KI plus menschliche Kontrolle Europa braucht KI-gestützte Cybersecurity-Lösungen

Ein Gastbeitrag von Umashankar Lakshmipathy 5 min Lesedauer

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In einer Zeit, in der die Digitale Transformation das Rückgrat des wirtschaftlichen Fortschritts ist, befindet sich Europa an einem kritischen Punkt hinsichtlich seiner Cybersicherheit.

Europäische Unternehmen könnten durch einen ausgewogenen Ansatz von KI-gestützten Cybersecurity-Lösungen mit angemessener menschlicher Supervision ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberbedrohungen deutlich verbessern.(Bild:  Franklin - stock.adobe.com)
Europäische Unternehmen könnten durch einen ausgewogenen Ansatz von KI-gestützten Cybersecurity-Lösungen mit angemessener menschlicher Supervision ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberbedrohungen deutlich verbessern.
(Bild: Franklin - stock.adobe.com)

Die IT Governance Europe Website gibt an, dass es zwischen November 2023 und April 2024 insgesamt 2,29 Milliarden Datenschutzverletzungen gab. Einem Bericht der britischen Regierung aus dem Jahr 2024 zufolge waren 50 Prozent der Unternehmen im Vereinigten Königreich im letzten Jahr von einem Cybersecurity-Breach betroffen. Deutsche Behörden meldeten für 2023 einen Anstieg der Cyberangriffe durch ausländische Täter um 28 Prozent, insbesondere aus Russland und China. Im Jahr 2023 betrugen die durchschnittlichen Kosten für eine Datenschutzverletzung in Frankreich 4,08 Millionen US-Dollar. KI-gesteuerte Cyberangriffe werden weiter zunehmen. Der Grund: Das Dark Web dient als Nährboden für bösartige Chatbots wie WormGPT, WolfGPT und FraudGPT – und verstärkt so bösartige Cyberaktivitäten. Dieser Anstieg der Cyber-Bedrohungen macht deutlich, dass robuste Sicherheitsmaßnahmen dringend notwendig sind.

Die steigende Zahl von Cyberangriffen ist nicht nur eine statistische Zahl, sondern ein deutlicher Hinweis darauf, dass herkömmliche Maßnahmen zur Cybersicherheit nicht mehr ausreichen. Traditionelle Sicherheitstools verlassen sich stark auf statische Schutzmethoden und reagieren hauptsächlich auf bekannte Bedrohungen. Dieser Ansatz hinterlässt erhebliche Lücken – vor allem, wenn Angreifer fortschrittliche Techniken einsetzen, mit denen sich die Standardschutzmaßnahmen umgehen lassen.

Traditionelle Security-Maßnahmen reichen gegen KI-gesteuerte Angriffe nicht aus

Dank Künstlicher Intelligenz sind Cyberangreifer in der Lage, ausgefeilte Techniken zu entwickeln, mit denen sich selbst die robustesten Cybersecurity-Systeme überwinden lassen. Im November 2022 kam es beispielsweise bei T-Mobile zu einem schwerwiegenden Datenschutzverstoß, bei dem die persönlichen Daten von 37 Millionen Kunden verloren gingen. Der Angreifer nutzte eine durch KI verbesserte API für einen unbefugten Zugriff aus. Auch beim Online-Marktplatz TaskRabbit von IKEA kam es aufgrund eines KI-gestützten Botnet-Angriffs zu einer Datenpanne, bei der 3,75 Millionen Datensätze offengelegt wurden.

Diese KI-gesteuerten Cyberangriffe verändern die Cybersecurity-Landschaft. Sie unterstreichen, wie notwendig eine umfassende Strategie zum Schutz vor den wachsenden Angriffsflächen ist, die KI bietet. Herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen, die sich in erster Linie auf den Perimeter-Schutz wie Firewalls und Antiviren-Software konzentrieren, sind nicht in der Lage, die hochentwickelten KI-gesteuerten Bedrohungen abzuwehren. Dieser Ansatz war reichte in der Vergangenheit aus, als viele Anwendungen und Software noch intern entwickelt wurden. Security-Maßnahmen konnten sich so auf externe Risiken konzentrieren.

Doch Unternehmen sind zunehmend von Software-gesteuert und durch Cloud Computing sind neue und effektive Verteidigungsstrategien gegen neue Bedrohungen unerlässlich. Es ist enorm wichtig, das effizientere Algorithmen komplexere Cyberbedrohungen abwehren. Auf Basis eines Algorithmus lassen sich bestimmte Aufgaben ausführen. KI hat wiederum das Potenzial, intelligente, autonome Algorithmen zu schaffen. Die Weiterentwicklung von KI wird wahrscheinlich bestehende Sicherheitsmaßnahmen auf unvorhersehbare Weise beeinflussen und zu stören.

Zu den Maßnahmen gehören integrierte vorausschauende Analysen, die Untersuchung der Angriffskette, die kontinuierliche Validierung von Verteidigungsmaßnahmen und die Korrelation von Telemetriedaten, die aus dem gesamten Unternehmens-Ökosystem gesammelt werden. Dies hat dazu geführt, dass Organisationen KI-gestützte Cybersicherheits-Tools entwickelten. Diese verkörpern entsprechende Prinzipien und versetzen Unternehmen in die Lage, Cyberangriffe zu antizipieren und abzuwehren.

Durch neue fortschrittliche KI-Technologien, einschließlich generativer KI, ist es wichtig, die Angriffs-, Schutz- und Erkennungsmechanismen neu zu bewerten. KI-gestützte Cyberangriffe lassen sich deutlich schneller ausführen als menschliche Teams bösartige Akteure in Echtzeit identifizieren können. Sie sind auch in der Lage, ihre Eigenschaften zu analysieren und die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, um die Sicherheit zu verbessern. Infolgedessen können KI-gestützte Cyberangriffe in kürzerer Zeit als je zuvor erheblichen Schaden anrichten.

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Das Versprechen von KI-gestützter Cybersicherheit

KI-gestützte Cyberangriffe und -bedrohungen nehmen kontinuierlich zu. Um sie wirksam zu bekämpfen, muss sich die laufende und künftige Forschung auf die Abwehr komplexer Cyberbedrohungen, die Weiterentwicklung des Malware-Reverse-Engineerings und ein verbessertes Situationsbewusstsein im Cyberbereich konzentrieren. Die Sicherheitsarchitektur kann sich nicht nur darauf konzentrieren, Risiken im Zusammenhang mit bekannten Bedrohungen und Schwachstellen zu bewältigen. Cybersecurity-Unternehmen sollten sich auf Anwendungen fokussieren, die Sicherheitsalgorithmen nutzen. Diese müssen in der Lage sein, KI-basierte Angriffe vorherzusagen und zu erkennen. Die Integration von KI in die Cybersicherheit verändert die Entwicklung von Cybersystemen und Verteidigungsarchitekturen. Mit neuen Applikationen wie Intent-Based Network Security (IBNS) und sich selbst anpassenden immunen Computersystemen sind Sicherheits-OEMs in der Lage, herkömmliche Algorithmen zu verbessern – und so Muster zu erkennen und rechnerische Asymmetrien zu reduzieren. Dieser Ansatz sollte Zero-Trust-Security und Secure-by-Design-Prinzipien integrieren. Dadurch verbessert sich die Sicherheitslage von Unternehmen gegen KI-gesteuerte Cyberangriffe.

Da sich KI-gestützte Kontrollen immer weiterentwickeln, müssen Initiativen im Vordergrund stehen, die die Sicherheit KI-bedingter Risiken bewerten. Auch geeignete Maßnahmen, die Risiken managen und reduzieren sind notwendig. Mehr Kontrollen ziehen auch eine höhere Anzahl an Warnmeldungen nach sich – und damit einen erheblichen Aufwand für deren Untersuchung. Dies kann dazu führen, dass Security-Teams mit der schieren Anzahl von Meldungen überfordert ist.

Es besteht ein dringender Bedarf – basierend auf einer Roadmap – autonome Cybersecurity-Lösungen zu entwickeln. Diese integrieren KI, Machine Learning sowie Automatisierungsfunktionen. Beispiele für durch KI verbesserte Tools sind Security Information and Event Management (SIEM) sowie Endpoint Detection and Response (EDR). Der Einsatz KI-gestützter Cybersecurity-Technologien sorgt für eine deutlich bessere Abwehr gegen KI-gestützte Risiken und Cyberangriffe.

Herausforderungen bei der Implementierung von KI-basierten Lösungen

Obwohl die Vorteile der KI-gestützten Cybersicherheit überzeugen, ist Implementierung mit Herausforderungen verbunden. Eines der wichtigsten: Sie birgt Potenzial für analytische Ungenauigkeiten. KI-Algorithmen sind zwar leistungsstark, aber nicht unfehlbar. Daher können sie falsch positive und negative Ergebnisse liefern. Diese Ungenauigkeiten führen zu einer gewissen Alarmmüdigkeit. Security-Teams werden von der Anzahl der Alarme überfordert – dadurch ist es möglich, dass sie Bedrohungen übersehen.

Menschliche Aufsicht ist aber auch bei KI-Systemen notwendig: Sie müssen Ergebnisse und Entscheidungen überprüfen. Ein ausgewogener Ansatz basierend auf der Kombination von KI und menschlicher Expertise gewährleistet wirksame Cybersecurity-Maßnahmen.

Europäische Unternehmen müssen handeln

Die Zunahme von Cyberbedrohungen in Europa erfordert schnelles Handeln. Um den Angreifern einen Schritt voraus zu sein und ihre digitalen Werte zu schützen, müssen Unternehmen in KI-gesteuerte Sicherheitssysteme investieren. Die Integration von KI in Cybersecurity-Strategien bietet eine dynamische Lösung, um Bedrohungen zu erkennen und zu verhindern. Diese müssen auch mit den Herausforderungen Schritt halten, die es in diesem Bereich gibt. Damit solche Security-Anwendungen erfolgreich implementiert werden, müssen Organisationen jedoch Probleme wie analytische Ungenauigkeiten und die notwendige menschliche Kontrolle berücksichtigen.

Europäische Unternehmen sind durch einen ausgewogenen Ansatz, in der Lage, ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberbedrohungen deutlich zu verbessern. Dabei sollten KI-gestützte Cybersecurity-Lösungen mit angemessener menschlicher Supervision verknüpft werden.

Über den Autor: Umashankar Lakshmipathy ist Executive Vice President und Regional Head von Infosys Limited für die Bereiche Cloud, Infrastruktur und Sicherheit. Er ist außerdem Mitglied des europäischen Führungsteams und verantwortlich für die Geschäftsentwicklung des EMEA-Markts. Lakshmipathy verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der IT-Branche, wovon er über 27 Jahre im Bereich Infrastrukturdienste tätig war. Er kam 2010 zu Infosys und leitet seither das Cloud-, Security- und Infrastrukturgeschäft mit großem Erfolg.

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