Cisco AI Readiness Index Fit für KI? Zumindest auf dem Papier

Von Alexander Siegert 4 min Lesedauer

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Eine Cisco-Studie untersuchte die KI-Readiness von Unternehmen und befragte knapp 8.000 IT-Führungskräfte in 30 Ländern. Die Ergebnisse für Deutschland sind alarmierend. Zwar gehört man strategisch zu den Spitzenreitern, doch die Umsetzung ist mangelhaft.

Die selbsternannte Denkernation Deutschland droht, bei der konkreten Umsetzung der KI-Technologie ins Mittelmaß abzurutschen.(Bild:  Midjourney/ KI-generiert)
Die selbsternannte Denkernation Deutschland droht, bei der konkreten Umsetzung der KI-Technologie ins Mittelmaß abzurutschen.
(Bild: Midjourney/ KI-generiert)

Die aktuelle Cisco-Studie zum KI-Readiness Index offenbart deutliche Defizite bei der Vorbereitung deutscher Unternehmen auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Von den weltweit rund 8.000 befragten IT-Führungskräften in 30 Ländern kamen 300 aus Deutschland – und ihre Antworten zeichnen ein ernüchterndes Bild. Lediglich sechs Prozent der Unternehmen hierzulande gehören zur Spitzengruppe der „Schrittmacher“ (Pacesetter), die als vollständig auf KI vorbereitet gelten. Im Vorjahr waren es noch sieben Prozent. Damit fällt Deutschland im europäischen Vergleich von Platz drei auf Platz sechs zurück. Die KI-Readiness ist angesichts der dynamischen Marktentwicklung und der weitreichenden Auswirkungen von KI auf den Geschäftsbetrieb ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb. Doch aktuell stagniert Deutschland und riskiert, den Anschluss zu verlieren.

Dringlichkeit erkannt

98 Prozent der Befragten halten KI für unverzichtbar und sehen deren Einsatz als immer dringlicher an. Doch die Zeit drängt. Fast die Hälfte (47 %) glaubt, dass sie maximal ein Jahr Zeit haben, um ihre KI-Strategie umzusetzen, bevor erhebliche negative Auswirkungen auf das Geschäft zu befürchten sind. Der Erfolgsdruck ist also spürbar hoch und die Zeit rennt. Dennoch zeigen die Ergebnisse der Studie, dass Investitionen häufig hinter den Erwartungen zurückbleiben: Zwar fließen bei 42 Prozent der deutschen Unternehmen zwischen 10 und 30 Prozent des IT-Budgets in KI, doch vier von zehn Firmen berichten, dass diese Ausgaben bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht haben.

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Besonders kritisch ist, dass Deutschland in der strategischen Planung zwar europäischer Spitzenreiter ist – 77 Prozent der Unternehmen sind hier stark aufgestellt –, jedoch deutliche Schwächen bei der Umsetzung zeigt. „Stillstand bei KI-Readiness bedeutet faktisch einen Rückschritt. Das können wir in Deutschland nicht ignorieren“, konstatiert Christian Korff, Mitglied der Geschäftsführung von Cisco Deutschland und Leiter der Bundesfachkommission Künstliche Intelligenz und Wertschöpfung 4.0 vom Wirtschaftsrat der CDU.

Planen allein reicht nicht

Deutschland ist also KI Europameister in der Planung. „Das ist aber nur die halbe Miete, wir müssen deutlich stärker in die Umsetzung kommen. Von Powerpoint-Folien allein ist noch keine KI-Strategie erfolgreich geworden. Wir müssen vor allem im Bereich der Infrastruktur und Rechenzentren aktiver werden in Deutschland, aber auch bei der Aufbereitung und Nutzung von Daten“, fordert Korff.

Auch in den Bereichen Governance und Datenmanagement gibt es Aufholbedarf. 74 Prozent der deutschen Unternehmen verfügen über keine umfassenden KI-Richtlinien, und nur 35 Prozent haben Verfahren zur Messung der Effekte von KI implementiert. Obwohl Daten die Basis aller KI-Aktivitäten bilden, bleibt ihre Aufbereitung ein Schwachpunkt: 88 Prozent der Unternehmen speichern ihre Daten weiterhin fragmentiert oder in Silos.

Infrastruktur und der Kampf um Talente

Ein weiteres zentrales Problem ist der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Nur 24 Prozent der Unternehmen geben an, über ausreichend gut geschulte Mitarbeiter zu verfügen. Die erfolgreiche Implementierung der KI-Technologie ist allerdings von den Fachkräften abhängig. Die Bandbreite an führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz an deutschen Universitäten ist groß. Aber auch hier befindet man sich in einem harten Wettbewerb, um die wertvollen KI-Talente hier zu halten und aus aller Welt anzuziehen.

Bei der KI-Infrastruktur schneidet Deutschland im europäischen Vergleich gut ab, bleibt jedoch hinter den Spitzenwerten zurück. Nur 14 Prozent der Unternehmen verfügen über geeignete Grafikprozessoren, und lediglich 20 Prozent können Daten umfassend und sicher in KI-Modellen schützen.

Christian Korff, Mitglied der Geschäftsführung, Cisco Deutschland(Bild:  Alexander Klebe)
Christian Korff, Mitglied der Geschäftsführung, Cisco Deutschland
(Bild: Alexander Klebe)

Um den Rückstand zur Weltspitze beim Aufbau von KI-Infrastrukturen aufzuholen, kommt laut Korff auch dem Channel eine Schlüsselrolle zu: „Die Größenordnung an Investition schafft nicht ein Teilnehmer allein. Dazu braucht es ein Ökosystem, mit dem man gemeinsam investiert.“ Bei Cisco sieht man sich dahingehend gut aufgestellt: „Wir haben unsere Vertriebspartner gezielt ausgebildet und in sie investiert, damit sie über die notwendigen Fachkräfte verfügen, um diese Infrastruktur aufbauen zu können.“

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Die Studie unterstreicht, dass die technische Einführung neuer Technologien auch von einem kulturellen Wandel begleitet werden sollte. Die Investitionsmentalität in Deutschland bleibt nach wie vor zu zurückhaltend. Unternehmen und Investoren sind gefordert, entschlossener zu agieren, während die Politik unterstützende und föderalismusübergreifende Rahmenbedingungen (z.B. in Form eines Digitalministeriums) schaffen muss, um KI-Innovationen und nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben. Denn KI-Readiness bedeutet nicht nur, visionäre Konzepte zu entwickeln, sondern diese konsequent in die Realität umzusetzen.

Über den AI Readiness Index

Der Cisco KI-Readiness Index basiert auf einer Doppelblind-Umfrage unter 7.985 Führungskräften aus 30 Ländern, die für die Integration von KI in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden verantwortlich sind. Bewertet wurden die Unternehmen in sechs Kategorien: Strategie, Infrastruktur, Daten, Governance, Fachpersonal und Unternehmenskultur. Mithilfe von 49 Metriken und einer gewichteten Gesamtbewertung wurden vier Gruppen ermittelt: Schrittmacher (vollständig vorbereitet), Verfolger (gut vorbereitet), Mitläufer (begrenzt vorbereitet) und Nachzügler (nicht vorbereitet).

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