Nachhaltige Strategie für Europas Halbleitermarkt Europa sollte sich auf umweltfreundliche Chipproduktion konzentrieren

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Europas Chipindustrie kann mit nachhaltiger Produktion globale Wettbewerbsvorteile sichern, so eine Studie des Think Tanks „Interface“. Die Analysten empfehlen eine Strategie abseits der umweltschädlicheren High-End-Fertigung von Halbleitern.

Die Produktion von ausgereiften bzw. Legacy-Halbleitern, wie sie in Autos, Stromnetzen und industriellen Anwendungen verwendet werden, gilt im Allgemeinen als weniger umweltschädlich als die Fertigung von High-End-Chips. Da europäische Hersteller in diesen Bereichen bereits sehr stark sind, sei der EU-Raum besonders gut aufgestellt, um in Sachen nachhaltiger Chipproduktion eine globale Vorreiterrolle einzunehmen, schlussfolgert der Think Tank „interface“ in einer aktuellen Studie.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die Produktion von ausgereiften bzw. Legacy-Halbleitern, wie sie in Autos, Stromnetzen und industriellen Anwendungen verwendet werden, gilt im Allgemeinen als weniger umweltschädlich als die Fertigung von High-End-Chips. Da europäische Hersteller in diesen Bereichen bereits sehr stark sind, sei der EU-Raum besonders gut aufgestellt, um in Sachen nachhaltiger Chipproduktion eine globale Vorreiterrolle einzunehmen, schlussfolgert der Think Tank „interface“ in einer aktuellen Studie.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die europäische Halbleiterindustrie steht vor einer Richtungsentscheidung. Eine aktuelle Analyse des Think-Tanks „Interface“ (ehemals Stiftung Neue Verantwortung) zeigt, dass die Emissionen in der globalen Chipproduktion in den letzten acht Jahren drastisch gestiegen sind. Insbesondere modernste Chips für KI-Anwendungen erfordern eine ressourcenintensive Fertigung. Experten plädieren daher für eine strategische Neuausrichtung der EU hin zu einer umweltfreundlicheren Produktion.

Laut der Studie ist der Energieverbrauch der Halbleiterindustrie seit 2015 um 125 Prozent gestiegen. Gleichzeitig haben sich die direkten Emissionen seitdem von 15,4 auf 18,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente erhöht. Besonders problematisch sind moderne Fertigungsprozesse für High-End-Chips, die nicht nur mehr Energie, sondern auch umweltbelastende Chemikalien wie fluorierte Gase erfordern.

Europas Chance: Nachhaltige Halbleiterproduktion

Experten schlagen daher vor, dass Europa nicht primär auf den kostspieligen Ausbau der High-End-Chipfertigung setzt, sondern sich auf etablierte Technologien konzentriert. „Wo wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern können, ist die Stärkung europäischer Unternehmen, die bereits Marktführer sind und Chips für die grüne Transformation produzieren“, sagt Julia Hess, die die Studie leitete. Firmen wie STMicroelectronics, Infineon und NXP zählen in diesem Bereich zu den weltweit führenden Herstellern.

Europa bietet durch seine Klimastrategien und den Zugang zu erneuerbaren Energien bessere Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Halbleiterfertigung als andere Regionen. Der größte Teil der modernen Chipproduktion findet in Asien statt, wo klimatische Bedingungen zusätzliche Energieaufwendungen erfordern. Durch strenge Umweltstandards könnte sich Europa als Vorreiter in der nachhaltigen Chipproduktion positionieren und einen langfristigen Wettbewerbsvorteil erlangen.

Transparenz und Standards als Schlüsselfaktoren

Eine der größten Herausforderungen bleibt die mangelnde Transparenz in der Berichterstattung über Emissionen und Energieverbrauch der Halbleiterhersteller. Unterschiedliche Methoden der CO2-Bilanzierung erschweren Vergleiche. Die Einführung eines standardisierten Rahmens könnte dazu beitragen, dass ESG-Berichte mehr Aussagekraft erhalten und echte Fortschritte in der Nachhaltigkeit messbar werden.

Die EU sollte ihre Chipstrategie kritisch überdenken. Statt auf emissionsintensive High-End-Fertigung zu setzen, könnte sie ihre Stärken in der nachhaltigen Produktion ausbauen. Eine langfristig angelegte Strategie, die Umwelt- und Wettbewerbsfähigkeit verbindet, würde nicht nur die europäische Chipindustrie stärken, sondern auch zur globalen Vorreiterrolle in der nachhaltigen Technologieproduktion beitragen.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektronikpraxis.

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