Multichannel-Strategie, Internationalisierung, Stiftung Erschwerte Bedingungen prägen Bechtles Geschäftsergebnis

Von Sylvia Lösel 4 min Lesedauer

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Im Jahr 2024 sah sich die Bechtle Gruppe großen Herausforderungen gegenüber. Das schlägt sich im Ergebnis nieder. Für die Zukunft sieht sich der Dienstleister sehr gut positioniert, wenn auch eine Prognose für 2025 schwierig bleibt.

Bechtle veröffentlicht die Geschäftszahlen für das Jahr 2023.(Bild:  Bechtle)
Bechtle veröffentlicht die Geschäftszahlen für das Jahr 2023.
(Bild: Bechtle)

Dr. Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender bei Bechtle(Bild:  Bechtle)
Dr. Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender bei Bechtle
(Bild: Bechtle)

„Das Jahr 2024 stellte die Bechtle Gruppe vor große Herausforderungen. Obwohl wir mit dem Verlauf und den Zahlen nicht zufrieden sind, haben wir uns angesichts der äußerst schwierigen Rahmenbedingungen dennoch gut behauptet. Unsere internationale Aufstellung hat sich einmal mehr als wertvoll erwiesen“, so Dr. Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender von Bechtle bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens.

Europäisierung des Geschäfts im Blick

In Zahlen ausgedrückt steigt zwar das Geschäftsvolumen um 2 Prozent, der Umsatz geht aber um 1,8 Prozent zurück. Olemotz führt dies auf zwei Hauptgründe zurück: Zum einen habe sich der Mittelstand, eine der Kernzielgruppen von Bechtle, bei Investitionen zurückgehalten. Ersatzbeschaffungen blieben aus. Zum anderen war auch die Öffentliche Hand, ein weiterer wichtiger Markt für Bechtle, verunsichert und investierte nicht. Zudem schwächelten die beiden Hauptabsatzmärkte Frankreich und Deutschland gleich beide. Umso wichtiger sei es, so Olemotz, die Europäisierung des Geschäftes weiterhin strategisch voranzutreiben. Denn die Märkte in Belgien, Großbritannien und Spanien hätten sich „erfreulich entwickelt".

Auch wenn es im vierten Quartal 2024 ein wenig besser lief, will Olemotz dies noch nicht als eine Trendwende sehen. Im Gegenteil. Für das erste Halbjahr 2025 gebe es „keinen Anlass für Euphorie“, eine Belebung erhofft man sich frühestens für die zweite Jahreshälfte. „Die Unsicherheiten haben zugenommen“, sagt Olemotz; auch mit Blick auf die geopolitischen Veränderungen.

Dennoch bleibt Bechtle bei seiner Dividendenpolitik, die auf „Kontinuität und Verlässlichkeit“ setzt. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung im Geschäftsjahr 2024 und einer mehr als soliden Finanzausstattung schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine konstante Dividende in Höhe von 0,70 Euro je Aktie vor. Angesichts des Ergebnisrückgangs sieht das Unternehmen dies als ein starkes Signal der Verlässlichkeit. Ein Wert, der bei den Schwaben einen hohen Stellenwert hat. Deshalb habe man auch die Kosten „eng im Blick“, wolle aber auch investieren, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Bechtle sei ein „finanziell kerngesundes Unternehmen“, sagte der CEO mit Blick auf die gute Entwicklung beim Cashflow, und „wir glauben an uns“.

Der Dienstleister hat erst vor kurzem die Weichen für eine Multichannel-Strategie neu gestellt und dazu auf Vorstandsebene die Verantwortung für alle Vertriebswege in den Ländermärkten in jeweils einer Hand gebündelt. Als zweiten Fokus für 2025 nennt Olemotz das Geschäft mit den Öffentlichen Auftraggebern. Hier wolle man sich klar als verlässlicher Multi-Cloud-Dienstleister positionieren, denn die Öffentliche Hand habe hohen Nachholbedarf. Als dritte Säule nennt Olemotz die im vergangenen Jahr etablierte Bechtle Stiftung, die sich unter anderem mit dem Stipendienprogramm „female upgreat“ für eine langfristige Förderung und Begleitung von Mädchen und Frauen engagiert.

Die Bilanz-Zahlen

Die Geschäftsentwicklung der Bechtle AG stand 2024 unter dem Einfluss schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Trotzdem stieg das Geschäftsvolumen um 2,0 Prozent auf 7.949,0 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 1,8 Prozent auf 6.305,8 Millionen Euro zurück. Das Vorsteuerergebnis (EBT) lag bei 345,1 Millionen Euro (Vorjahr: 374,5 Millionen Euro). Die EBT-Marge betrug 5,5 Prozent, nach 5,8 Prozent im Vorjahr.

Zum 31. Dezember 2024 waren 15.801 Mitarbeitende bei Bechtle beschäftigt, was einem Anstieg von 642 Personen oder 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Rund 60 Prozent der neuen Mitarbeitenden kamen über Akquisitionen zu Bechtle. Organisch lag der Zuwachs lediglich bei 1,7 Prozent. Die bewusste Entscheidung, bei Neueinstellungen zurückhaltender zu agieren, geht aber keineswegs zulasten der Zukunftssicherung. So liegt die Zahl der Auszubildenden und dual Studierenden mit 883 jungen Menschen so hoch wie noch nie. Die Ausbildungsquote in Deutschland beträgt 6,7 Prozent und liegt damit in etwa auf Vorjahresniveau.

Äußerst positiv hat sich der operative Cashflow entwickelt. Er lag im Geschäftsjahr 2024 bei 558,2 Millionen Euro (Vorjahr: 459,0 Millionen Euro) und verbesserte sich damit um fast 100 Millionen Euro.

Schwierige Prognose für 2025

Weiterhin bestünde ein konjunkturelles Problem, der IT-Markt an sich sei strukturell gut und solide, Bechtle selbst gut positioniert. Als Chancen nennt der Dienstleister

  • den fortlaufenden Bedarf zur Digitalisierung,
  • das Ende des Supports für Windows 10 sowie
  • die Notwendigkeit, eine KI-fähige IT-Infrastruktur zu schaffen.

Ob allerdings tatsächlich entsprechende Investitionen seitens der Kunden getätigt werden, wann und in welchem Ausmaß, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös prognostizierbar. „Eine Belebung der IT-Nachfrage erwarten wir aber frühestens in der zweiten Jahreshälfte.“

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Diese sehr geringe Visibilität bestimmt auch den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025. „Wir erwarten beim Geschäftsvolumen ein leichtes Wachstum. Beim Ergebnis muss Bechtle die Bandbreite der Prognose aufgrund der hohen Unsicherheiten vergrößern. Ein Rückgang von circa 5 Prozent ist aus unserer Sicht ebenso möglich wie ein Wachstum von 5 Prozent. Wir gehen derzeit durch eine anhaltende konjunkturell angespannte Phase – werden aber alles daransetzen, wieder profitables Wachstum zu zeigen und Marktanteile zu gewinnen“, sagt Olemotz.

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