Umfrage von Eco Fachkräftemangel: KI als Gegenmittel

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Eine Umfrage von Civey zeigt, dass die Mehrheit der Deutschen den Einsatz von KI zur Bewältigung des Fachkräftemangels befürwortet. Besonders bei der industriellen Fertigung sprachen sich knapp 60 Prozent der Befragten für den Einsatz von KI aus.

Viele Deutsche versprechen sich besonders in der industriellen Fertigung durch den Einsatz von KI eine Initialzündung.(Bild:  Phoophinyo - stock.adobe.com)
Viele Deutsche versprechen sich besonders in der industriellen Fertigung durch den Einsatz von KI eine Initialzündung.
(Bild: Phoophinyo - stock.adobe.com)

Deutschland verzeichnet einen Mangel an Fachkräften. Neben den bekannten Sorgenkindern wie der Pflege und der Gastronomie sind die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) besonders betroffen. Hier klafft laut MINT-Herbstreport 2023 des Instituts der Deutschen Wirtschaft eine Lücke von 285.800 Personen. Der Verband der Internetwirtschaft Eco beauftragte das Meinungsforschungsinstitut Civey, um herauszufinden, in welchen Branchen die Deutschen mit Künstlicher Intelligenz den Fachkräftemangel abfedern wollen.

Branchenübergreifende Chancen

Speziell in der industriellen Fertigung befürwortet die große Mehrheit der Deutschen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (58,7 %). Im Transportwesen (38,5 %) und im Finanzsektor (24,3 %) sowie in der Alten- und Krankenpflege halten viele Deutsche den KI-Einsatz für sinnvoll. Besonders bemerkenswert ist die Zurückhaltung gegenüber dem Einsatz von KI im Kultur- und Bildungsbereich, wo jeweils nur etwa jeder Zehnte den Einsatz von KI befürwortet. Dies verdeutlicht möglicherweise Bedenken hinsichtlich des Einflusses von Technologie auf kreative oder pädagogische Prozesse.

Branchenübergreifend ist mehr KI-Einsatz gewünscht.(Bild:  eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.)
Branchenübergreifend ist mehr KI-Einsatz gewünscht.
(Bild: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.)

Der Verband der Internetwirtschaft Eco sieht in der KI ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel: „Die Integration Künstlicher Intelligenz in verschiedene Branchen und Arbeitsbereiche kann einen signifikanten Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels in Deutschland leisten“, sagt der Eco-Vorstandsvorsitzende Oliver Süme. „Durch Automatisierung, beschleunigte Rekrutierung oder gezielte Weiterbildung mithilfe von KI können Unternehmen effizienter arbeiten und den vorhandenen Arbeitskräftepool optimal nutzen“, so Süme weiter. „Auch in sozialen Berufen kann KI zeitraubende Verwaltungsarbeit übernehmen, damit die Menschen weiterhin im Mittelpunkt der Beschäftigten der Alten- und Krankenpflege stehen.“

Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender bei Eco(Bild:  eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.)
Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender bei Eco
(Bild: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.)

Laut Eco-Branchenmonitor hat Künstliche Intelligenz kurzfristig gesehen nur einen geringen Einfluss auf die Umsätze der Internetbranche. Erst mittel- und langfristig sei mit einem signifikanten Wachstum zu rechnen. Denkbare Ansätze für Maßnahmen wären selbstlernende Bot-Programme, Anwendungen mit hohem Automatisierungspotenzial wie zum Beispiel virtuelle Agenten, Datenvisualisierung, Empfehlungssysteme oder Sprachauswertungen. Doch kann KI ein Produktivitätsmotor sein, der anhaltende makroökonomische Einflüsse hat? Der Report bescheinigt der Produktivität eine jährliche Steigerung mithilfe von KI von 0,8 bis 1,4 Prozent. Mit LLMs wie ChatGPT können 15 Prozent aller Arbeiten schneller und bei gleichbleibender Qualität erledigt werden. Dieser Wert soll in Zukunft auf 56 Prozent anwachsen. Es ist also mit stärkeren Investitionen in KI zu rechnen. Ein entscheidender Punkt: KI-Anwendungen müssen schnell und langfristig implementiert werden, um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu sein. Dazu braucht es aber auch ein KI-freundliches Spielfeld für Unternehmen, das ihnen nicht den nötigen Raum für Innovationen nimmt. Das ist ohne politische Hilfe undenkbar.

Politischer Rückenwind notwendig

Auch für Süme ist Unterstützung aus der Politik vonnöten: „Wir brauchen EU-weit einheitliche Kriterien in der Anwendung der europäischen KI-Verordnung und im Umgang mit KI-Systemen. Die Fehler der DSGVO dürfen sich nicht wiederholen – Deutschland oder andere EU-Mitgliedsstaaten sollten bei der Regulierung von GPAI-Modellen und Hochrisiko-Systemen keine nationalen Sonderwege gehen. Für ein echtes Level-Playing-Field in Europa braucht es einheitlich ausgelegte Pflichten, Anforderungen und Standards.“

Die Umfrage unterstreicht die breite Zustimmung der Bevölkerung zur Nutzung von KI als Mittel zur Bewältigung des Fachkräftemangels und verdeutlicht gleichzeitig die Notwendigkeit einer ausgewogenen Regulierung, um die Potenziale von KI voll auszuschöpfen.

Zur Umfrage

Der Internetverband Eco beauftragte das Meinungsforschungsinstitut Civey mit der Befragung. An ihr nahmen 2.519 volljährige Bundesbürger teil. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 3,3 Prozent.

(ID:49917606)

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung