablehnangebot. Die Preise und Konditionen sind schlecht, aber man hat ein Angebot abgegeben. Nach außen kann man später behaupten, dass der Markt das Angebot aus unerfindlichen Gründen nicht angenommen hat und hat somit eine weiße Weste. Nach innen verfolgt man die ursprüngliche Strategie – wenn auch mit zeitlichen Verzögerung – und bekommt am Ende seinen Willen. In dieses Schema passt die gesamte Entwicklung der „German Cloud“.

Ich habe keinen Kunden, der die „German Cloud“ nutzt und kenne auch bei Kollegen niemanden. Gab es überhaupt echte Kunden? Wir werden es wohl nie in Erfahrung bringen. Aber wir verabschieden uns ganz leise von einem Produkt, das in dieser Form niemand vermissen wird.

Achim Heisler, Geschäftsführer A-H-S kommentiert das aktuelle Geschehen rund um die „German Cloud“.
Achim Heisler, Geschäftsführer A-H-S kommentiert das aktuelle Geschehen rund um die „German Cloud“. (Bild: Achim Heisler)

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